Szenenbild: Matthias Habich und Udo Samel als Herr Klee und Herr Feld in den Hamburger Kammerspielen © Bo Lahola

Matthias Habich und Udo Samel sind "Herr Klee und Herr Feld"

Stand: 30.05.2022 06:00 Uhr

Matthias Habich und Udo Samel spielen in "Herr Klee und Herr Feld" an den Hamburger Kammerspielen ein zerstrittenes jüdisches Brüderpaar. Das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die private Beziehung der beiden Schauspieler.

Szenenbild: Matthias Habich und Udo Samel als Herr Klee und Herr Feld in den Hamburger Kammerspielen © Bo Lahola
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Moritz ist emeritierter Psychologie-Professor, Alfred hat in "Dracula"-Filmen mitgespielt. Beide sind längst über 70, jüdische Brüder und keineswegs daran interessiert, in Rentner-Routine zu versinken. Deshalb ist das plötzliche Auftreten der charmanten Zamira ein willkommener Lichtblick, wäre sie nicht ausgerechnet Palästinenserin… Mit den beiden Charakterdarstellern, Matthias Habich und Udo Samel, ist das Stück von Michel Bergmann und Anke Apelt prominent besetzt. "Herr Klee und Herr Feld" ist der dritte Teil der Trilogie über jüdisches Leben in Deutschland nach 1945. Bis zum 19. Juni ist es in den Hamburger Kammerspielen zu sehen. Im Gespräch mit NDR Kultur Moderatorin Katja Weise diskutierten Udo Samel und Matthias Habich darüber, was es heißt, auf der Bühne zu stehen.

Kennen Sie sich lange und gut oder eher weniger?

Matthias Habich: Wir kennen uns lange - nicht sehr gut.
Udo Samel: Nicht sehr gut. Nein.

Wie war denn jetzt das Zusammentreffen?

Habich: Es hatte ein paar Holper.
Samel: Es gibt ein schönes deutsches Wort: merkwürdig.
Habich: Merkwürdig, des Merkens würdig, genau. Es war aber gut und ich glaube, es wird noch besser.

Das Brüderpaar, das Sie in dem Stück "Herr Klee und Herr Feld" an den Hamburger Kammerspielen spielen, ist ja in einem Dauerstreit gefangen.

Habich: Das überträgt sich auch irgendwie ins Private. Ich kränke ihn, er kränkt mich. Ich glaube, da bleibt was Privates hängen.
Samel: Es wirft einen Schatten auf das private Sein. Da man sich der Rollen und des Textes annimmt, wird man im besten Falle auch ein bisschen zu den Figuren, die man spielt. Da ich mich mit ihm nicht verstehen darf, weil er sich meiner Meinung nach so schlecht benimmt, wirft es auch einen Schatten auf unser eigenes Sein.
Habich: Obwohl - eigentlich ist ja Theater "So tun als ob" und nicht wirklich. Aber wir fallen manchmal in diese Fallgrube rein und übertragen das auch ins Private.

Sie sind beide aus meiner Sicht schon Meister der sehr wohlgesetzten Gesten und Töne. Und ich stelle mir vor, dass das ein sehr, sehr weiter Weg dahin ist. Wie gehen Sie diesen Weg?

Samel: Wir gehen den ja beide schon seit Jahrzehnten, ein ganzes Leben lang. Wir sind beide ältere Herren. Also ich, Matthias nicht.
Habich: Das kann man wohl sagen!
Samel: Ich kann nicht beschreiben, wie man da hingeht. Ich denke, es ist: Sich vorzunehmen, sich selbt nicht zu wichtig zu nehmen, sondern der Figur, die wir spielen dürfen, ein Leben zu geben, das für alle Menschen annähernd zu verstehen ist.
Habich: Das ist vielleicht dein Weg. Ich nehme mich schon sehr wichtig, muss ich sagen - (lacht) - es wäre wünschenswert, wenn ich bescheidener wäre. Und, stimmt das denn überhaupt, Udo?
Samel: Ich bin auch nicht bescheiden, ja.

Also sie nehmen sich und die Rolle wichtig, Matthias Habich, oder wie meinen Sie das?

Habich: Natürlich tue ich so, als sei ich ein ganz bescheidener Mensch...
Samel: Es geht gar nicht um Bescheidenheit, denke ich.
Habich: - Sich nicht wichtig nehmen? Ich kann jetzt nicht sagen, dass ich mich nicht wichtig nehme.
Samel: Jeder Schauspieler und jede Schauspielerin braucht ein hohes Maß an Unverschämtheit, die Bühne überhaupt zu betreten. Wer kann sich denn anmaßen, sich auf eine Plattform zu stellen, leicht erhöht über den Menschen, die einem zuhören, und dann behaupten, er sei der oder die und das sei nun die Welt. Das ist aber der Beruf. Und genau in diesem Widerspruch lebt das natürlich. Sich vorzunehmen, das besonders fein zu machen oder das besonders auffällig, besonders grob zu machen, das sind ja alles unterschiedliche Maßgaben derjenigen, die das sind. Das gehört auch zu den Menschen, die auf der Bühne stehen.

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Matthias Habich blickt in die Kamera © picture alliance/dpa | Georg Wendt Foto: Georg Wendt

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | NDR Kultur à la carte | 30.05.2022 | 13:00 Uhr

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Theater