Sendedatum: 17.08.2019 22:40 Uhr

HSG Nordhorn-Lingen: Der Stolz der Grafschaft Bentheim

von Christian Görtzen, NDR.de

Rot-Weißer Tempohandball - so sorgte die HSG Nordhorn-Lingen, damals noch als HSG Nordhorn, Anfang des neuen Jahrtausends für Furore in der Bundesliga. Einer denkbar knapp verpassten Meisterschaft 2002 folgten sechs Jahre später ein Triumph im EHF-Cup sowie 2009 die Insolvenz und der Zwangsabstieg. Nach zehn Jahren Abwesenheit sind die Niedersachsen zurück in der höchsten Spielklasse.

Die Spieler der HSG Nordhorn mit dem EHF-Pokal © dpa
Die HSG-Mannschaft um Holger Glandorf (M.) 2008 mit dem EHF-Pokal.

Es fehlte so unglaublich wenig zum ganz großen Triumph - nur ein einziger Punkt. Der 25. Mai 2002 war in der Vereinsgeschichte der HSG Nordhorn-Lingen, die damals noch HSG Nordhorn hieß, ein Tag der zwiegespaltenen Gefühle. Einerseits durften Trainer Ola Lindgren, Spieler, Verantwortliche und Fans des im Juni 1981 gegründeten Clubs aus der Kreisstadt der Grafschaft Bentheim ohne Frage stolz auf das Erreichte in der Handball-Bundesliga sein. Andererseits war die Enttäuschung über den verpassten Gewinn der deutschen Meisterschaft so immens.

Ein Zähler fehlt zur Meisterschaft

Hinter dem THW Kiel, der mit einem fulminanten Saisonschluss-Spurt von acht Siegen hintereinander noch auf 54:14 Punkte (+148 Tore) kam, blieb dem Team von der deutsch-niederländischen Grenze mit 53:15 Zählern (+156) nur der zweite Platz. Kiel feierte am letzten Spieltag der Saison durch ein 26:24 beim großen Rivalen SG Flensburg-Handewitt, der Nordhorn nicht die angestrebte Schützenhilfe zukommen lassen konnte, seinen zehnten Meistertitel.

2008 triumphiert Nordhorn im EHF-Cup

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Tabelle der Handball-Bundesliga © picture-alliance / Sven Simon, NDR.de/Screenshot Foto: Anke Fleig / SVEN SIMON

HSG Nordhorn-Lingen: Spielplan

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So nahe kamen die Spieler der HSG der Meisterschale nie wieder. Nordhorn blieb aber auch in den Folgejahren eine der besten deutschen Mannschaften, beeindruckte durch Tempo-Handball und feierte am 11. Mai 2008 den größten Erfolg seiner Vereinshistorie - den Gewinn des EHF-Cups. Über die Stationen Roter Stern Belgrad, SKIF Krasnodar (Russland), Portowyk Juschne (Ukraine) und im Halbfinale BM Aragón (Spanien) erreichten die Niedersachsen das Finale gegen FCK Handbold Kopenhagen. Nach dem 31:27 im Hinspiel in eigener Halle konnte sich die HSG in der dänischen Hauptstadt im Rückspiel ein 29:30 erlauben.

Klangvolle Spielernamen

Die Namen von so vielen Nordhorner Spielern im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends haben auch heute noch einen sehr guten Klang. Das HSG-Trikot trugen unter anderem Holger Glandorf, Jan Filip, Maik Machulla, Steffen Weinhold, Torsten Jansen, Tobias Karlsson, Ljubomir Vranjes, Glenn Solberg, Bjarte Myrhol, Jochen Fraatz, Robert Andersson oder der langjährige schwedische Nationaltorhüter Peter Gentzel. Diese Ansammlung von so vielen Top-Spielern hatte aber auch einen Preis - und selbigen zahlte der Verein im übertragenen Sinne Anfang 2009.

Aufgrund erheblicher wirtschaftlicher Zwänge musste die HSG, die im September 2008 durch die Umbenennung in HSG Nordhorn-Lingen zunächst den Spielbetrieb noch hatte aufrechterhalten können, am 16. Februar 2009 Insolvenz anmelden. "Die Nordhorner haben über ihre Verhältnisse gelebt", kritisierte damals Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL), das Missmanagement der HSG, das zu Verbindlichkeiten von 1,9 Millionen Euro geführt haben soll.

Im Frühjahr 2019 gelingt die Bundesliga-Rückkehr

Heiner Bültmann © picture alliance / Fotostand
Trainer Heiner Bültmann führte die HSG zum Aufstieg in die Bundesliga.

Es folgten zehn Jahre in der Zweiten Liga, wo Nordhorn-Lingen häufiger in der erweiterten Spitzengruppe mitspielte und nie schlechter als Rang zehn (2012) abschnitt. Am 25. Mai 2019 gelang der Mannschaft unter ihrem Trainer Heiner Bültmann, dem einstigen Assistenten von Lindgren, durch ein 33:28 beim EHV Aue die langersehnte Rückkehr in die Bundesliga. Es war vollbracht! Dank einer starken Rückrunde waren die Niedersachsen in der Tabelle noch an der HSC Coburg 2000 vorbeigezogen und hatten sich den zweiten Rang gesichert. Die HSG, die im Frühjahr 2017 in wirtschaftliche Turbulenzen geraten war, lag damit vor ihrem eigenen Zeitplan: Eigentlich war die Rückkehr in die Eliteliga erst für 2020 angepeilt.

Corona-Pandemie führt zum Klassenerhalt

Es sollte eine sehr besondere Saison werden. Die HSG war der Konkurrenz hoffnungslos unterlegen, holte unter dem neuen isländischen Trainer Geir Sveinsson gerade einmal vier Punkte, stand im Frühjahr abgeschlagen am Tabellenende - und blieb doch in der Eliteliga. Ihre Ursache hatte dies in der Corona-Pandemie. Da die Handball-Bundesliga (HBL) letztlich beschloss, die Saison 2019/2020 abzubrechen und den Abstieg auszusetzen, bekam Nordhorn-Lingen unverhofft eine zweite Chance.

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 17.08.2019 | 22:40 Uhr

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