Stand: 27.02.2020 13:14 Uhr

Zur Cum-Ex-Berichterstattung

von Andreas Cichowicz, Chefredakteur NDR Fernsehen

Andreas Cichowicz © NDR
Über die Cum-Ex-Vorgänge in Hamburg zu berichten sei richtig gewesen, meint Andreas Cichowicz. Aber es seien Fehler gemacht worden.

Ist es richtig gewesen, zehn Tage vor der Wahl über fragwürdige Entscheidungen der Hamburger Finanzbehörde und ebenso problematische Treffen von SPD-Spitzenpolitikern mit dem Chef der Warburg Bank zu berichten?

Ja, das war richtig. Die Kollegen der "Zeit" und von "Panorama" haben monatelang recherchiert und Bemerkenswertes zutage gefördert. Es ist die Aufgabe von Journalist*innen in der Demokratie, Kontroversen anzustoßen und kritische Fragen zu stellen. Dabei leitet uns nicht die Frage, wem unsere Berichterstattung nutzt oder schadet oder zu welchem Zeitpunkt sie stattfindet.

Haben wir in unserer Berichterstattung Fehler gemacht, die wiederum eine Kontroverse ausgelöst haben? Ja, das haben wir.

Wir hätten aus einem Tagebucheintrag von Herrn Olearius länger zitieren sollen, zumindest in indirekter Rede. (Details in der Dokumentation). So wie wir es getan haben, war es sachlich und juristisch zwar nicht falsch, aber angreifbar. Dadurch konnte der Eindruck entstehen, wir hätten möglicherweise Entlastendes in der Berichterstattung weggelassen.

Und ein Zweites: Wir haben nichts zurückzunehmen - aber wir hätten deutlich machen sollen, dass es derzeit keinen Beweis gibt, dass Spitzenpolitiker der SPD direkt politischen Einfluss auf die Steuerbehörde ausgeübt haben. Ja, das wäre besser gewesen. Deshalb stelle ich es hier klar.

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