Stand: 24.11.2019 11:09 Uhr

Werder: Qualität schützt nicht vor Abstiegskampf

von Andreas Bellinger, NDR.de
Werder Bremens Ludwig Augustinsson am Boden © imago images/Nordphoto
Am Boden: Werder Bremen um Ludwig Augustinsson wartet seit acht Spielen auf einen Sieg.

Werder Bremen hat das Siegen verlernt - und seine Europacup-Ambitionen wohl schon verspielt. Trotz trostloser Herbstbilanz ist Trainer Florian Kohfeldt unumstritten.

Es ist ungemütlich geworden rund um das Bremer Weserstadion. Dass die Werder-Fans ihrem Zorn über den Verkauf des Stadionnamens massiv Ausdruck verleihen, mag angesichts der sportlichen Talfahrt der Grün-Weißen als Petitesse erscheinen. Dass die Anhänger nach acht sieglosen Spielen in Serie aber langsam den Glauben an ihre Mannschaft verlieren, dürfte Trainer Florian Kohfeldt mehr zu schaffen machen, als er öffentlich zuzugeben bereit ist. "Ich glaube fest an die Qualität meines Teams", sagte der Bremer Coach fast trotzig nach der neuerlichen Bauchlandung gegen Schalke 04. Nur um dann doch eine Prise Zweifel zuzulassen, denn: "Qualität schützt nicht vor Abstiegskampf."

Werder seit zehn Wochen sieglos

"Wir stellen uns einfach zu dumm an", befand Maximilian Eggestein nach der 1:2-Heimniederlage im Gespräch mit dem NDR. Tatsächlich mochte dem weiter nach seiner Form des Vorjahres suchenden Mittelfeld-Renner niemand widersprechen. Dazu war die verdiente Niederlage nach den Gegentoren durch Amine Harit (43. Minute) und Benito Raman (53.) sicherlich auch wenig angetan. Allein Schönredner fanden nach der enttäuschenden Partie einen positiven Ansatz, weil der in seiner Leistung nach wie vor verunsichert wirkende Jiri Pavlenka diesmal wenigstens keinen Treffer nach einer Standardsituation hatte kassieren müssen. Zehn Wochen ohne Sieg (zuletzt am 14. September beim 2:1 bei Union Berlin) schlagen inzwischen zu Buche - und zu null hat Werder in dieser Saison obendrein noch nicht gespielt.

Bremer Lichtblick Augustinsson

Vor ein paar Monaten hatte der ältere der beiden Eggestein-Brüder noch an die Tür zu Nationalmannschaft geklopft - davon ist er ebenso meilenweit entfernt wie Werder vom selbst gesteckten Ziel Europa. "Maxi" mag somit als Symbol für die Formschwäche einiger Stammkräfte dienen. Auf der anderen Seite darf auch nicht übersehen werden, dass die Bremer eine schwierige Phase mit etlichen Verletzten durchleben. Linksverteidiger Ludwig Augustinsson konnte am Sonnabend von der Liste gestrichen werden, feierte ein ordentliches Comeback und schürte die Hoffnung auf mehr Stabilität in der Abwehr, in der Kapitän Niklas Moisander und der mindestens bis Januar ausfallende Ömer Toprak aber weiter schmerzlich vermisst werden.

Langkamp: "Die Scheiße am Fuß"

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"Am Ende fehlt uns eben immer der Sieg", sagte Davy Klaassen. Den Abstieg habe aber keiner auf dem Zettel, versicherte der Niederländer: "Damit sind wir nicht beschäftigt." Tatsächlich ist keinem Werderaner fehlender Einsatz oder mangelhafte Einstellung anzukreiden. "Die Mannschaft lebt - und das macht mir Mut", so Kohfeldt. Die um sich greifende Verunsicherung ist dennoch nicht zu leugnen. "Wenn man die Scheiße am Fuß hat, kassiert man solche Tore", sagte Sebastian Langkamp, der Verursacher des zweiten Gegentreffers war. "Das muss ich ganz klar besser lösen."

Werder-Stürmer Pizarro fordert Veränderungen

Ein Satz der beispielhaft für allerhand Szenen an diesem zwölften Bundesliga-Spieltag gelten könnte. Nicht nur gedanklich waren die Werder-Profis zu langsam, auch die Passfolgen und das Umschaltspiel wirkten behäbig gegen die aggressiven, laufstarken und taktisch disziplinierten "Knappen". Der eingewechselte und kürzlich erblondete Claudio Pizarro ("Wir sind an einem Punkt, an dem man was verändern muss") brachte zumindest Ballsicherheit ins Spiel und bereitete das Tor von Yuya Osako (79.) vor, das aber nur einen Funken Hoffnung aufrecht erhalten konnte.

Treueschwüre für Bremens Trainer Kohfeldt

"Du musst noch enger zusammenrücken und darfst dich nicht auseinanderdividieren lassen. Wir haben uns schon aus deutlich schwierigeren Situationen befreit. Von der Geschlossenheit im Verein und drumherum haben wir immer gelebt. Es ist wichtig, jetzt nicht die Nerven zu verlieren" - die Wortwahl von Sportchef Frank Baumann hat sich nach der neuerlichen Pleite nicht verändert. Die Treue zu Kohfeldt und seinem Trainerteam offenbar ebenso wenig. Dafür steht auch Werder-Boss Marco Bode: "Wir sind von Florian absolut überzeugt", sagte der Aufsichtsratschef der "Bild". "Das Trainer-Team stellt den grundsätzlichen Weg nicht in Frage, sucht aber immer nach Möglichkeiten, besser zu werden."

Im Kader regt sich gleichfalls kein Unmut oder gar Misstrauen, so Interims-Kapitän Klaassen: "Wir halten zusammen, sind kritisch miteinander, aber unterstützen uns auch. Das ist unsere Stärke." Womöglich ist das der Garant für eine Trendwende, die vor der Jahreshauptversammlung am Montag alle herbeisehnen. Bode: "Wir sind in einer nicht ungefährlichen Situation. Ich würde jetzt aber nicht anfangen, von Abstiegskampf zu sprechen."

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Fußball und Tabelle © picture-alliance/ dpa, NDR.de/Screenshot Foto: Patrick Bernard

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 24.11.2019 | 22:50 Uhr

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