Stand: 09.11.2019 11:10 Uhr

Robert Enke - Tragödie eines Torwarts

Robert Enke war ein herausragender Torhüter und ein besonderer Mensch. Sportlichen Topleistungen standen private Schicksalsschläge und eine schwere Krankheit gegenüber. Am 10. November 2009 starb der Keeper von Hannover 96. Er litt an Depressionen und beging Suizid.

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Unvergessen: Robert Enke.

Robert Enke hat in seiner Fußball-Karriere 196 Bundesligspiele bestritten, die meisten davon für Hannover 96. Beim portugiesischen Traditionsverein Benfica Lissabon brachte es der Keeper bis zum Kapitän. Der große FC Barcelona holte ihn. Acht Mal stand Enke im Tor der deutschen Nationalmannschaft. Er war auf dem besten Weg, die deutsche Nummer eins für die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika zu werden. Eckdaten, die viel über eine außergewöhnliche Profilaufbahn, aber gar nichts über den Menschen Robert Enke aussagen. Dass er mindestens ebenso viele menschliche Vorzüge wie fußballerisches Talent hatte, wurde vielen erst im Nachhinein klar. Am 10. November 2009 starb Enke. Er litt an Depressionen und beging Suizid. Das Porträt eines Mannes, der weitaus mehr zu bieten hatte, als einer Fußball-Mannschaft 90 Minuten Sicherheit zu geben.

Robert Enke © imago images

Robert Enke - auch Helden haben Depression

Sportclub -

Robert Enke glaubte, seine Krankheit Depression verstecken zu müssen. Sonst würde er alles verlieren: seinen Beruf, seine Position als Deutschlands Nummer eins. Erst nach Enkes Suizid begannen sich Dinge zu ändern.

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Durchbruch bei Borussia Mönchengladbach

Enke wurde am 24. August 1977 in Jena geboren. Seine sportliche Karriere begann er als Jugendspieler beim SV Jenapharm Jena, bevor er zum FC Carl Zeiss Jena wechselte. Dort gab er in der Saison 1995/96 sein Debüt als Profi - sein erstes Spiel in der Zweiten Liga absolvierte er am 11. November 1995 gegen Hannover 96. Enke wechselte zur folgenden Saison in den Westen der Republik, heuerte bei Bundesligist Borussia Mönchengladbach an. Dort saß er zwei Jahre lang nur auf der Bank, bevor ihm in der Spielzeit 1998/99 der Durchbruch gelang und er zum Stammkeeper wurde.

Versagensängste in Barcelona

Von Gladbach aus führte ihn sein Weg als 22-Jähriger nach Portugal zu Benfica Lissabon. Unter Trainer Jupp Heynckes stieg er dort zur Führungskraft auf, obwohl er kurz nach der Vertragsunterschrift - von Zweifeln und Heimweh geplagt - über die Auflösung der Vereinbarung nachgedacht hatte.

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Drei Jahre blieb er in der portugiesischen Hauptstadt, bevor Enke den ersten großen sportlichen Rückschlag einstecken musste. 2002/03 konnte er sich beim spanischen Topclub FC Barcelona nicht durchsetzen. In der katalanischen Metropole litt Enke zum ersten Mal unter Depressionen - hervorgerufen auch durch Versagensängste und Selbstzweifel. Bei Fenerbahce Istanbul wurde es nicht besser. Erst in der Peripherie der europäischen Fußball-Landkarte beim spanischen Zweitligisten CD Teneriffa, fand er ohne Druck von außen und innen zu alter Stärke zurück. "Dreieinhalb Jahre im Ausland waren sehr gut, anderthalb Jahre nicht so gut. Aber auch diese bereue ich nicht", sagte er einmal im Rückblick.

In Hannover ging es sportlich wieder bergauf

Im Sommer 2004 wählte Enke den Weg zurück nach Deutschland, heuerte bei Hannover 96 an. Bei den "Roten" erarbeitete sich der Torwart mit konstant guten Leistungen den Respekt der deutschen Öffentlichkeit. Aus Dankbarkeit hielt er den Niedersachsen trotz Angeboten anderer Clubs die Treue und bestritt für sie 164 Bundesligaspiele.

Die Karriere von Robert Enke in Bildern

Tod der Tochter "verändert die Sichtweise"

Dass die Menschen in Hannover, und das waren nicht nur die Anhänger von 96, ein ganz besonderes Verhältnis zu ihrem Torwart hatten, lag an Enkes Auftreten. An seiner Zurückhaltung auf und neben dem Platz. An seiner Bescheidenheit. An seinem unaufgeregten Verhalten in der zuweilen schrillen Welt des Fußballs. Das war sicherlich auch seinem größten privaten Schicksalsschlag geschuldet. Seine Frau Teresa und er mussten im September 2006 den Verlust ihrer Tochter Lara verkraften. Sie war mit einem schweren Herzfehler zur Welt gekommen und wurde nur zwei Jahre alt. "Unsere Tochter war fast ein Jahr im Krankenhaus, davon ein halbes Jahr auf der Intensivstation. Das verändert die Sichtweise. Ich habe gelernt, andere Prioritäten zu setzen", sagte Enke.

Engagement für den Tierschutz

Über seine Frau Teresa entdeckte der Torhüter auch seine Liebe zu Tieren. In ihrer Zeit in Portugal und Spanien wurden sie auf das Schicksal der Straßenhunde aufmerksam. Gemeinsam holten sie kranke Tiere in ihr Haus und pflegten sie - auch später in Empede nahe Hannover, wo die Enkes einen alten Bauernhof bewohnten. Das Paar engagierte sich für den Tierschutz, unter anderem für die Organisation Peta.

Letztes Spiel gegen den HSV

Im Spätsommer 2009 brachen die Depressionen bei Enke erneut aus. Er will seine Erkrankung jedoch weiterhin nicht öffentlich machen. Offiziell spielt er wegen einer Viruserkrankung nicht. Enke und sein Umfeld beschließen, dass sich der Keeper in eine Therapieeinrichtung begeben soll. Doch letztlich geht Enke diesen Schritt nicht. Er kehrt zurück ins 96-Tor. Sein letztes von 196 Bundesligaspielen absolvierte der Torwart am 8. November 2009 beim 2:2 vor den heimischen Fans gegen den Hamburger SV. Zwei Tage später ist Robert Enke tot. Der 32-Jährige hinterließ seine Ehefrau Teresa und die damals acht Monate alte Adoptivtochter Leila.

Hilfe für Betroffene

  • Telefonseelsorge: anonyme, kostenlose Beratung rund um die Uhr, Tel. (0800) 111 0 111 oder (0800) 111 0 222
  • Kinder- und Jugendtelefon "Nummer gegen Kummer": kostenlose Beratung von Mo bis Sa, 14 bis 20 Uhr, Tel. 116 111. Elterntelefon: Mo bis Fr, 9 bis 11 Uhr sowie Di und Do, 17 bis 19 Uhr unter (0800) 111 05 50
  • Info-Telefon der Deutschen Depressionshilfe: Mo, Di und Do, 13 bis 17 Uhr sowie Mi und Fr, 8.30 bis 12.30 Uhr. Tel. (0800) 33 44 533. Die Deutsche Depressionshilfe bietet einen Selbsttest sowie eine Übersicht zu regionalen Angeboten.
  • Ärztlicher Bereitschaftsdienst der Krankenkassen: 116 117.
  • Ambulanz der psychiatrischen Abteilung einer Klinik vor Ort - in jedem Fall bei Suizidgedanken.

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 10.11.2019 | 23:45 Uhr

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