Stand: 03.06.2018 20:02 Uhr

Flensburg feiert - die SG ist Meister

von Johannes Freytag, NDR.de

Was für eine Nervenschlacht, was für ein Zitterspiel und was für ein Jubel nach dem Ende der Partie: Hauchdünn mit 22:21 (12:12) gewann die SG Flensburg-Handewitt am Sonntag gegen Frisch Auf Göppingen - und ist damit nach 2004 zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte deutscher Handballmeister geworden. Das Team von Trainer Maik Machulla verteidigte mit dem knappen Sieg den Ein-Punkte-Vorsprung vor den Rhein-Neckar Löwen, die Leipzig 28:25 bezwangen. "Das ist fantastisch. Ich bin sehr stolz und freue mich für die ganzen alten Hasen, die dabei sind und die uns jetzt langsam verlassen", krächzte SG-Trainer Maik Machulla ins NDR Mikrofon. Auch Holger Glandorf war nach dem ersten Meistertitel seiner Karriere kaum noch bei Stimme: "Es war sehr zäh, aber das ist total egal. Wir sind deutscher Meister."

Flensburgs zweiter Meisterstreich

Ministerpräsident Günther: "Ein ganz besonderes Erlebnis"

In der Halle herrschte nach der Schlusssirene Ausnahmezustand. Die Spieler und Fans sangen und tanzten, die Flensburger Handball-Legenden und 2004-Titelträger Lars Christiansen und Jan Holpert brachten die Meisterschale in die Halle. Unter Sektfontänen erhielt Kapitän Tobias Karlsson die Trophäe aus den Händen von Bundesliga-Präsident Uwe Schwenker und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther. "Auch wenn ich das Herzschlagfinale erst noch verdauen muss, war es ein ganz besonderes Erlebnis: voller Emotionen und Leidenschaft", sagte der CDU-Politiker, der die Partie an der Seite des dänischen Regierungschefs Lars Løkke Rasmussen verfolgt hatte. Anerkennende Worte gab es auch vom Landesrivalen THW Kiel: "Wer am Ende oben steht, hat es verdient: Der Rekordmeister THW Kiel gratuliert der @SGFleHa zum Gewinn der deutschen Meisterschaft! Feiert schön", twitterten die "Zebras". Das taten die Flensburger: Auf dem Platz vor der Arena empfingen Tausende Fans die frischgekrönten Meister-Handballer, die sich auf einer Bühne mit ihren Familien und der Schale zeigten.

Kein Durchkommen gegen Göppingens Abwehr

Den Titelgewinn hatte sich das Machulla-Team am Nachmittag härter erarbeiten müssen als gedacht. Die Partie gegen Göppingen war nichts für schwache Nerven. Die Gäste waren verletzungsbedingt mit nur sieben Feldspielern und zwei Torhütern angereist, aber keinesfalls gewillt, sich von der SG abschlachten zu lassen. Im Gegenteil: Mit ihrer offensiven Abwehr stellten sie Flensburg vor große Probleme. Zudem hatte Gäste-Keeper Primoz Prost einen guten Tag erwischt, zeigte zahlreiche starke Paraden und hielt einen Siebenmeter von Hampus Wanne. Auch eine Auszeit von Machulla, verbunden mit einem Torwartwechsel, verpuffte. Marco Rentschler sorgte mit einem verwandelten Siebenmeter für den 12:12-Halbzeitstand. Die euphorische Stimmung in der ausverkauften Halle war futsch - ebenso wie der Titel zu diesem Zeitpunkt, denn die Rhein-Neckar Löwen lagen in ihrem Heimspiel gegen Leipzig mit 13:12 vorn. "Wir müssen die Nerven bewahren", mahnte SG-Manager Dierk Schmäschke in der Pause.

Hochspannung bis zum Schluss

SG Flensburg-Handewitt - FA Göppingen 22:21 (12:12)

Tore Flensburg-Handewitt: Lauge Schmidt 8/1, Svan 4, Heinl 3, Wanne 3, Gottfridsson 2, Glandorf 1, H. Toft Hansen 1
Tore Göppingen: Rentschler 8/5, Kozina 5, Kneule 3, A. Damgaard 2, Ritterbach 2, Pfahl 1
Strafminuten: - / 4
Zuschauer: 6.300

Wie es um die Nerven der Gastgeber bestellt war, zeigte sich kurz nach Wiederbeginn: Kentin Mahé warf einen Siebenmeter neben das Tor. Kurz darauf fing Adrian Pfahl einen Flensburger Fehlpass ab und traf zum 13:12 für die Gäste (33.). Zu allem Überfluss kassierte die SG in Überzahl ein Gegentor (36./14:14). In der 42. Minute brach Rasmus Lauge den Negativlauf: Sein sechster Treffer bedeutete erstmals eine Zwei-Tore-Führung der Flensburger (17:15) - war das schon eine Vorentscheidung? Es schien so, weil sich Göppingen anschließend durch einen Wechselfehler selbst dezimierte. Aber auch dieses Überzahlspiel konnte Flensburg nicht entscheidend nutzen, die Gäste konnten wieder verkürzen (46./17:18). Es blieb weiter spannend - vor allem, weil die SG immer wieder klare Torchancen vergab. Sechs Minuten vor dem Ende hätte Lauge vom Siebenmeterpunkt eine Drei-Tore-Führung herauswerfen können, er scheiterte an FA-Keeper Prost. Zwei Minuten vor Schluss - beim Stand von 22:20 - machte es Wanne ebenso. So musste tatsächlich bis zur erlösenden Schlusssirene gezittert werden, ehe die Halle im Jubel versank.

Dieses Thema im Programm:

Sportreport | 03.06.2018 | 18:05 Uhr

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