Stand: 27.01.2020 13:57 Uhr

Domagoj Duvnjak: Wieder kein Gold für den THW-Star

von Jan Kirschner, NDR.de
Wieder "nur" Zweiter: Domagoj Duvnjak nach dem verlorenen EM-Finale gegen Spanien.

Die letzten Sekunden im Finale der Europameisterschaft sind nichts für einen Vollblut-Handballer wie Domagoj Duvnjak. Der kroatische Weltklassespieler vom deutschen Rekordmeister THW Kiel registriert, dass das 20:22 gegen Spanien nicht mehr zu verhindern ist. Die Augen sind feucht, es sind Tränen der Enttäuschung. Er zieht sich das weiß-rotkarierte Trikot mit der Nummer fünf über das Haupt, während der Gegner jubelt. Bei der Siegerehrung fummelt der 31-Jährige an seiner Medaille. Sie ist nicht aus Gold, sondern "nur" aus Silber.

"Ich bin sehr traurig, diese Niederlage hat weh getan", erzählt Duvnjak später den Journalisten. "Eigentlich müsste ich stolz auf die Jungs sein, wie sie in diesem Turnier immer wieder Charakter gezeigt haben. Aber unser Traum von der Europameisterschaft bleibt unerfüllt."

Das "Jahrhundert-Talent" aus Dekova

In Kroatien ist Handball sehr populär, seitdem die Ballsportler 1996 und 2004 Olympia-Gold sowie 2003 den Weltmeisterschafts-Titel errangen. Das Aushängeschild, der umjubelte Star der heutigen Spieler-Generation, heißt Duvnjak. Ihn nennen sie in Handball-Kreisen alle nur "Dule". Das "Jahrhundert-Talent" aus Dekova absolvierte 2006 seine ersten Länderspiele, sammelte schon eifrig Medaillen bei allen nur möglichen internationalen Großturnieren, doch Gold war noch nicht dabei. Besonders intensiv schnupperte er zwischen 2008 und 2010 am Triumph. Dann schnappten sich aber die Dänen und zwei Mal die Franzosen in den EM- und WM-Endspielen die Lorbeeren.

"Heimvorteil" im EM-Finale in Schweden

Bei der aktuellen EM-Auflage sind die Kroaten wieder ins Finale vorgedrungen. Es bietet sich die große Chance: Die Ballwerfer vom Balkan genießen in Stockholm einen Heimvorteil. Tausende Landsleute sind erschienen. Sie treiben ihre Mannschaft nach vorne und pfeifen die Spanier aus. "Es ist echt verrückt, dass uns so viele unterstützen. Dabei ist Kroatien weit weg von Schweden", staunt Duvnjak. Während der 60 Minuten stachelt er die Zuschauer immer wieder an - auch wenn er es eigentlich gar nicht müsste. Er fordert nicht nur von sich, sondern auch von Mitspielern und Fans stets vollen Einsatz.

Duvnjak - "Wertvollster Spieler" der EM

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Eine enorme Mentalität, die von Leidenschaft und Willen getragen wird, treibt ihn an. "Unser Dule", meint Teamkollege Zeljko Musa, "ist unser Anführer, der alles für uns tut, ja er ist ein Topspieler mit einem großen Herzen." Die Europäische Handball-Föderation kürt Duvnjak schon vor dem Endspiel wegen seiner "herausragenden und heldenhaften Leistungen" als "Most Valuable Player" - als wertvollsten Spieler des gesamten EM-Turniers.

Auch im Finale ist der 31-Jährige eine prägende Figur. Er kurbelt den Angriff an, verwandelt die Siebenmeter und agiert in der Deckung als Spitze oder Halbverteidiger. Es läuft zunächst gut, ehe die Kroaten nach dem 10:7 ein Tief durchmachen müssen. Duvnjak vergibt einen Strafwurf. Der Gegner von der iberischen Halbinsel führt zu Beginn der zweiten Hälfte mit 16:12. Die Kroaten zeigen Moral. Duvnjak holt die letzten Körner aus seinem Körper. Er feiert mit dem Publikum das 19:18. Doch am Ende reicht es nicht ganz. "Die Spanier hatten mehr Erfahrung und bestraften unsere Fehler", meint der Kopf der kroatischen Mannschaft.

Duvnjak: "Motivationsprobleme kenne ich nicht"

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In der Mixed-Zone sieht Duvnjak sehr müde aus, Augenringe zieren sein Gesicht. Neun Spiele in 17 Tagen sind kein Zuckerschlecken. Doch anders als vor zwei Jahren, als er bei der Heim-EM in Kroatien gleich im ersten Spiel einen Muskelfaserriss erlitt, muss der THW Kiel nicht um seinen Kapitän bangen, der im vergangenen Herbst bis 2022 bei den "Zebras" verlängert hat. "Mein Körper fühlt sich gut an", erzählt er. "Und Motivationsprobleme kenne ich nicht - am Sonnabend haben wir doch ein wichtiges Spiel." Bei der TSV Hannover-Burgdorf geht es um die Bundesliga-Spitze und Duvnjak kämpft um den nächsten Titel. Die deutsche Meisterschale nahm er schon zwei Mal entgegen: einmal mit dem HSV Hamburg, einmal mit dem THW Kiel.

Der Sieg und damit eine Goldmedaille bei einer großen internationalen Meisterschaft bleibt weiterhin ein unerfüllter Traum für den Ausnahme-Handballer aus Kroatien.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 26.01.2020 | 22:40 Uhr