Stand: 10.12.2015 08:22 Uhr

Pflegefamilie für Achmed aus Syrien

Menschen sitzen an einem Esstisch zusammen © NDR Foto: Gisela Jaschik
Der 15-jährige Achmed aus Syrien (rechts) hat sich gut in die Familie eingefunden. Gerhilde Deichmann (Mitte) übt fleißig mit ihm Deutsch.

Nicht alle Flüchtlinge, die seit Monaten auch in Niedersachsen leben, sind erwachsen oder mit Familienangehörigen gekommen. Manche Jugendliche schlagen sich mit Freunden oder ganz allein aus Krisengebieten bis nach Deutschland durch. Der Verbund sozialtherapeutischer Einrichtungen e.V. (VSE), ein gemeinnütziger Verein, vermittelt unbegleitete minderjährige Flüchtlinge unter anderem in Lüneburg auch in Pflegefamilien. Familie Deichmann wollte ihren Beitrag leisten und hat sich entschieden, einen minderjährigen Flüchtling aufzunehmen, der ohne Eltern nach Deutschland gekommen ist.

Achmed bei Familie Deichmann

Der 15-jährige Achmed ist aus Syrien geflohen und hatte Glück. Wenige Tage nach einem Kennenlern-Treffen zog er bei Familie Deichmann in Lüneburg ein. Gerhilde Deichmann und ihr Mann haben genügend Platz in ihrem Haus. Auch der 16-jährige Pflegesohn der Familie fand die Idee spontan gut. Eine Bedingung sollte jedoch erfüllt werden: Er wünschte sich einen Jungen, der so alt ist wie er selbst oder jünger. Wenig später zog Achmed ein. Er fährt bereits mit dem Bus zur Schule, hat ein eigenes Fahrrad, besucht Landsleute in der Nähe, hat einen Gebetsteppich in seinem Zimmer und lernt eifrig Deutsch. Sprachliche Hürden gebe es zwar reichlich, sagt die 58-jährige Gerhilde Deichmann, aber sie wüssten sich zu helfen: "Das Handy ist unser Hauptkommunikationsmittel. Mit einer Übersetzungs-App läuft es recht gut. Außerdem haben wir jetzt schon die Farben geübt und die Wochentage. Er soll einfach ein Teil unserer Familie sein."

VSE sucht geeignete Pflegefamilien

Betreut werden die minderjährigen unbegleiteten Flüchtlinge vom VSE. Nach der Ankunft der Jugendlichen klopft bei Sozialpädagoge Andreas Reker und anderen Mitarbeitern vom VSE das Jugendamt an und bittet um Mithilfe. Viele der jungen Menschen beziehen dann Wohnungen oder kommen in unterschiedliche Wohngruppen. "Besser sind aber die Pflegefamilien", so Reker. Denn die 15- bis 17-Jährigen könnten sich in der neuen Gesellschaft besser integrieren, wenn sie in Familien unterkommen. Zu hoffen sei auf weitere Familien, die minderjährige Flüchtlinge bei sich aufnehmen wollen. Gerade Menschen mit pädagogischer Ausbildung sollten sich beim VSE melden und sich für diese Arbeit bereit erklären, so der Wunsch. Es sei schwierig, geeignete Personen zu finden, heißt es vom VSE.

NDR Benefizaktion