Sendedatum: 01.12.2014 15:20 Uhr

Therapeutisches Klettern gegen MS

Ein Mann in einer Kletterwand © DMSG Foto: Anja Grau
Ergotherapeut Frank Hegger zeigt den Teilnehmern des Kurses, worauf es beim Klettern ankommt.

Die Klettergruppe der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) in Hannover ist eine der Initiativen, die Erkrankten Mut und vor allem Spaß macht. Acht Teilnehmer wagen sich beim therapeutischen Klettern in große Höhen. Ergo-Therapeut Frank Hegger gibt Tipps, wie sie am besten die 14 Meter hohe Wand emporklettern können. Ariane Breme ist eine der Teilnehmerinnen und lässt sich von ihrer Krankheit Multiple Sklerose (MS) nicht einschüchtern. Sie hat ein Gleichgewichtsproblem und braucht deswegen einen Rollator. An der Wand kämpft sie gegen dieses Problem an und versucht bis ganz nach oben zu kommen. Der Klettersport verbessert die Motorik von MS-Erkrankten, fördert die Körperkraft und Ausdauer und ist nicht zuletzt gut für das Selbstbewusstsein. Auch, wenn es ganz schön schlaucht, bekennt die 33-jährige Mirela Djekic: "Es ist ein gutes Gefühl! Man weiß, was man getan hat, wenn man oben angekommen ist. Mir tun dann die Hände weh, ich fange an zu zittern. Aber das ist egal!"

Körper und Psyche im Einklang

Zwei Frauen in einer Kletterwand. © DMSG Foto: Anja Grau
Für die Teilnehmer des Kletter-Kurses ist es wichtig, nicht nur die körperlichen Grenzen zu überwinden. Auch die Psyche muss mitmachen.

Bernward Pohl ist mit 63 Jahren der Älteste in der Gruppe. Durch die MS-Erkrankung ist er erblindet und auch das Laufen macht ihm mittlerweile Mühe. Aber der drahtige Senior bezwingt die Kletterwand und sagt, dass das Entscheidende bei der Krankheit MS sei, dass man ein Ziel habe. Man dürfe auf keinen Fall anfangen zu rosten und aufgeben. Denn Klettern stärkt nicht nur den Körper, sondern auch die Psyche. "Jeder kommt mal an einen Punkt in der Wand, an dem es hakt", meint Ergotherapeut Frank Hegger. "Und dann gilt es, dieses Bewegungspuzzle zu lösen, darüber hinwegzuklettern, so setzt sich jeder seine Leistungsgrenze. Und dann gilt es, beim nächsten Mal einen Griff weiterzukommen und schon ist das Ziel erreicht." Auch Ariane Breme schafft es bis zum Ende der Kletterwand und läutet das Glöckchen, das am Gipfel hängt. Sie ist kaputt, aber auch glücklich: "Ich bin sehr erschöpft, aber die Freude ist so groß, das Ziel erreicht zu haben, dass die Erschöpfung nebensächlich wird!" Und das Fazit? Nicht nur von Therapeut Frank Hegger, sondern von der ganzen Truppe? Eine phänomenale Leistung! Sehr erschöpft, aber sehr glücklich hat jeder sein eigenes Ziel erreicht.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 01.12.2014 | 15:20 Uhr

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