Die Schale für den deutschen Handball-Meister © imago/Sportsword

THW Kiel, Flensburg und die spannendsten Titelrennen in der HBL

Stand: 22.03.2023 09:53 Uhr

Fünf Teams kämpfen in dieser Saison um die Meisterschale - darunter der THW Kiel und die SG Flensburg-Handewitt. So spannend war das Titelrennen in der Handball-Bundesliga (HBL) noch nie. Oder doch?

von Paulo Plautz

Die Schlussphase der Saison dürfte jedenfalls eine der dramatischsten der Geschichte werden. Die Füchse Berlin liegen mit 39:7 Punkten an der Spitze, gefolgt von den Rhein-Neckar Löwen (37:9) sowie dem THW Kiel (36:8) und dem SC Magdeburg (35:9), die beide noch ein Spiel in der Hinterhand haben. Ebenso wie Flensburg (33:11), das Außenseiterchancen besitzt.

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Ein Handball liegt im Tornetz. © picture-alliance Foto: Frank Hoermann / Sven Simon

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THW-Coach Jicha: "Froh, dass die Liga so ist"

Filip Jicha, dessen Team am Sonntag (14 Uhr) die Füchse zum Top-Duell empfängt, sieht das enge Titelrennen mehr als Ansporn denn als Belastung. "Ich bin froh, dass die Liga so ist, weil es sehr spannend ist. Ich habe es erlebt, dass man das Geschehen über Jahre dominiert. Es macht einfach Spaß, wenn es so eng ist. Das müssen wir den Jungs vermitteln", sagte der THW-Trainer: "Wir haben alles selbst in der Hand."

In den vergangenen Jahren konkurrierten in aller Regel maximal zwei Teams um den Titel. Diesmal ist das anders. "Ich glaube, da kann jeder die Meisterschaft holen", sagte HSV-Hamburg-Coach Torsten Jansen im NDR Sportclub. Das Team des 46-Jährigen gehört nicht zu den Anwärtern. Der Ex-Profi und Weltmeister von 2007 kennt sich allerdings mit spannenden Titelkämpfen aus. Davon gab es in der Handball-Historie einige:

2002: THW Kiel nach Aufholjagd zum Titel

2002 kommt es am vorletzten Spieltag zum Showdown. Kiel empfängt den Spitzenreiter HSG Nordhorn - es geht um Platz eins. Danach hatte es für den THW lange nicht ausgesehen: "Eigentlich haben ja alle geschrieben, die Meisterschaft wäre schon weg. Aber wir haben es aus eigener Kraft geschafft, den Anschluss zu finden", so Abwehrchef Klaus-Dieter Petersen.

Kiel gewinnt sechs Spiele in Folge und auch das Spitzenspiel gegen Nordhorn. Am letzten Spieltag verlangt Dauerrivale Flensburg dem neuen Tabellenführer noch einmal alles ab: Sieben Minuten vor Schluss steht es unentschieden - für den Titel zu wenig. Erst der Führungstreffer von Julio Fis und ein gehaltener Siebenmeter von Henning Fritz sichern den Schleswig-Holsteinern den achten Sieg in Serie und damit die Meisterschaft.

2007: Zweikampf zwischen Kiel und HSV Hamburg

Vor dem letzten Spieltag sind die HSV-Handballer um Torsten Jansen punktgleich mit Kiel, weisen aber die deutlich schlechtere Tordifferenz auf. Es kommt zum Fernduell zum Saisonabschluss. Und da läuft zur Halbzeit alles für den HSV: Unentschieden in Kiel, die Hamburger führen - zu diesem Zeitpunkt wären die Hanseaten Meister. Ein Fan ist optimistisch: "Der HSV ist immer für eine Überraschung gut und Kiel zeigt manchmal Nerven."

Doch es kommt anders: Kiel bewahrt die Nerven und dreht das Spiel, auch dank der Treffer des Schweden-Duos Hendrik Lundström und Kim Andersson. Damit krönt der THW eine erfolgreiche Saison: Der Club holt 2007 das Triple aus Meisterschale, Pokal und Champions League.

2014: Der THW Kiel und das Herzschlagfinale

Das Saisonfinale 2014 toppt alles Bisherige. Nur zwei Tore entscheiden über die Meisterschaft. Vor dem letzten Spieltag sind die Rhein-Neckar Löwen Spitzenreiter. Die Mannheimer sind punktgleich mit Kiel, weisen aber die um sieben Treffer bessere Tordifferenz auf.

Dann das Unfassbare: Die Handballer von der Förde spielen sich in einen Rausch, landen beim 37:23 gegen die Füchse Berlin einen Kantersieg. Die Löwen gewinnen auch, aber "nur" 40:35 bei Gummersbach. Was nach einer Aufgabe aus einer Mathe-Klausur klingt, ist somit 2014 Realität. THW-Trainer Alfred Gislason kann es nach dem Spiel kaum fassen: "Das ist unvergesslich. Das so zu schaffen, ist unglaublich."

2018: Flensburgs Zitterpartie bis zum Schluss

2018 lässt die SG Flensburg-Handewitt die eigenen Fans lange zittern. Für die erste Meisterschaft nach 14 Jahren muss im letzten Spiel gegen Göppingen ein Sieg her. Doch die Norddeutschen tun sich lange schwer, liegen zunächst sogar zurück. Es entwickelt sich ein Hin und Her, das an den Nerven zehrt.

Erst kurz vor Schluss entscheidet Flensburg das Spiel mit 22:21 für sich. SG-Profi Thomas Mogensen beschreibt im Anschluss den Druck, der auf den Spielern lastete: "Das war viel mehr als Handball heute und das haben wir gemerkt." Die Flensburger haben ihm standgehalten - wenn auch knapp.

2021: THW und SG im Fernduell um die Schale

Drei Jahre später geht es um Sekunden. Der THW darf im letzten Saisonspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen nicht verlieren, ansonsten würde Flensburg die Kieler noch überholen. Denn die SG erledigt ihre Hausaufgaben und gewinnt im Parallelspiel.

Die "Zebras" liegen kurz vor Schluss immer wieder zurück, erkämpfen sich aber den Ausgleich. Zwei Sekunden vor Ultimo steht es 25:25 - was dem deutschen Rekordmeister zum Triumph reichen würde. Doch die Löwen haben noch einen letzten Freiwurf. Wenn Andy Schmid trifft, ist Flensburg Meister. Schmid wirft - daneben. Und Kiel sichert sich den Punkt und die Schale.

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 26.03.2023 | 22:30 Uhr

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