Malte Voigt (v.) vom THW Kiel im Spiel gegen die Rhein-Neckar Löwen in Aktion © picture alliance/dpa Foto:  Frank Molter

Auch dank "Picasso": THW Kiel schlägt Rhein-Neckar Löwen

Stand: 23.12.2020 19:31 Uhr

Der THW Kiel hat das Top-Spiel der Handball-Bundesliga gegen die Rhein-Neckar Löwen mit 32:23 (15:11) gewonnen und ist mit nur zwei Minuspunkten gefühlter Tabellenführer. Ein "No-Name-Linksaußen" trumpfte dabei groß auf.

von Hanno Bode

Nein, an Selbstbewusstsein mangelte es Malte Voigt wahrlich nicht. Der erst vor ein paar Tagen vom Kooperationspartner TSV Altenholz (Dritte Liga) zum THW Kiel gewechselte Linksaußen durfte wegen des verletzungsbedingten Ausfalls von Rune Dahmke sowie des Fehlens von Magnus Landin, der erst am vergangenen Montag die Corona-Quarantäne verlassen hatte, von Beginn an für den Rekordmeister auflaufen. Und in seinem zweiten Bundesliga-Einsatz für die "Zebras" trug der 27-Jährige mit vier Treffen erheblich dazu bei, dass die Hausherren zur Pause mit 15:11 führten.

Von der Not- zur Ideallösung

Erstaunlich, wie stark der aus Husum stammende Voigt in das Angriffsspiel des THW eingebunden war. Und noch erstaunlicher, wie cool die "Notlösung" vor dem Kasten war. Selbst die bösen Blicke von Löwen-Keeper Andreas Palicka nach seinem Tor zum 4:2 (8.) - er zog dem Schweden mit einem Wurf direkt über den Kopf beinahe einen Scheitel - flößten dem Linksaußen mit dem Spitznamen "Picasso" keine Angst ein. Ein schönes Bild war es trotzdem, wie Palicka versuchte, ihn einzuschüchtern.

Landin gewinnt Torwart-Duell mit Palicka

Apropos Palicka. An früherer Wirkungsstätte lieferte sich der Routinier im ersten Abschnitt ein faszinierendes Torwart-Duell mit seinem Gegenüber Niklas Landin. Letzterer hatte in den ersten 30 Minuten leichte Vorteile. Allerdings auch, weil die Mannheimer einige freie Würfe überhastet vergaben. Zudem war ihr ansonsten eigentlich immer überragender Mittelmann Andy Schmid vor der Pause kein nennenswerter Faktor. Ein Indiz für die gute Kieler Abwehrarbeit.

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THW konsequenter und variabler

Der Meister führte ziemlich schnell mit drei Treffern (6:3/11.) und hielt sein hohes Niveau bis in die Schlussphase des ersten Durchgangs. Als die Gäste dann auf 10:11 verkürzten, nahm THW-Coach Filip Jicha eine Auszeit (26.). "Bleibt cool, wir spielen gut", sagte der Tscheche und wirkte beruhigend auf seine Akteure ein. Das Ergebnis der klugen Ansprache war ein 3:0-Lauf zum 14:10.

Die Führung zur Pause war verdient, da die Hausherren besser deckten und variabler im Angriff waren als die Löwen, bei denen lediglich Kapitän Uwe Gensheimer vor dem Seitenwechsel zuverlässig traf.

THW Kiel - Rhein-Neckar Löwen 32:23 (15:11)

Tore THW Kiel: Ekberg (9/3), Reinkind (7), Voigt (7), Sagosen (5), Pekeler (2), Wiencek (1), Zarabec (1)
Rhein-Neckar Löwen: Gensheimer (7/4), Groetzki (4), Nilsson (3), Schmid (3), Petersson (2), Kirkelokke (2), Patrail (1), Ahouansou (1)

Duvnjak feiert nach Quarantäne Comeback

Die Norddeutschen hielten die Konzentration im zweiten Abschnitt hoch. Und auch physisch hinterließen sie einen erstaunlich frischen Eindruck, obwohl sie doch erst vor einer Woche aus einer 14-tägigen Quarantäne gekommen waren. Ihr Kapitän Domagoj Duvnjak war wie Magnus Landin und Pavel Horak sogar bis zum vergangenen Montag in häuslicher Isolation. Anders als die beiden Letzteren hatte er von der medizinischen Abteilung des THW aber grünes Licht für einen Einsatz gegen die Löwen erhalten und stand in Hälfte zwei ein paar Minuten auf der Platte.

THW sorgt mit Zwischenspurt für Entscheidung

Dass Jicha den Ausnahme-Handballer nicht länger auf dem Parkett benötigte, gründete auf dem Spielverlauf. Zwar konnten die Gäste den Rückstand zwischenzeitlich noch einmal auf zwei Treffer verkürzen (18:20/40.), im Anschluss setzten sich die Kieler jedoch mit einem Zwischenspurt entscheidend ab. Als der frühere Löwen-Profi Hendrik Pekeler zum 27:20 traf (51.), sanken bei dem einen oder anderen Mannheimer die Köpfe. Ihnen war spätestens jetzt klar, dass dem Rekordchampion an diesem Abend einfach nicht beizukommen war.

Auch, weil er einen Picasso in seinen Reihen hatte. Voigt kam am Ende auf beachtliche sieben Treffer. "Wir waren von der ersten Minute an bereit und hatten auf alles eine Antwort", bilanzierte THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 23.12.2020 | 19:30 Uhr

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