Zwei Frauen spazieren gemeinsam durch einen Wald. © picture alliance/Wedel/Kirchner-Media Foto: Wedel/Kirchner-Media

Waldspaziergänge mit der Diakonie Hamburg-Wilhelmsburg

Stand: 04.12.2020 14:01 Uhr

Die NDR Benefizaktion "Hand in Hand für Norddeutschland" unterstützt dieses Jahr das Diakonische Werk und die Caritasverbände. Ein Projekt aus dem Süden Hamburgs richtet sich besonders an Frauen.

von Annkathrin Bornholdt

"Das ist einfach so ein kleiner Ruhepunkt", sagt Gabi Wyczick aus Hamburg-Marmstorf. "Wenn ich genervt bin oder so, dann gehe ich gern raus in den Wald. Das ist natürlich sehr schön, dass es hier direkt hinter der Siedlung anfängt." Zurzeit geht sie zum Entspannen meist alleine in den Wald. Die 55-Jährige ist nicht mehr berufstätig.

Umso mehr vermisst sie die Ausflüge mit der Naturerfahrungsgruppe von Christel Ewert, die für die Stadtteildiakonie Elbinselnin Hamburg-Wilhelmsburg als Sozialarbeiterin arbeitet. Schon vor der Corona-Zeit hatte Ewert Frauen aus dem Stadtteil dazu eingeladen, unter Anleitung gemeinsam in der Natur Kraft zu schöpfen: "Das ist die erste Gruppe, wo ich das Gefühl habe, sie läuft sehr einfach. Und wir haben einen sehr achtsamen Umgang miteinander gefunden und das ist etwas, dass ich bisher nur bei genau dieser Arbeit so erlebt habe."

Gemeinsam Kraft tanken in der Natur

Kursteilnehmer eines Waldspaziergangs © NDR.de Foto: Annkathrin Bornholdt
Die Macherinnen: Christel Ewert und Sybille Frey sind die Kursleiterinnen

Meditationen, achtsames Gehen barfuß auf einer Wiese und Rituale aus der Naturpädagogik - das Angebot kam bei Gabi Wyczick und den anderen Teilnehmerinnen sehr gut an: "Beim ersten Mal war es sicherlich ein bisschen merkwürdig, aber man gewöhnt sich dran und erlebt auch ganz neue Sachen."

Schon der erste Lockdown zwang der Gruppe im April und Mai eine Pause auf, erzählt Christel Ewert: "Als wir uns dann im Juni das erste Mal nach diesem Break getroffen haben, war es einfach so, dass es ganz rührend war, denn viele von den Frauen sagten, es war ihnen möglich in der Natur Kraft zu tanken. Wir hatten das Gefühl, dass diese Verbindung auch wirklich gehalten worden war. Das hat man auch daran gemerkt, dass sofort alle wieder da waren."

Rauskommen aus dem Alltag

Kursteilnehmerin Gabi Wyczick steht im Wald © NDR.de Foto: Annkathrin Bornholdt
Mit dabei: Kursteilnehmerin Gabi Wyczick

Das gemeinsame Kraftschöpfen in der Natur war im Sommer zumindest für paar Monate wieder möglich, die Nachfrage stieg während der Pandemie sogar deutlich an. Gerade für Frauen, die durch Kinderbetreuung und Beruf, durch Armut, Krankheit oder Einsamkeit und zusätzlich durch die Corona-Zeit belastet sind, sei dieses Rauskommen aus dem Alltag eine wertvolle und stärkende Abwechslung gewesen, berichtet Ewerts Kollegin, die Sozialarbeiterin Sybille Frey vom interkulturellen Verein Verikom:

"Dadurch, dass es ein Setting ist, dass angeleitet ist, muss ich mich nicht kümmern: Wer läuft da gerade, werde ich beobachtet, wenn ich eine Gehmeditation mache? In der Gruppe, sich fallen lassen zu können, das wird als enorm entspannend und öffnend für neue Erfahrungen zurückgemeldet."

Den Kontakt zueinander halten

Kursleiterinnen des Waldspaziergangs Christel Ewert und Sybille Frey posieren im Freien © NDR.de Foto: Annkathrin Bornholdt
Schlechte Laune kommt nie auf

Zur Zeit bleiben Ewert und Frey telefonisch und per Videokonferenz mit den Frauen in Kontakt und sie ermuntern sie, weiterhin ihre Lieblingsorte in der Natur aufzusuchen. Sobald es wieder erlaubt ist, wollen sie die 14-tägigen Treffen wieder aufnehmen. Die Naturpädagoginnen würden gerne eine Kursleiterin mit Migrationshintergrund einarbeiten, damit das Angebot noch mehr Frauen im Stadtteil erreicht. Außerdem möchten sie Wochenend-Kurse auch für Frauen mit Kindern anbieten. Dafür brauchen sie Geld.

Teilnehmerin Gabi Wyczick jedenfalls möchte die gemeinsamen Ausflüge nicht mehr missen: "Es ist ganz gut, so eine Gruppe zu haben, wo jeder eigentlich eine Kleinigkeit hat, die schwierig ist und man kann eben trotzdem zusammen eine schöne Zeit verbringen. Ohne daran zu denken, dass man vielleicht weniger Geld hat. Es ist einfach eine Gruppe, wo das keine Rolle spielt, woher man kommt oder warum man da ist. Es spielt eben keine Rolle."

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 07.12.2020 | 09:20 Uhr

NDR Benefizaktion