Stand: 17.05.2019 22:34 Uhr

Deutsches EHF-Cup-Finale: Kiel trifft auf Berlin

von Matthias Heidrich, NDR.de

Es war ein hartes Stück Arbeit, aber letztlich hat sich der THW Kiel ins Finale des EHF-Cups gekämpft. Der deutsche Handball-Rekordmeister schaltete am Freitagabend in eigener Halle den dänischen Club TTH Holstebro mit 32:26 (16:14) aus und greift nach seiner ersten internationalen Trophäe seit dem Champions-League-Triumph von 2012. "Jetzt wollen wir den Pott", sagte Kreisläufer Hendrik Pekeler. Auf dem Weg zum möglichen vierten Erfolg im zweitwichtigsten europäischen Wettbewerb treffen die "Zebras" am Sonnabend (20.45 Uhr) im Endspiel auf die Füchse Berlin. Der Titelverteidiger bezwang im zweiten Semifinale den portugiesischen Meister FC Porto mit 24:20 (12:8).

Harte Arbeit gegen Holstebro - THW Kiel im Finale

Gislason vor einem perfekten Abschluss

THW-Trainer Alfred Gislason zeigte sich zufrieden: "Wir hatten in der ersten Halbzeit einige Schwierigkeiten, haben uns dann aber verdient durchgesetzt. Wir waren sehr konzentriert." Kiels Coach, der seine erfolgreiche Karriere als Vereinstrainer nach elf Jahren beim THW im Sommer beendet, winkt nun in seinem letzten internationalen Spiel mit den "Zebras" sein 20. und vielleicht letzter Titel mit den Norddeutschen. "Mit dem EHF-Pokalsieg 2001 mit dem SC Magdeburg startete meine Trainer-Karriere vor 18 Jahren richtig durch", sagte Gislason vor der Partie: "Deshalb wäre es das i-Tüpfelchen, wenn meine Karriere im Vereinshandball auch mit dem gewonnenen EHF-Pokal enden würde." Zumal ihm diese Trophäe in seiner großen Titelsammlung mit dem THW als letzte noch fehlt.

Porträt

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Landin stark - Bilyk ohne Wurfglück

Holstebro und Favorit Kiel lieferten sich einen offenen Schlagabtausch. Die Dänen gingen mit viel Tempo zu Werke und hatten in Sebastian Leth Frandsen einen starken Rückhalt im Tor. Die Kieler hielten dagegen, traten allerdings nicht so souverän auf wie erwartet. Während Niclas Landin seinem dänischen Torwart-Kollegen in nichts nachstand, krankte das THW-Spiel offensiv vor allem an Nikola Bilyk. Der österreichische Rückraumschütze versenkte nur drei von neun Versuchen. Hätte Holstebro seine Gegenstöße konsequenter zu Ende gespielt und nicht acht technische Fehler gemacht, wäre auch eine dänische Führung zur Pause drin gewesen. Doch so retteten die Schleswig-Holsteiner einen Zwei-Tore-Vorsprung in die Kabine.

Mit Duvnjak kommt die Sicherheit

Holstebro - THW Kiel 26:32 (14:16)

Tore Holstebro: Bramming 7, Smits 5, Balling Christensen 3, Mortensen 3, Porup 3, Svavarsson 3, Nielsen 1, Östlund 1
THW Kiel: Ekberg 6, L. Nilsson 4, Pekeler 4, Weinhold 4, Bilyk 3, Dahmke 3, Duvnjak 2, Zarabec 2, M. Landin 1, Rahmel 1, Reinkind 1, Wiencek 1
Strafminuten: 10 / 2

Nach der Pause reagierte Gislason und brachte den zunächst geschonten Spielmacher Domagoj Duvnjak. Das gab den Hausherren spürbar mehr Selbstverständnis in ihren Aktionen. Mit knapp 10.000 frenetischen Fans im Rücken traten die "Zebras" nun zielstrebiger auf. Rune Dahmke und Steffen Weinhold trafen jeweils bei Unterzahlspiel der Gäste ins leere Tor der Dänen und nach knapp 45 Minuten führte Kiel klar mit 23:18. Holstebro verlor in der Folge den Faden und auch den Mut gegen konzentriert verteidigende Schleswig-Holsteiner. So kam der THW, der in Niclas Ekberg (sechs Tore) seinen besten Werfer hatte, immer wieder zu leichten Treffern und ließ sich auf dem Weg ins EHF-Cup-Finale nicht mehr aufhalten.

Heinevetter hält - Drux trifft für Berlin

Füchse Berlin - FC Porto 24:20 (12:8)

Tore Füchse Berlin: Drux 6, Lindberg 5, Wiede 4, Elisson 3, Zachrisson 3, Koch 2, Marsenic 1´
FC Porto: Alves 6, Iturriza Alvarez 5, Rodrigues Areia 2, Sousa Martins Silva 2, Amador Salina 1, Branquinho 1, Magalhaes 1, Mbengue 1, Soares Martins 1
Strafminuten: 4 / 8

Im zweiten Halbfinale kamen die Füchse gleich gut in die Partie, lagen schnell 2:0 in Führung. Porto brauchte fast sieben Minuten, um seinen ersten Treffer zu erzielen. Aber auch der Bundesligist leistete sich gegen die massive portugiesische Deckung viele Fehlwürfe. Dass die Berliner nicht in Rückstand gerieten, hatten sie vor allem den Paraden von Keeper Silvio Heinevetter zu verdanken. Porto ließ in der ersten Hälfte gleich drei Siebenmeter ungenutzt. Nach der Pause fanden die Füchse, für die Paul Drux mit sechs Toren glänzte, mit variablem Angriffsspiel offensiv mehr Lücken. So konnten die Berliner ihre Führung halten. Kam Porto einmal bis auf zwei Tore heran, hatte der Titelverteidiger immer eine Antwort. "Wir sind sehr zufrieden und haben uns verdient für das Finale qualifiziert. Jetzt sind wir Außenseiter gegen Kiel, aber keinesfalls chancenlos", sagte Füchse-Manager Bob Hanning.

THW Kiel: Der Rekordmeister in Bildern

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 17.05.2019 | 22:40 Uhr

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