Stand: 28.10.2019 11:32 Uhr

"Recke" Kastening: Auf dem Sprung zu neuen Zielen

von Christian Görtzen, NDR.de

Die TSV Hannover-Burgdorf und Rechtsaußen Timo Kastening - das gehörte über mehr als ein Jahrzehnt hinweg zusammen. Mit dieser Symbiose ist es nach der aktuellen Saison der Handball-Bundesliga jedoch vorbei. Der Nationalspieler sucht beim Ligakonkurrenten MT Melsungen eine neue Herausforderung, will dort den nächsten Schritt in seiner Entwicklung machen. Über seine Ziele auf Vereinsebene und mit dem Nationalteam sprach der 24-Jährige bei seinem Besuch im NDR Sportclub.

Kastening: "Die EM wäre ein großer Traum"

Sportclub -

Timo Kastening ist einer der Senkrechtstarter im deutschen Handball. Das Eigengewächs der TSV Hannover-Burgdorf, das im kommenden Jahr nach Melsungen geht, will unbedingt auf den EM-Zug aufspringen.

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Die Meldung, vor der sich die Fans der TSV Hannover-Burgdorf gefürchtet hatten, ging am 27. September um 14.30 Uhr über den Nachrichtenticker: "Handball-Nationalspieler Timo Kastening von Hannover nach Melsungen", lautete sie. Was schon in den Tagen zuvor durch Medienberichte angedeutet worden war, wurde nun zur Gewissheit: Der gebürtige Stadthagener, der seit 2008 für die TSV spielt und von der C-Jugend an alle Jugendmannschaften des Vereins durchlaufen hat, verlässt die "Recken". Und dabei sind die aktuell so gut wie noch nie.

Unter Trainer Carlos Ortega avancierten die Niedersachsen zur großen positiven Überraschung dieser noch jungen Bundesliga-Saison. Hannover liegt nach zehn Spieltagen mit 17:3 Punkten auf dem ersten Rang. "Wenn du schon mal in der Position bist, um die Großen zu ärgern, willst du da so lange wie es geht auch bleiben", sagte Kastening bei seinem Besuch im Sportclub. Die TSV ist noch erfolgreicher als vor zwei Jahren, als sie unter dem spanischen Trainer schon einmal ordentlich für Furore gesorgt hat.

Keine Angst vor Konkurrenzkampf mit Reichmann

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Gewohntes Bild: Timo Kastening feiert einen Treffer.

Die größeren Chancen auf Nachhaltigkeit in diesen tabellarischen Sphären sieht Kastening allerdings bei der MT Melsungen. "Das Projekt ist finanziell so gut aufgestellt, dass du auch sagen kannst: 'Wir können dauerhaft in Deutschland oben mitspielen und vielleicht auch mal die Großen in Europa angreifen'", sagte der Linkshänder, der in Melsungen einen Vertrag bis zum 30. Juni 2023 unterschrieben hat. Mit dem Wechsel geht er auch ein gewisses Risiko ein, denn der clubinterne Konkurrent auf der Rechtsaußenposition ist namhaft. Es handelt sich um Nationalspieler Tobias Reichmann.

"Man muss nicht nur in der Nationalmannschaft, man muss auch im Verein zusammenarbeiten", sagte Kastening. "Tobias Reichmann hat in Kielce zusammen mit Ivan Cupic die Champions League gewonnen, und der war einer der weltbesten Rechtsaußen damals, und das hat auch geklappt. Deswegen blicke ich dem sehr positiv entgegen."

"Ich möchte in meinem Leben Geld verdienen"

Bereits unmittelbar nach der ersten und bislang einzigen Saisonniederlage der "Recken - ausgerechnet durch ein 25:31 bei der MT Melsungen - war Kastening im Interview mit dem NDR erstaunlich aufrichtig auf seine Beweggründe für den Wechsel eingegangen: "Wenn du die Möglichkeiten hast, in der Karriere Geld zu verdienen, dann tust du das. Alles andere wäre gelogen. Dazu stehe ich auch. Ich möchte in meinem Leben Geld verdienen. Ich sage aber trotzdem: Für mich spielen sportliche Aspekte eine große Rolle.“

TSV-Sportchef Christophersen "nicht böse"

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Für Timo Kastening ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Der Rechtsaußen der TSV Hannover-Burgdorf durfte in Hannover im Trikot der deutschen Handball-Nationalmannschaft auflaufen. Video (02:54 min)

Leicht sei ihm die Entscheidung, Hannover zu verlassen, nicht gefallen. „Ich bin mit den 'Recken' gewachsen. Ich sehe das nach wie vor als meinen Ausbildungsverein, als meinen ersten Profiverein. Der Verein ist bisher alles für mich gewesen. Dementsprechend bin ich sehr glücklich, dass ich meine Karriere hier starten durften, bin dafür dankbar und werde das auch immer bleiben."

TSV-Sportchef Sven-Sören Christophersen versicherte, dass er dem Eigengewächs "natürlich nicht böse" sei. "Das sind die normalen Mechanismen des Profisports. Er hat sich dafür entschieden, eine neue Herausforderung anzugehen", sagte der ehemalige über den aktuellen Nationalspieler, der bei den jüngsten Länderspielen gegen Kroatien zum DHB-Aufgebot gehörte.

DHB-Debüt "unbeschreibliches Gefühl"

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An seinen ersten Einsatz im Team von Bundestrainer Christian Prokop erinnert sich Kastening, der 2012 mit der der deutschen U18 und 2014 mit der U20 Europameister wurde, sehr gerne zurück. "Das war ein unbeschreibliches Gefühl. Als ich vier war und mit dem Handball spielen angefangen habe, war das auf jeden Fall ein Traum von mir und dann da einzulaufen und die Nationalhymne zu singen, das hat mich mit Stolz erfüllt", sagte er nach der Partie am 9. März in Düsseldorf gegen die Schweiz (27:29). Durch starke Leistungen im TSV-Trikot hatte er sich in die nationale Auswahl gespielt. In der vergangenen Saison gelang Kastening der endgültige Durchbruch: Mit 190 Toren avancierte er zum viertbesten Torschützen der Liga.

Sein großer Traum: Teilnahme an der EM

Selbstredend will der ehrgeizige Niedersachse nicht nur auf Vereinsebene vorankommen. Die Teilnahme an der Europameisterschaft, die vom 10. bis 26. Januar in Norwegen, Schweden und Österreich ausgetragen wird, steht da für ihn ganz oben. Und ja, er könne die EM spontan in seinen Terminplan integrieren, ließ er im Sportclub mit einem Lächeln wissen.

"Normalerweise fahre ich zu der Zeit mit den besten Freunden in den Skiurlaub nach Saalbach. Ich hoffe, dass ich dieses Mal nicht mitfahren kann", räumte er ein. "Ich bin 24 Jahre, ich will unbedingt mein erstes großes Turnier spielen. Das wäre für mich ein großer Traum, jetzt endlich dabei sein zu dürfen", sagte Kastening. Am 5. Dezember könnte dieser Traum wahr werden, dann gibt Bundestrainer Christian Prokop seinen EM-Kader bekannt.

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 27.10.2019 | 22:50 Uhr