Stand: 03.12.2019 12:44 Uhr

"Sehr gute Möglichkeiten für Menschen mit Krebs in Hamburg"

Rund 10.000 Menschen erkranken in Hamburg jedes Jahr an Krebs. Die Hamburger Krebsgesellschaft unterstützt die Patientinnen und Patienten und ihre Angehörigen auf vielfältige Weise. Der Verein berät, organisiert Vorträge und unterstützt auch die Krebsforschung in Hamburg.

Franziska Holz ist Fachärztin und Geschäftsführerin der Hamburger Krebsgesellschaft.

Franziska Holz, Frauenärztin und Psycho-Onkologin, leitet die Hamburger Krebsgesellschaft als Geschäftstführerin und berät auch Patientinnen und Patienten. Alexander Heinz hat mit ihr über die Situation von Krebspatienten in Hamburg gesprochen.

Wie gut ist die medizinische und soziale Versorgung in Hamburg?

Franziska Holz: Insgesamt werden Menschen mit Krebs in Hamburg sehr gut medizinisch behandelt. Wir haben über die ganze Stadt verteilt großartige Zentren für Tumorpatienten. Die ärztlichen Kollegen, die Pflege und die Psychologen, Onkologen und Therapeuten machen wirklich eine sehr gute Arbeit. Dennoch gibt es einen sehr großen Bedarf an sozialer und psychologischer Beratung, den wir allein mithilfe von Spenden decken. Wir bekommen dafür bislang noch keine Zuschüsse von der Stadt. Zwar gibt es über die Stadt verteilt Beratungsstellen für Krebspatienten, aber man könnte das Angebot sicher noch ausweiten.

Was bedeutet die Krebs-Diagnose für die Betroffenen?

Holz: Krebs ist immer erstmal eine Schock-Diagnose. Wahrscheinlich ist es die Diagnose, die Menschen mit am meisten Angst macht, weil es immer noch eine todbringende Krankheit ist, weil der Schrecken bis in die ganze Familie geht. Die Diagnostik ist erstmal sehr aufwendig und aufreibend. Aber vor allem ist da die große Angst, dass der Krebs streut und dass das Leben vorzeitig zu Ende ist.

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Welche Angebote der Hamburger Krebsgesellschaft sind besonders wichtig für Menschen mit Krebs?

Holz: Unsere eine Säule der Arbeit für Krebskranke und ihre Angehörigen ist das Beratungsangebot, da sind sowohl Psychologinnen und Psychologen als auch Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter im Einsatz. Wir haben über 2.000 Beratungskontakte im Jahr und können sehr umfassend in Einzelgesprächen, aber auch in Gesprächen mit Paaren oder Freunden helfen. Die zweite Säule sind unsere Nachsorge-Kurse: Wir haben über 60 Veranstaltungen pro Jahr in unseren Beratungsstellen. Teilweise sind das über mehrere Wochen dauernde Kurse, wie zum Beispiel Tanztherapie oder Kunsttherapie. Wir haben auch Angebote, wo es um Ernährung und Bewegung oder Entspannung geht. All das soll Betroffenen helfen, mit ihrer Krankheit besser umzugehen und auch bewusster zu leben.

Diagnose Krebs: Beratung und Unterstützung in Hamburg

Hamburger Krebsgesellschaft e.V.
Beratungsstelle Eppendorf
Butenfeld 18
22529 Hamburg
Telefon: (040) 41 34 75 68 - 0
Tel. Beratung Mo-Fr 9-12 Uhr und nach Vereinbarung
Offenes Info-Café am 5. Dezember 2019, 6. Februar 2020, jeweils 17-19 Uhr

Hamburger Krebsgesellschaft e.V.
Beratungsstelle Harburg
Schloßmühlendamm 3
21073 Hamburg
Tel: (040) 30 09 22 27
Tel. Beratung Di-Fr 9-12 Uhr und nach Vereinbarung

Psychologische Beratungsstelle für Krebskranke und Angehörige bei der Arbeiterwohlfahrt
Witthöfftstr. 5-7
22041 Hamburg
Tel: (040) 41 40 23 30
Tel. Beratung Mo-Do 11-12 Uhr

Beratungsstelle phönikks
(Schwerpunkt Kinder und Familien)
Kleine Reichenstraße 20
20457 Hamburg
Tel: (040) 44 58 56
Tel. Beratung Mo-Do 9-17 Uhr, Fr 9-13 Uhr

Spezialambulanz für Psychoonkologie im UKE
Martinistr. 52
20246 Hamburg
Tel: (040) 741 05 68 03
Terminvereinbarung: Mo-Fr 9-12.30 Uhr

Man sagt auch: Krebs macht arm. Was bedeutet das konkret?

Holz: Die Behandlung einer Krebserkrankung dauert meistens viele, viele Wochen, wenn nicht gar Monate, angefangen von der Diagnostik bis zur Chemotherapie. Dann folgt vielleicht eine Operation, dann noch mehr Chemotherapie, Bestrahlung. Fast alle unsere Patienten kommen in den Krankengeldbezug. Damit fallen Ihnen schon mal 30 bis 40 Prozent ihres Einkommens weg. In unserer Sozialberatung unterstützen wir die Menschen bei den bürokratischen Abläufen, helfen dabei, die notwendigen Schritte der Existenzsicherung zu planen und schauen, wo weitere Hilfe gefunden werden kann, wenn sie nötig ist.

Was erhoffen Sie sich von der NDR Aktion "Hand in Hand für Norddeutschland"?

 

Moderatorin Jacqueline Heemann (zweite von links) mit ihren Studiogästen: Moderatorin Jacqueline Heemann (zweite von links) mit ihren Studiogästen (v.l.n.r.): Heide Lakemann von der "Frauenselbsthilfe" nach Krebs, Franziska Holz, Ärztin und Geschäftsführerin der Hamburger Krebsgesellschaft und Eva Wenig von der Sportgruppe "Segelrebellen"  Foto: Larissa Gumgowski

"Hand in Hand": Hilfe bei der Diagnose Krebs

NDR 90,3 -

Zum Auftakt von "Hand in Hand" sind Heide Lakemann (Frauenselbsthilfe nach Krebs), Franziska Holz (Hamburger Krebsgesellschaft) und Eva Wenig ("Segelrebellen") zu Gast.

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Holz: Die NDR Aktion hilft hoffentlich, dass über Krebs mehr gesprochen wird. Krebs ist immer noch ein Tabuthema. Und viele der Erkrankten leiden darunter, dass sie darüber nicht sprechen können. Ich glaube, wenn über die Erkrankung mehr gesprochen wird, dann hilft es allen, auch denen, die nicht betroffen sind. Es gibt viele Unsicherheiten etwa von Freunden und Kollegen, wie Sie die Erkrankten ansprechen können. Und: Menschen mit Krebs haben kaum eine Lobby. Die Aktion hilft uns, Fürsprecher zu sein, und ermöglicht mit den Spenden, dass wir Beratung, Kurse und andere Angebote aufrechterhalten und ausweiten können.

Wie ist der einfachste Kontakt zu Ihnen?

Holz: Man kann uns immer anrufen. Und es gibt auch jeden ersten Donnerstag im Monat unser Info-Café: Das ist ein offenes Angebot. Es gibt Kaffee und wunderbaren Kuchen, der gespendet wird. Man kommt ins Gespräch und hört einen Impulsvortrag zu verschiedenen Themen. Das schätzen ganz viele neue Besucher der Krebsgesellschaft, weil sie erst mal gucken können: "Was machen die denn da?".

Weitere Informationen

Hier können Sie jederzeit spenden!

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 02.12.2019 | 16:25 Uhr