Magdeburgs Magnus Saugstrup (l.) und Christian O'Sullivan decken Kiels Hendrik Pekeler © IMAGO / Jan Huebner

Letzte Handball-Pokalparty in Hamburg - Kiel und Magdeburg Favoriten

Stand: 23.04.2022 10:28 Uhr

In Hamburg sagt man "tschüs" - nach 28 Jahren Triumphe und Tränen wird am Wochenende zum letzten Mal der DHB-Pokalsieger in der Hansestadt gekürt. Der SC Magdeburg und der THW Kiel sind die Favoriten beim Final Four.

Die letzte große Pokalparty in Hamburg vor 13.000 Zuschauern in der Arena am Volkspark ist für den von der Corona-Pandemie hart getroffenen Handball auch eine Art Wiederbelebung. "Wir sehen wieder Zuschauer und Stimmung in der Halle. Das ist für das Produkt aber auch für die Clubs überlebenswichtig", sagte Geschäftsführer Frank Bohmann von der Handball-Bundesliga.

Saisonabbruch, Geisterspiele, Existenzängste: Das Handball-System stand vor dem Kollaps. "Vor zwei Jahren haben wir überlegt, ob wir die Liga überhaupt fortsetzen können. Nicht nur für den Moment", so Bohmann. "Jetzt sind wir wieder am Markt, jetzt können wir uns wieder beweisen."

Das prestigeträchtige, spannungsgeladene Final Four kommt da gerade recht. Im vergangenen Jahr gab es bereits im Halbfinale einen Paukenschlag, als der Pokal-Rekordsieger Kiel (elf Titel) gegen den TBV Lemgo Lippe rausflog - nach einer Sieben-Tore-Führung zur Halbzeit.

Für Niclas Ekberg immer noch denkwürdig. "Ich bin seit 2012 beim THW. Ich kann mich nicht erinnern, dass es wettbewerbsunabhängig in diesem Jahrzehnt eine solche Begegnung für uns gegeben hat", sagte der schwedische Europameister. "Das war einmalig. Und es soll bitteschön auch einmalig bleiben."

THW Kiel will Revanche gegen Titelverteidiger Lemgo

Wie es Losfee HSVH-Torwart Johannes Bitter so wollte, heißt heute das erste Halbfinale auch in diesem Jahr wieder THW Kiel gegen Lemgo. "Natürlich geht es jetzt in die Revanche mit einer kleinen Portion Extra-Motivation", so Ekberg, für den solche Überraschungen das Salz in der Pokal-Suppe sind: "Auch wenn diese Niederlage gegen Lemgo für uns extrem bitter war, so zeigte sie doch auch, was den Reiz dieses Final-Four-Formates ausmacht."

Das Final Four 2022

Halbfinals:
Sa., 13.30 Uhr, im Liveticker: THW Kiel - TBV Lemgo Lippe
Sa., 16.10 Uhr, live im Ersten und Video-Livestream: SC Magdeburg - HC Erlangen

Finale:
So., 13.25 Uhr, live im Ersten und Video-Livestream

Lemgos Zecher: "Werden über 100 Prozent geben müssen"

Lemgo machte den Pokalcoup nach dem Sensationserfolg gegen die "Zebras" perfekt und holte sich anschließend den Titel im Finale gegen Melsungen. "Dieses denkwürdige Final Four im vergangenen Jahr war für mich das bisher Größte in meiner Karriere", sagte Lemgo-Torwart Finn Zecher.

Gegen einen erneuten "Kiel-Coup" hätte der 21-Jährige nichts einzuwenden. "Natürlich sind wir wieder Außenseiter und natürlich sind wir auch wieder nicht chancenlos", so Zecher. "Aber wir werden wohl praktisch über 100 Prozent geben müssen."

Bitter: Sein Team wird gegen den Favoriten und am gesamtem Pokal-Wochenende ohne Kapitän Andrej Kogut auskommen müssen. Bei dem gebürtigen Russen wurde als Spätfolge einer Corona-Infektion eine Herzmuskelentzündung festgestellt.

SC Magdeburg - HC Erlangen im Livestream

Im zweiten Halbfinale sind die Rollen noch klarer verteilt. Bundesliga-Spitzenreiter SC Magdeburg, der klar auf Meisterschaftskurs liegt, trifft auf den Final-Four-Debütanten und Bundesliga-13. HC Erlangen. Vom Papier her eine leichte Aufgabe für die in dieser Saison so starken Magdeburger. In der Liga hat sich der SCM allerdings nur knapp gegen Erlangen durchgesetzt (28:27).

"Wir wollen am Ende auf jeden Fall den Meistertitel haben, das ist das wichtigste Ziel", sagte Präsident Dirk Roswandowicz dem MDR. "Auf dem Weg dahin nehmen wir natürlich gerne noch den DHB-Pokal mit."

Magdeburg am Sonntag Party-Hochburg?

Das Selbstbewusstsein ist groß beim Tabellenführer, der seinen Teil zu einem Magdeburger Traum-Wochenende beitragen kann. Während der SCM womöglich am Sonntag mit dem DHB-Pokal im Gepäck nach Hause fährt, können die Drittliga-Fußballer des 1. FC Magdeburg fast zeitgleich mit einem Heimsieg gegen Zwickau den Zweitliga-Aufstieg perfekt machen.

"Wir wollen keine Hafenrundfahrt machen, sondern das Finale erreichen", betonte SCM-Geschäftsführer Marc-Henrik Schmedt. Ein Hafenrundfahrt wird indes für die Final-Four-Teilnehmer ab dem kommenden Jahr ohnehin keine Option mehr sein - allenfalls eine Bootstour über den Rhein. Das Endturnier um den DHB-Pokal zieht nach fast 30 Jahren an der Elbe nach Köln. Nach zwei Jahren Corona-Pandemie muss auch der Handball mehr denn je auf seine Wirtschaftlichkeit schauen.

HBL-Chef Bohmann: Abschied mit weinendem Auge

"Eine Halle mit 20.000 Zuschauern Fassungsvermögen bietet ganz andere Möglichkeiten", sagte HBL-Präsident Uwe Schwenker der "Handballwoche". Die Arena am Volkspark in Hamburg bietet 13.000 Fans Platz. "Auch wenn die Entscheidung nicht leicht gefallen ist, ist die Aussicht und Erwartung auf deutlich höhere Einnahmen sicher nachvollziehbar", so Schwenker.

Für Bohmann auch ein trauriger Tag. "In Hamburg haben wir eine ganze Menge von rauschenden Festen gefeiert. Da haben wir natürlich ein weinendes Auge", sagte der HBL-Chef.

Weitere Informationen
Der Pokal steht im Mittelkreis. © Witters Foto: Valeria Witters

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Dieses Thema im Programm:

Sportschau | 24.04.2022 | 13:15 Uhr

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