Stand: 03.12.2018 05:00 Uhr

Alzheimer erkennen und behandeln

Menschen mit Demenz stehen im Mittelpunkt der diesjährigen NDR Benefizaktion "Hand in Hand für Norddeutschland". Partner sind die Alzheimer Gesellschaften im Norden. Zum Auftakt haben unsere Morgenmoderatoren Horst Hoof und Mandy Schmidt mit Swen Staack, Geschäftsführer der Alzheimer-Gesellschaft Schleswig-Holstein e.V., gesprochen. Sie wollten wissen, wie man Demenz von einfacher Vergesslichkeit unterscheiden kann und erfahren, warum eine frühe Diagnose so wichtig ist.

Woran merke ich, dass ich langsam dement werde oder es sich nur um einfache Vergesslichkeit handelt? Gibt es deutliche Anzeichen?

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Der Diplom-Sozialpädagoge Swen Staack leitet das Kompetenzzentrum Demenz.

Swen Staack: Klar, es gibt einen Unterschied zu einer normalen Altersvergesslichkeit, die wir alle irgendwann bekommen. Wir kennen alle diese Situation: Wir gehen in den Keller, suchen dort irgendwas und haben dann vergessen, was. Wenn man oben ist, fällt es einem wieder ein. Das ist alles normal. Bei einer Demenz muss schon ein bisschen mehr vorliegen. Die Vergesslichkeit muss länger anhalten. Man spricht von sechs Monaten, in denen es besonders auffällig ist. Dann kommen noch eindeutige Störungen des Denkens hinzu: Kann ich noch vorausschauend planen? Was ist mit der Sprache? Wiederhole ich Sätze? Oder kann ich mich nicht mehr an Gesprächsinhalte erinnern, die gerade kurz vorher waren? Zuerst ist nämlich das Kurzzeitgedächtnis betroffen, später erst das Langzeitgedächtnis. Hinzu kommen Angststörungen, Orientierungsstörungen - besonders in fremder Umgebung. Das sind zwar alles Sachen, die auch wir 'Normalen' kennen. Aber bei Demenzkranken ist es so, dass sie sich wirklich gar nicht mehr erinnern können. Das wird immer dramatischer, bis sie am Ende wirklich alles vergessen haben.

Scrabble-Steine bilden eine Überschrift "Krankheit des Vergessens" und "Alois Alzheimer" neben einem schwarz-weiß Foto auf einem weißen Tisch. © NDR

Hand in Hand: Was ist Demenz? Ein Erklärfilm

Schleswig-Holstein Magazin -

Menschen mit Demenz stehen im Mittelpunkt der diesjährigen NDR Benefizaktion "Hand in Hand für Norddeutschland". In diesem Film antworten wir auf die Frage: Was ist eigentlich Demenz?

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Wie oft merkt es ein Betroffener selbst? Oder sind es eher andere, denen es auffällt?

Staack: Ich glaube, häufig merken es die Betroffenen selbst, aber man findet eine andere Erklärung dafür.

Es ist eine schwere Erkenntnis, sich selbst vielleicht einzugestehen, dass man krank ist.

Staack: Genau, da gehört schon eine Menge dazu. Viele sind dann ganz besorgt, verleugnen das auch ein Stück oder sprechen es erst gar nicht an. Es ist die große Problematik, dass die Betroffenen dann nicht schnell zum Arzt gehen und sich eine Diagnostik holen. Denn es gibt auch ein paar Medikamente, die die Krankheit zumindest für einen Zeitraum stoppen könnten unter gewissen Umständen. Häufig kommen dann die Angehörigen und sagen: 'Mein Mann, meine Frau hat sich so verändert. Mein Vater ist anders geworden und was können wir denn da machen?' Dann ist das Problem, die Menschen überhaupt zum Arzt zu bewegen.

Horst Hoof (rechts) steht neben Mandy Schmidt (links) vor der Kieler Förde. Im Hintergrund ist der Hafen und eine Anlegestelle zu sehen. © NDR Foto: Jörg Wohlfromm

Alzheimer erkennen - Tipps und Vorsorge

NDR 1 Welle Nord - Guten Morgen Schleswig-Holstein -

Horst Hoof und Mandy Schmidt haben mit Swen Staack, von der Alzheimer Gesellschaft in Kiel gesprochen. Wie kann man Alzheimer erkennen und welche Maßnahmen gibt es?

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Das kann man also deutlich als Appell sagen: Wer das feststellt, der kann dafür sorgen, dass die Krankheit erst mal gestoppt oder zumindest verlangsamt wird - wenn man es rechtzeitig erkennt.

Staack: Ja, das ist die Voraussetzung. Nur im frühen Stadium wirken die Medikamente, die wir momentan haben. Da gibt es auch nicht viele, aber die, die es gibt, kann man und sollte man noch einsetzen. Aber eben nur im ganz frühen Stadium der Demenz. Denn wenn sie weiter fortschreitet, sind die Medikamente gar nicht mehr nützlich. Deswegen ist die frühe Diagnose so wichtig.

Es braucht sich auch keiner für eine Krankheit oder eben für Vergesslichkeit schämen. Wie hoch ist denn die Wahrscheinlichkeit, dass einer aus meiner Familie oder ich Demenz bekommt? Haben Sie da Zahlen?

Staack: Die Wahrscheinlichkeit steigt einfach mit dem Alter. Es gibt ein paar Formen, die auch junge Menschen durchaus bekommen können. Aber die sind eher selten. Aber mit zunehmendem Alter steigt auch das Risiko. Bei den über 90-Jährigen, ist mittlerweile jeder dritte an einer Demenz erkrankt. Das Risikoalter beginnt ungefähr mit 60 und dann steigt das sukzessive an.

Es ist also ein Thema, das uns alle betreffen wird - unser Umfeld oder uns selbst.

Staack: Könnte gut sein. Es gibt auch durchaus die Experten, die behaupten, wenn wir alle nur alt genug werden würden, würde das jeder bekommen. Aber das kann man nicht wirklich überprüfen, weil wir nicht alle 130 Jahre alt werden. Aber man läuft ein hohes Risiko, je älter man wird.

Das Interview führten Horst Hoof und Mandy Schmidt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Horst und Mandy am Morgen | 03.12.2018 | 07:40 Uhr

NDR 1 Welle Nord

Horst Hoof

NDR 1 Welle Nord

Mit Punkrock wollte er einst reich und berühmt werden, gelandet ist er beim Radio. Schleswig-Holstein ist seine Heimat geworden. Er schätzt die Menschen hier und liebt das Meer. mehr

NDR 1 Welle Nord

Mandy Schmidt

NDR 1 Welle Nord

Als gebürtige Dresdnerin hat Mandy Schmidt schon immer Strand und Wellen vermisst. Nun hat sie im schönen Schleswig-Holstein ihre Heimat gefunden - und einen Job als Moderatorin auf NDR 1 Welle Nord. mehr