Stand: 16.04.2019 11:25 Uhr

"Es gibt keinen weißen Jesus"

von Oliver Vorwald

"Jesus, ein Weißer. So zeigen ihn zahlreiche Bilder. Stimmt das?"

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Jesus ähnelte eher den Menschen im Mittleren Osten, und nicht den Nordeuropäern.

Lange Haare, hagere Figur, helle Haut. So zeigen Jesus etliche Altarbilder, Kinderbibeln, Kinofilme. Und genau auf solch einen Christus hofft auch der junge Mann in einem Video der BBC. Der sitzt er in einer Kirche, faltet die Hände, fleht verzweifelt um Hilfe. Dann flirrt ein Rauschen durch das Gotteshaus und der Heiland erscheint. Nur eben anders als erwartet: muskulöser Typ, Rasta-Locken, dunkle Haut. Der Beter ist irritiert. Jesus klärt ihn auf.

"Du hast einen Weißen erwartet, so wie auf dem kitschigen Jesusbild dort? ... Schau mal: Ich wurde von offizieller Seite verhaftet, und für ein Verbrechen verurteilt, das ich nicht begangen habe. Solch ein Mist passiert keinem Weißen."

Jesus Geburtsort lag im Mittleren Osten

Ja, so sind die Briten und ihre BBC. Sie schaffen es, Vorurteile mit Humor zu entkräften. Jesus wurde vor mehr als 2.000 Jahren im Mittleren Osten geboren, nicht in Nordeuropa. Die Bibel sagt das klipp und klar. Jesus dürfte in seinem Äußeren den Menschen ähneln, die noch heute in dieser Region leben. Er wird schwarze Haare gehabt haben, dunkle Haut oder zumindest einen olivefarbenen Teint. Körperlich war er vermutlich durchtrainiert. Schließlich hat er lange Jahre als Zimmermann gearbeitet.

Malerei stülpt Jesus eine weiße Haut über

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Künstler verpassten Jesus eine weiße Haut und eine asketische Figur.

Das europäische Aussehen auf vielen Kunstwerken bekommt Jesus Schritt für Schritt übergestülpt. Ab dem sechsten Jahrhundert verpassen byzantinische Künstler dem Messias weiße Haut und eine asketische Figur. Dieser Bildtypus wird dann in der Malerei weiterentwickelt. Leonardo da Vinci, Albrecht Dürer, Lucas Cranach lassen Christus schließlich sogar erblonden. Kunst darf das. Aber die Realität hat ein anderes Gesicht. Die BBC rückt dies mit ihrem Kurzfilm ins rechte Licht.

"Du hättest es gerne, wenn ich mich in einen weißen Jesus verwandeln würde, oder? Nein. Auf keinen Fall. Ich bin wie ich bin. Es gibt keinen weißen Jesus."

Jesus lässt sich nicht einen Typ festlegen

Gott hat die Welt bunt geschaffen. Diese Farbenpracht spiegelt sich in der Person Jesu. In Äthiopien zum Beispiel zeigen Bilder und Figuren einen Christus mit schwarzer Haut. Dort ähnelt der Messias den schlanken, grazilen Frauen und Männern vom Land am Blauen Nil. In Indien, China oder Brasilien hat Jesus wiederum ein anderes Gesicht. Genauso sollte Kunst sein. Schließlich sagt die Bibel: Er ist der Messias für alle Welt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 20.04.2019 | 09:20 Uhr

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