Barno Ismatullaeva und Martin Muehle in der Staatsoper Hannover © Sandra Then/Staatsoper Hannover Foto: Sandra Then

Staatsoper Hannover: Otello als Kriegsheimkehrer

Stand: 30.10.2021 09:29 Uhr

Die Staatsoper Hannover schickt am Wochenende Otello auf die Bühne. Regisseur Immo Karaman beschäftigt sich in seiner Inszenierung mit dem Thema "traumatisierte Kriegsheimkehrer".

von Agnes Bührig

Die Bühne in der Staatsoper Hannover ist eine karge Stube. Links ein bulliger Kühlschrank, rechts ein Feldlager auf dem Boden, durch eine herabgelassene Jalousie fällt fahles Licht von der Seite. Feldherr Otello ist aus dem Krieg zurück. Doch dieser Sieger strahlt nicht, trägt nicht stolz seine Uniform. Als Kriegsveteran im Bademantel wandelt er durch sein Leben - mit wirrem Haar und stierem Blick.

Der vergebliche Versuch einer Resozialisierung ist für Regisseur Immo Karaman das Hauptthema der Oper: "Ich glaube, dass wir die Verantwortung verkennen, die wir als Gesellschaft tragen für Menschen, die wir zum Krieg ausbilden, in den Krieg entsenden und dann erwarten und erhoffen, dass diese Menschen - als ob nichts geschehen sei - quasi wieder eingegliedert werden können. Wir wissen das heute psychologisch zu benennen, wir haben eben den Begriff der posttraumatischen Belastungsstörung da gefunden. Aber das Bewusstsein - auch das gesellschaftliche - und das Verständnis für diese Menschen, das scheint mir heute noch zu fehlen"

Zögern beim Otello-Hauptdarsteller Martin Muehle

Martin Muehle in der Staatsoper Hannover © Sandra Then/Staatsoper Hannover Foto: Sandra Then
Martin Muehle als Otello in der Staatsoper Hannover

Otellos Vertrauen in die Menschen hat durch den Krieg stark gelitten. Seiner eigenen Frau Desdemona unterstellt er, einen anderen zu lieben. Am Ende führt es beide in die Katastrophe. Für Martin Muehle, der den Otello singt, kennzeichnet die Figur zudem eine gewisse Fragilität.

Lange habe er gezögert, die Rolle zu übernehmen, sagt der deutsch-brasilianische Tenor, zu dessen Repertoire Rollen wie der Don José in Carmen oder der Chevalier Renato des Grieux in Manon Lescaut gehören: "Es ist nicht eine Rolle, die man so zwischendurch oder nebenbei oder am Anfang einer Karriere singt. Das ist eine Rolle, die viel Reife braucht, aber es ist keine Rolle, die man am Ende von seiner Karriere singen darf, denn stimmlich wird sehr viel verlangt. Die ganze Partie ist eine große Herausforderung. Aber die Musik ist so unglaublich schön."

Otello ist mehr als ein Außenseiter

Pavel Yankovsky und Martin Muehle auf der Bühne in der Staatsoper Hannover © Sandra Then/Staatsoper Hannover Foto: Sandra Then
Der Schweizer Bühnenbildner Etienne Pluss zeigt die Vielschichtigkeit der Inszenierung

Otello ist Liebender und Traumatisierter zugleich. Der Schweizer Bühnenbildner Etienne Pluss zeigt diese Vielschichtigkeit, indem er den Raum durch mehrere, hintereinander liegende Abschnitte verlängert: Während vorn das intrigante Spiel eines Militärangehörigen tobt und hinten Inselbewohner stehen, kauert am Rand in der Mitte Otello.

In der Vorlage von Shakespeare symbolisiert die dunkle Hautfarbe Otellos den Außenseiter. Für Regisseur Immo Karaman gibt es für diese Zuschreibung andere Gründe: "Dieses Thema: 'Wie erschafft Krieg eigentlich seine eigenen Außenseiter?', das war für mich eigentlich erst mal der schlüssigste Zugang, unabhängig von jeder Hautfarbe. Ich glaube, diese Inszenierung kann jetzt im Grunde genommen wirklich jeder Sänger, der die Höhe hat für diese Partie, singen, egal, welche Hautfarbe er jetzt mitbringt." Nach Benjamin Brittens "The Turn of the screw" ist es Immo Karamans zweite Arbeit an der Staatsoper Hannover in diesem Jahr - endlich wieder in großer Besetzung.

 

Weitere Informationen
Der Zuschauerraum der Staatsoper Hannover ist gut gefüllt. © NDR

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Staatsoper Hannover: Otello als Kriegsheimkehrer

Regisseur Immo Karaman beschäftigt sich in seiner Otello-Inszenierung an der Staatsoper Hannover mit dem Thema "traumatisierte Kriegsheimkehrer".

Datum:
Ende:
Ort:
Staatsoper Hannover
Opernplatz 1
30159 Hannover
Preis:
Ab 21 Euro
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 29.10.2021 | 10:20 Uhr