Stand: 04.02.2020 22:40 Uhr

Wunder an der Weser: Werder wirft BVB aus dem Pokal

von Christian Görtzen

Oh, wie wunderschön ist doch der DFB-Pokal! Darüber dürften sich alle Fans von Werder Bremen einig sein. Der krisengeplagte Bundesligist ist am Dienstagabend im Wettbewerb um den Gold-Pott über sich hinausgewachsen, hat ganz Großes vollbracht. Die Mannschaft von Trainer Florian Kohfeldt, an dem sich zuletzt die Kritik gemehrt hatte, gewann dank einer herausragenden Leistung im Weser-Stadion mit 3:2 (2:0) gegen den klaren Favoriten Borussia Dortmund. In Bremen schwelgen sie gerne in Erinnerungen, denken mit einem Lächeln an die großen Abende unter Flutlicht in den Pokal-Wettbewerben. Dieses DFB-Pokalspiel gehört nun jener erlesenen Auswahl an.

"Das ist ein Super-Gefühl für uns. Dieses Spiel zeigt uns, was möglich ist", sagte Werder-Angreifer Davie Selke in der Sportschau. Kohfeldt urteilte im Interview mit NDR 2: "Wir haben heute unseren Fußball gespielt, und den habe ich sehr lange hier nicht mehr gesehen. Deshalb war es so wichtig, dass wir uns belohnen."

Selke schießt Werder in Führung

Den besseren Start in die Partie hatte aber der Favorit aus dem Westen, der nach vier Minuten zur ersten guten Chance kam.

3.Spieltag, 04.02.2020 20:45 Uhr

Werder Bremen

3

Bor. Dortmund

2

Tore:

  • 1:0 Selke (16.)
  • 2:0 Bittencourt (30.)
  • 2:1 Haaland (67.)
  • 3:1 Rashica (70.)
  • 3:2 Reyna (78.)

Werder Bremen: Pavlenka - Veljkovic, Vogt, Moisander - Bittencourt, M. Eggestein, Klaassen, Friedl - Osako (89. Bartels), Rashica (90.+5 Toprak) - Selke (50. Sargent)
Bor. Dortmund: Hitz - Akanji, Hummels, Zagadou (66. Reyna) - Hakimi, Brandt, Witsel, N. Schulz - Reus (89. E. Can) - T. Hazard (46. Haaland), Sancho
Zuschauer: 41616

Weitere Daten zum Spiel

Über Achraf Hakimi auf der rechten Außenbahn lief der Angriff. Den vom Marokkaner in den Strafraum hineingeschlagenen Ball spitzelte Werder-Verteidiger Kevin Vogt in höchster Not vor dem einschussbereiten Marco Reus ins Toraus. Die Antwort der auf Konter setzenden Grün-Weißen ließ nicht lange auf sich warten, und sie konnte sich sehen lassen. Nach einer weiten Flanke von Leonardo Bittencourt legte Yuya Osako das Spielgerät auf Winter-Zugang Selke ab, der allerdings mit dem Rücken zum Tor stand. Der anschließende Schuss von Maximilian Eggestein wurde geblockt, Davy Klaasen drosch die Kugel dann über das BVB-Tor (11.).

Wenig später war das Pokal-Gefühl im Weser-Stadion vollends hergestellt - der Außenseiter ging in Führung. Milot Rashicas Flachschuss wehrte BVB-Keeper Marwin Hitz nach vorne ab. Selke sagte "Danke" und schoss den Ball zum 1:0 (16.) ein. Gewaltiger Jubel brandete auf. Kurz darauf auf der anderen Seite: Marco Friedl rettete vor der Torlinie, den Fallrückzieher von Mats Hummels parierte Bremens Keeper Jiri Pavlenka prächtig.

Traumtor! Bittencourt erhöht für Bremen

Es war längst ein atemberaubendes Pokalspiel - in der 30. Minute im wahrsten Sinne des Wortes. Aus halbrechter Position jagte Bittencourt den Ball unhaltbar in den linken oberen Torwinkel. Ein Traumtor zum 2:0! Es hätte aus Sicht der Bremer sogar noch unwirklicher kommen können. Selke hatte das 3:0 auf dem Fuß. Er scheiterte an Hitz (43.). Kurz darauf gingen die Werder-Spieler unter lautstarkem Beifall in die Kabine.

BVB verkürzt - doch Werder schlägt zurück

BVB-Trainer Lucien Favre reagierte während der Pause.

Er brachte den norwegischen Senkrechtstarter Erling Haaland (sieben Tore in seinen ersten drei Bundesligaspielen) für Thorgan Hazard. Bei Werder kam kurz nach Wiederanpfiff Joshua Sargent für Selke, der sich offensichtlich am Oberschenkel verletzt hatte. Dortmund kam, drängte - und verkürzte. Haaland drückte einen Lupfer von Julian Brandt über Pavlenka zum 1:2 (67.) über die Torlinie. Jadon Sancho hätte beinahe nur Sekunden später das 2:2 nachgelegt, doch Pavlenka wehrte den Schuss ab. Taumelte Werder nun? Nein! Der Abstiegskandidat schlug in starker Manier zurück: Rashica setzte sich auf der rechten Außenbahn durch, zog flach ab und traf ins linke Eck zum 3:1 (70.).

Moisander knapp vor Roter Karte

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Bremens Niklas Moisander (l).) stößt Dortmunds Giovanni Reyna zu Boden und sieht nur Gelb.

War es das schon zugunsten der Norddeutschen? Nochmals nein! Die Westfalen gaben nicht auf, und Traumtore können sie auch. Der erst 17 Jahre alte Giovanni Reyna schlenzte den Ball von der Strafraumlinie herrlich zum 2:3 (78.) in den rechten oberen Torwinkel. Bremens Verteidiger Niklas Moisander hatte wenig später großes Glück, dass er nicht die Rote Karte dafür sah, dass er Reyna am Kragen packte. Dortmund drängte weiter mit Macht auf den Ausgleich. Pavlenka packte sich den Schuss von Reus (87.), wehrte auch den Kopfball von Haaland (90.+3) ab. Alle Bremer sehnten den Schlusspfiff herbei. Und der ertönte dann auch - gefolgt von "Oh, wie ist das schön"-Gesängen der Bremer Anhänger.

Werder hatte es erneut geschafft gegen Dortmund. Vor Jahresfrist war im Achtelfinale beim BVB ein 7:5-Sieg nach Elfmeterschießen bei der Borussia gelungen. Der aktuelle Erfolg ist aber höher einzustufen, da die Grün-Weißen im Februar 2019 in der Bundesliga eine weitaus bessere Rolle spielten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 04.02.2020 | 20:00 Uhr