Teilnehmer einer Demonstration gegen das iranische Regime halten auf dem Glockegießerwall iranische Flaggen und ein Transparent mit der Aufschrift "Stoppt Hinrichtungen". © picture alliance/dpa Foto: Georg Wendt

Patenschaften geben Inhaftierten im Iran eine Stimme

Stand: 16.03.2023 10:32 Uhr

Die Gefängnisse sind voll. Seit im Iran für Freiheit und Menschenrechte demonstriert wird, sind dort unzählige Menschen willkürlich verhaftet worden.

von Julia Heyde de López

Javad Rouhi ist einer von ihnen. Der 35-Jährige stammt aus dem Norden des Irans. Er wurde bereits im September während der ersten Proteste verhaftet und später dreifach zum Tode verurteilt. Menschenrechtsorganisationen setzen sich für Rouhi ein. Und vor Kurzem hat der Berliner Bischof Christian Stäblein eine Patenschaft für ihn übernommen: "Ich mache mich gewissermaßen zum öffentlichen Anwalt oder zur öffentlichen Stimme für Javad Rouhi hier." Er habe Briefe an den Präsidenten im Iran und an den Botschafter geschrieben und auf das Schicksal von Javad Rouhi aufmerksam gemacht. Er habe außerdem die Forderung der Umwandlung der Urteile und die unverzügliche Freilassung von Javad Rouhi formuliert.

Gesellschaft für Menschenrechte vermittelt Patenschaften

Vermittelt wurde die Patenschaft von der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte. Christian Stäblein ist klar, dass seine Briefe vermutlich nicht umgehend etwas bewirken werden. Aber man dürfe nichts unversucht lassen, was Menschen helfen und vielleicht ein Leben retten kann, sagt er.

Es rührt mich einfach auch dieses konkrete Schicksal unter den vielen ähnlichen Schicksalen von Menschen, die oft von uns überhaupt nicht gesehen in den Gefängnissen im Iran zu Tode gefoltert werden. Wir müssen da hingucken. Bischof Christian Stäblein

Aufbegehren im Iran nicht wieder versickern

Gerade zu Unrecht Inhaftierte sind auf diese Aufmerksamkeit angewiesen, sie kann ein Schutz sein. Es ist wichtig, dass wir diese Menschen sehen und nicht vergessen, erklärt Stäblein. Er engagiert sich seit Langem für politische Gefangene in anderen Ländern, kennt das Schwanken zwischen Hoffnung und Hilflosigkeit. Im Blick auf den Iran und Javad Rouhi und die Menschen spüre er die Ohnmacht besonders stark. Und teile gleichzeitig im Moment auch die Hoffnung, dass dieser Aufstand und dieses Aufbegehren so vieler Frauen und Männer im Iran nicht wieder versickere, sondern Kraft behält und am Ende zum Ziel führe.

Bischof Stäblein gibt Javad Rouhi eine Stimme

Stäblein ist der erste leitende evangelische Geistliche in Deutschland, der so eine Patenschaft übernimmt, und er hofft, dass andere seinem Beispiel folgen werden. Er wolle seine Rolle als Bischof an dieser Stelle dafür nutzen, um Rouhis Stimme und sie seiner Familie laut zu machen. Im Brief an den iranischen Botschafter schreibt Bischof Stäblein am Ende: "Bitte schützen Sie das Leben von Javad Rouhi, das Gott ihm geschenkt hat!"

Weitere Informationen
Der Deutsch-Iraner Djamshid Sharmahd sitzt in einem Teheraner Revolutionsgericht. © picture alliance/dpa | Koosha Falahi/Mizan/dpa Foto: Koosha Falahi/Mizan

Nach Todesurteil: Solidarität mit Deutsch-Iraner in Hannover

Hunderte Menschen sind am Samstag für den deutschen Staatsbürger Jamshid Sharmahd auf die Straße gegangen. mehr

Auf einer Demonstration wird die Freilassung von Toomaj Salehi gefordert © Screenshot

Iran: Der Rapper in der Folterzelle

Er ist einer der berühmtesten Rapper im Iran, kritisiert in seinen Texten das Regime: Toomaj Salehi. Jetzt droht ihm die Todesstrafe. mehr

Der Deutsch-Iraner Djamshid Sharmahd steht an einem Rednerpult in einem Teheraner Revolutionsgericht. © dpa-Bildfunk Foto: Koosha Falahi/Mizan

Jamshid Sharmahd: Erneute Demo in Hannover gegen Todesurteil

Am Samstag haben rund 220 Menschen demonstriert. Ein Freund des Deutsch-Iraners Sharmahd erinnert sich an dessen Entführung. mehr

Proteste mit Plakaten gegen die Hinrichtungen von Mohammad Mehdi Karami und Seyed Mohammad Hosseini im Iran. © picture alliance / NurPhoto Foto: Allison Bailey

Kolumne: "Hinsehen"

Das iranische Regime tötet seine Kinder. Wo anderen Unrecht angetan wird, sollten wir hinsehen, meint Julia Heyde de López. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 | Moment mal | 12.03.2023 | 09:15 Uhr

Info

Die Evangelische und Katholische "Kirche im NDR" ist verantwortlich für dieses Onlineangebot und für die kirchlichen Beiträge auf allen Wellen des NDR.

Das Logo von #NDRfragt auf blauem Hintergrund. © NDR

Umfrage: Ist Wohnen bald unbezahlbar?