Kiels Harald Reinkind gegen Balingen-Weilstetten © picture alliance/dpa | Axel Heimken

Kiel feiert Auftaktsieg vor 9.000 Fans, Flensburg stark, HSV bitter

Stand: 09.09.2021 12:46 Uhr

9.000 Handball-Fans in der Halle des THW Kiel haben am Mittwoch beim Bundesligaauftakt für Gänsehaut-Momente gesorgt. Der Meister tat sich gegen Balingen-Weilstetten lange schwer. Die SG Flensburg-Handewitt feierte in Minden einen Kantersieg, während Aufsteiger HSV Hamburg gegen Göppingen denkbar knapp verlor.

von Matthias Heidrich

Lichtshow, wummernde Bässe und dank 2G-Modellprojekt 9.000 stehende Fans, die ihre Handball-Helden frenetisch feierten: Um 19.12 Uhr herrschte Gänsehaut-Atmosphäre in Kiel. Nach Monaten vor leeren Rängen ein fast ausverkauftes THW-Haus: Domagoj Duvnjak und Co. war beim Einlaufen die Freude über die Rückkehr der Fans in die Gesichter geschrieben. Dass der Anwurf wegen Problemen bei der Einlasskontrolle fast eine Viertelstunde verspätet stattfand, kritisierte Liga-Boss Frank Bohmann allerdings: "Das sollte und darf sich nicht wiederholen."

Bilyk feiert Heim-Comeback - Kiel tut sich schwer

Nach 22 Minuten führten die "Zebras" mit 10:7, als bereits der nächste Gänsehaut-Moment anstand. Nikola Bilyk kam ins Spiel und feierte sein Comeback in heimischer Halle nach einem Jahr Verletzungspause (Kreuzbandriss). Die THW-Fans erhoben sich erneut. Im Laufe des Spiels blieben sie allerdings immer öfter sitzen. Der Meister tat sich extrem schwer gegen die gut organisierten Gäste. Nach 39 Minuten führte der Außenseiter auf einmal mit 17:16, als THW-Coach Filip Jicha eine Auszeit nahm und seine recht emotionslos agierende Mannschaft einnordete.

"Es war fanstastisch, ich hatte lange nicht mehr dieses Gefühl. Ich bin dankbar, dass wir das erleben durften. Es hat sich wie ein Stück Normalität angefühlt." THW-Trainer Filip Jicha

Mit Erfolg: Die "Zebras" berappelten sich, Torwart Niklas Landin lief zur Höchstform auf und vorne wurden die Chancen endlich konsequent verwertet. Acht Minuten vor Schluss lagen die Kieler mit 29:21 in Führung. Der Rest war Formsache für das Jicha-Team, das den 9.000 THW-Fans mit dem 33:24-Erfolg am Ende doch noch Grund für Standing Ovations gab. "Schon beim Einlaufen hatte ich Gänsehaut. Es war für alle etwas Besonderes. Die Energie von den Fans zu bekommen, hilft", sagte Steffen Weinhold dem NDR.

Ab 20. September wohl volle Hallenauslastung möglich

Demnächst dürfen in der THW-Halle wohl sogar wieder 10.285 Fans mitfiebern. Im Zuge der neuen Corona-Verordnung der Landesregierung sollen ab 20. September die Zuschauer-Obergrenzen in Hallen und Stadien fallen. Das Kabinett soll sie in der kommenden Woche beschließen.

Das nächste THW-Heimspiel steht ausgerechnet am 19. September an. Und dann ist es auch noch das Derby gegen die SG Flensburg-Handewitt. Die Kieler denken darüber nach, um eine Ausnahmegenehmigung für den Klassiker zu ersuchen, um die TWH-Halle schon dann komplett füllen zu können.

Flensburg feiert Kantersieg in Minden

Die Flensburger dürfen aktuell 4.600 Fans in der 6.300 Zuschauer fassenden "Hölle Nord" empfangen. Am Sonnabend (18.30 Uhr) steht gegen Erlangen das erste Heimspiel des Vizemeisters an. Zum Auftakt musste die Mannschaft von Trainer Maik Machulla auswärts bei GWD Minden ran und gab sich dabei keine Blöße. Zur Pause führte die SG bereits mit fünf Toren (14:9). Am Ende fuhr der Vizemeister einen ebenso deutlichen wie verdienten 31:18-Auswärtssieg ein. Mit je sieben Toren führten die Dänen Lasse Svan und Hans Aaron Mensing die Flensburger zum nie gefährdeten Erfolg.

Machulla: "Möller war überragend"

"Das war von der ersten bis zur letzten Minuten hochkonzentriert. Die Bereitschaft, zu arbeiten und die Zweikämpfe zu führen, war von Anfang an vorhanden", sagte Machulla, der ein Extra-Lob für seinen Torwart verteilte: "Kevin Möller hat ein überragendes Spiel gemacht und uns sehr geholfen." Der vor der Saison vom FC Barcelona an die Förde zurückgekehrte Schlussmann würdigte die Teamleistung: "Die Abwehr war hervorragend. Überhaupt war viel Herz und Wille zu sehen."

"Ich liebe es, mit einer tollen Mannschaft in der stärksten Liga der Welt zu spielen. Deshalb bin ich zurückgekehrt." SG-Torwart Kevin Möller

HSV Hamburg verliert knapp gegen Göppingen

Aufsteiger HSV Hamburg verpasste vor knapp 3.000 Zuschauern in eigener Halle eine kleine Sensation bei der Rückkehr ins Handball-Oberhaus. Die Mannschaft um Nationaltorhüter Johannes Bitter unterlag nach fünf Jahren Bundesliga-Abstinenz Frisch Auf Göppingen mit 27:28 (16:15). Die Hanseaten hielten gegen den Favoriten lange auf Augenhöhe mit, mussten erst in der Schlussphase abreißen lassen. Göppingens Linksaußen Marcel Schiller war mit elf Treffern der spielentscheidende Akteur. Bester HSVH-Werfer war Leif Tissier mit neun Toren.

"Wir haben ein richtig gutes Spiel gemacht. Göppingen war am Ende vielleicht einen Tick cleverer als wir", sagte Hamburgs Kreisläufer Manuel Späth. "Die Fans haben uns trotz der Niederlage gefeiert, das war eine super Atmosphäre. Es wird extrem wichtig sein, dass wir mit den Fans zusammenstehen."

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 08.09.2021 | 23:03 Uhr

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