Juri Knorr im Trikot der deutschen Handball-Nationalmannschaft. © imago images / Laci Perenyi

WM-Debütant Juri Knorr: Vater Thomas zittert mit

Stand: 13.01.2021 13:45 Uhr

Juri Knorr ist eines der größten Spielmachertalente im deutschen Handball. Der 20 Jahre alte Flensburger gibt bei der WM in Ägypten sein Debüt auf der internationalen Handball-Bühne. Der Weg dahin war vorgezeichnet. Nicht zuletzt durch Vater Thomas Knorr.

von Matthias Heidrich

Papa Knorr, der vier Meistertiel mit dem THW Kiel feierte und auch beim großen Rivalen SG Flensburg-Handewitt spielte, erinnert sich im Gespräch mit dem NDR noch sehr genau an das erste Aha-Erlebnis mit seinem Sohn. "Er war ungefähr ein Jahr alt und konnte gerade so laufen, als ich ihn in Flensburg mit zum Training genommen habe, weil ich niemanden zum Aufpassen hatte." Ein SG-Betreuer übernahm für die Zeit, in der der Papa trainierte. "Der war nach eineinhalb Stunden Schweiß überströmt, weil er mit Juri die ganze Zeit Handball und Fußball spielen musste", erzählt der ehemalige Nationalspieler und lacht.

In der HSV-D-Jugend mit Arp und Vagnoman

Handball oder Fußball? Das Feuer in Juri Knorr brannte von Anfang an für beide Sportarten. "Er hat schon immer den Traum gehabt, Handball- oder Fußballprofi zu werden", erinnert sich der Vater. Das Besondere: Juri war mit dem Ball in der Hand ebenso gut wie mit der Kugel am Fuß. "Er hat für beide Sachen sehr viel Talent mitbekommen", sagt Thomas Knorr, der seinen Sohn in der Jugend als Handball-Coach bei der MTV Lübeck betreute. Zusammen feierten sie den Gewinn der deutschen C-Jugendmeisterschaft.

Ein Mannschaftsfoto der D-Jugend des HSV mit Juri Knorr (l.)
In der D-Jugend des HSV spielte Juri Knorr mit Fiete Arp und Josha Vagnoman zusammen.

Wäre auch eine Karriere als Fußballprofi möglich gewesen? "Absolut", so der Vater und kramt ein altes Mannschaftsfoto hervor, auf dem die D-Jugend des HSV zu sehen ist. Als Zwölfjähriger schnupperte Juri an der Fußballkarriere, spielte beim Rautenclub zusammen mit Fiete Arp und Josha Vagnoman, die ihren Weg in den Profifußball gemacht haben. Auch Juri hätte ihn gehen können. "Es gab Anfragen von anderen großen Vereinen", erinnert sich Thomas Knorr.

Corona-Erkrankung nach DHB-Debüt

Am Ende setzte sein Sohn voll auf die Karte Handball - mit Erfolg. Im vergangenen November gab der Spielmacher sein Debüt in der deutschen Nationalmannschaft, als erster Spieler, der in den 2000ern geboren ist. Ein Meilenstein in Juris Karriere, dem allerdings ein heftiger Rückschlag folgte. Der 20-Jährige wurde im Nachgang der Länderspielwoche positiv auf das Coronavirus getestet und hatte mit der Covid-19-Erkrankung mächtig zu kämpfen. "Er war richtig krank, klagte auch über Schmerzen in der Brust", so Thomas Knorr. "Es war schon erschreckend zu sehen, wie ein junger, fitter Mensch so aus den Latschen geschossen wurde."

Wechsel zu den Löwen, nicht zum THW Kiel

Mittlerweile ist Juri wieder gesund und nun als Jüngster im Kader von Bundestrainer Alfred Gislason bei der WM dabei. Im Sommer wird das Talent dann den nächsten Schritt auf Vereinsebene machen: Knorr wechselt von der GWD Minden zum Bundesliga-Spitzenclub Rhein-Neckar Löwen. Auch Rekordmeister THW Kiel hätte den begabten Mittelmann gerne gehabt.

Abenteuer FC Barcelona nach dem Abitur

"Die ganze Familie ist sehr stolz auf ihn", sagt Thomas Knorr. "Es ist in meinen Augen auch verdient, weil er schon von klein auf sehr viel in diesen Sport investiert und andere Dinge zurückgestellt hat." In der Praxis bedeutete das für Juri, dass der Wecker zu Schulzeiten zuweilen um 4 Uhr klingelte. "Er hat vor der Schule gelernt, weil er nachmittags keine Zeit dazu hatte."

VIDEO: Handball-Legende Thomas Knorr: "Ich bin sehr stolz auf Juri" (6 Min)

Ein gutes Abitur war der Lohn - und die Grundlage dafür, ruhigen Gewissens direkt nach der Schule die Koffer zu packen und das Abenteuer FC Barcelona anzugehen. Der spanische Topclub hatte schon zuvor seine Fühler nach dem Ausnahmetalent aus dem hohen Norden ausgestreckt, doch der Abschluss war der Familie Knorr wichtiger. Bei den Katalanen kam Juri bereits als 18-Jähriger zu Erstligaeinsätzen, lernte zudem eine neue Sprache und Kultur kennen.

Thomas Knorr: "Er kann eine Mannschaft führen"

Das Gesamtpaket bei Juri Knorr stimmt. "Er hat die Athletik und tolle Würfe, aber auch das strategische Denken. Er kann eine Mannschaft führen und den Rhythmus vorgeben", sagt der Vater. "Ich hoffe, dass er das auch bei der WM zeigen kann." Am Freitag (18 Uhr, live im Ersten) startet das DHB-Team gegen Uruguay in die WM.

Thomas Knorr wird jedes Spiel seines Filius intensiv verfolgen. Obwohl es für den 49-Jährigen nicht leicht wird. Als Nationalspieler erzielte er in 83 Länderspielen 199 Treffer für die DHB-Auswahl. Aber all seine Routine hilft vor dem Fernseher nichts: "Zuschauen ist schlimmer als selber spielen. Ich habe immer schweißnasse Hände, wenn ich Juri zugucke."

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 17.01.2021 | 22:50 Uhr

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