Junge Frau sitzt an der Heizung mit Mütze und Handschuhen. © picture alliance / photothek Foto: Thomas Trutschel

Kolumne: "Alarmismus ist fehl am Platz"

Stand: 17.07.2022 07:30 Uhr

Die Furcht vor einem Gasmangel sorgt derzeit für einen Krisenmodus im Land. Neben den Explodierende Energiekosten werden auch Lebensmittel immer teurer. Die Inflation ist derzeit die größte Angst der Menschen.

von Pastor Jan Dieckmann

"Kommunen bereiten sich auf den Ernstfall vor", titelt eine große Wochenzeitschrift in diesen Tagen. Und bebildert die reißerische Überschrift mit einem Bild vom leeren Freibad. Mein Gott, geht's noch? Ernstfall Bäderschließung?

"Wir werden auch mit diesen Krisen fertig"

Pandemie, Inflation, Krieg. Das ist alles schlimm. Und die Zeiten unseres Erfolgs-verwöhnten "Immer schneller", "Immer besser", "Immer weiter" gehen vermutlich dem Ende entgegen. Aber bitte, liebe Medien und liebe Politikerinnen und Politiker, hört auf den Teufel an die Wand zu malen. Wir sind viel stärker, als wir denken. Viel kreativer als gedacht. Wir werden auch mit diesen Krisen fertig. Hier fliegen keine Bomben in Wohnhäuser, sondern die Raumtemperatur wird um ein paar Grad gesenkt. Oder unser Bruttosozialprodukt wird um ein paar Prozente absacken. Aber schaut euch doch um, es geschieht ja etwas. Überall wird vorgesorgt, geplant, gemacht. Kaminholz ausverkauft, Gaskocher gibt es nicht mehr zu kaufen, meine Timeline ist voll mit Solarpanels fürs Dach oder Batterien für den Notfall. Wir alle richten uns auf schwierigere Zeiten ein. Aber wir werden sie überstehen!

Nachhaltigere, vernetztere und menschlichere Gesellschaft

Was ist eigentlich wichtig? Dass wir bequem leben und unseren Lebensstandard halten? Oder, dass wir Mensch bleiben, uns um uns kümmern, Zusammenhalt zeigen, den Nachbarn im Auge haben. Und uns endlich mal darauf konzentrieren, unsere Gesellschaft umzubauen. Nachhaltiger, vernetzter, menschlicher. Und vor allem, dass wir jetzt gemeinsam, konkret und gezielt die unterstützen, die keine finanziellen Reserven haben. Gute Vorschläge bitte! Lösungen sind gefragt, nicht Probleme.

Jan Dieckmann © Kirche im NDR Foto: Christine Raczka
Trotz Krise möchte Pastor Jan Dieckmann tatkräftig nach vorne schauen.

Ich bin bereit, meinen Teil zu tun. Krise, du kannst kommen. Ich fahre halt weniger Auto, schaue, dass das Licht im Treppenhaus nicht den ganzen Tag brennt. Ich stelle die Heizung so ein, dass ich eben nur ein paar Stunden am Tag warmes Wasser habe. Wäre doch gelacht, wenn wir als starkes und reiches Land nicht mit diesen Problemen fertig werden.

Nicht verdruckst, sondern hoffnungsvoll und tatkräftig nach vorn schauen. Darin sind Christinnen und Christen Profis. Jetzt lasst uns das mal wieder auspacken und ein Beispiel geben. Dafür einen Anker der Hoffnung.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 17.07.2022 | 07:30 Uhr

Ein Herz, Kreuz und Anker aus Filz an einer Öse © Jürgen Gutowski

Kreuz - Herz - Anker

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben unsere Autoren ein Kreuz für Glauben, ein Herz für Liebe oder einen Anker für Hoffnung. mehr

Info

Die Evangelische und Katholische "Kirche im NDR" ist verantwortlich für dieses Onlineangebot und für die kirchlichen Beiträge auf allen Wellen des NDR.