Das Stadion von Eintracht Braunschweig. © picture alliance/Sielski-Press Foto: Joachim Sielski

Rücklagen fast weg - Braunschweig macht 2,3 Millionen Euro Verlust

Stand: 13.11.2020 23:14 Uhr

Die Profi-Abteilung von Eintracht Braunschweig geht finanziell an die Grenzen, im kommenden Jahr sind die Reserven aufgebraucht. Mit Christoph Bratmann führt die "Löwen" ein neuer Präsident durch schwierige Zeiten.

"Seit Beginn der Corona-Pandemie stehen wir vor großen Herausforderungen, auf die wir uns in noch höherem Maße im laufenden Geschäftsjahr vorbereiten müssen", sagte Vizepräsident Rainer Cech, der im Verein für die Finanzen zuständig ist. 2,3 Millionen Euro beträgt der Verlust der Profifußball-Abteilung, die eine Tochter des Vereins ist, für das abgelaufene Geschäftsjahr.

"Die noch vorhandenen Reserven sind am Ende der Spielzeit aufgebraucht." BTSV-Vizepräsident Rainer Cech

Auch wenn sich der Club dank des Aufstiegs "in einem stark verbesserten wirtschaftlichen Umfeld" bewege, werde aufgrund der Pandemie-Auswirkungen auch nach dieser Saison ein deutliches Minus stehen. Bei der Mitgliederversammlung am Freitagabend bezifferte Cech die Corona-bedingten Ausfälle für das neue Geschäftsjahr auf rund vier Millionen Euro.

Vor zwei Jahren hatte die Eintracht das Geschäftsjahr, das mit dem Zweitliga-Abstieg endete, noch mit einem Gewinn von 2,7 Millionen Euro und einem Eigenkapital von 7,6 Millionen Euro abgeschlossen. Doch schon in ihrer ersten Drittliga-Saison machten die Braunschweiger einen Verlust von 4,4 Millionen. Nach der laufenden Saison sind die Rücklagen aufgebraucht.

Ziel Klassenerhalt - "Löwen" wollen sich wieder "anfetten"

Cech betonte, dass der Verbleib in der Zweiten Liga deshalb nun "von großer Bedeutung" sei. Mit acht Punkten aus den ersten sieben Saisonspielen belegen die Zweitliga-Fußballer von Trainer Daniel Meyer aktuell Tabellenplatz 14. Der Trend ist nach dem ersten Heimsieg (3:2 gegen Nürnberg) und dem Last-Minute-Ausgleich in Sandhausen (2:2) positiv.

"Wir sind gekommen, um zu bleiben", sagte der neue Präsident Christoph Bratmann bei der virtuellen Mitgliederversammlung. Über allem stehe das Ziel Klassenerhalt. Danach könnte sich der BTSV wieder "anfetten und neue Rücklagen schaffen".

Bratmann zum neuen Präsidenten gewählt

Christoph Bratmann von Eintracht Braunschweig © imago images/Huebner Foto: Susanne Huebner
Christoph Bratmann ist der neue Präsident des BTSV.

Bratmann hatte sich bei der Jahreshauptversammlung als einziger Kandidat um die Nachfolge des langjährigen Präsidenten und Aufsichtsratsvorsitzenden Sebastian Ebel, der im Juli zurückgetreten war, beworben. 394 Mitglieder stimmten für den 51-Jährigen, 17 gegen ihn, acht enthielten sich. Bratmann ist allerdings auf eigenen Wunsch zunächst nur für ein Jahr Vereinspräsident, weil er diesen Zeitraum "ganz gut überblicken kann". Er wolle sich aber auf jeden Fall auch darüber hinaus bei den Braunschweigern engagieren - in welcher Rolle auch immer.

Die nun vakante Stelle des ersten Vizepräsidenten soll schon vor der nächsten Mitgliederversammlung besetzt werden. Der neue Präsident berichtete von guten Gesprächen mit einem Kandidaten oder einer Kandidatin - auch mit Blick darauf, schon seine Nachfolge in die Wege zu leiten.

SPD-Politiker und "Einträchtler durch und durch"

Bratmann ist Berufspolitiker und sitzt für die SPD im Landtag. Nach eigener Aussage fiebert er bereits seit 40 Jahren mit dem BTSV mit: "Ich bin Einträchtler durch und durch." In seiner Rede kündigte er an, Tradition und Moderne in Einklang bringen zu wollen. Es gehe weder ohne die Fans noch ohne Sponsoren. Den Einstieg eines Investors werde es unter ihm nicht geben. Nach dem Aus von Ebel hatte Bratmann dem Verein als erster Vizepräsident bereits als kommissarischer Präsident vorgestanden.

Ehrenpräsident Ebel appelliert an alle "Löwen"

"Wir haben immer dann Erfolg gehabt, wenn alle, die Verantwortung getragen haben, ganz eng zusammenstanden. Das ist auch das, was ich mir für die Zukunft wünsche", hatte Ebel, der mittlerweile Ehrenpräsident ist, bei der Versammlung vor der Wahl Bratmanns gesagt und bezog auch die Fans mit ein, als er betonte: "Es ist wichtig, dass die Tradition und die Werte, die unseren Verein ausmachen, nicht nur nach außen verkündet, sondern auch gelebt werden. Der Name Eintracht gibt da schon einiges vor."

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Doch die Spannungen zwischen Teilen der Fanszene und Teilen der Clubführung wurden wenig später noch einmal deutlich. Die hatten im Vorfeld bereits dazu geführt, dass sich der lange als Favorit für das Präsidentenamt gehandelte Unternehmer Helmut Streiff nach Protesten aus dem Fanlager gar nicht erst zur Wahl stellte. Einem Vorstandsmitglied und mehreren Aufsichtsräten wurde zudem bei der Versammlung die Entlastung versagt.

Fans erhalten mehr Mitsprachrecht - aber wann?

Feststeht, dass die Club-Anhänger künftig mehr Mitspracherecht erhalten werden. Ein entsprechender Antrag wurde mit 307 Stimmen angenommen. Bei der nächsten satzungsgemäßen Aufsichtsratswahl sollen die Fans demnach einen Vertreter im Gremium erhalten. Sie hoffen allerdings, das dies schon früher in die Tat umgesetzt wird.

Außerdem startet wohl Anfang Dezember ein neues Format. Bei einer virtuellen Fanversammlung sollen die Interessierten zunächst die Möglichkeit erhalten, der Sportlichen Leitung Fragen zu stellen. Weitere Gespräche sollen folgen, zum Beispiel mit dem Geschäftsführer Finanzen oder dem Präsidium. Bratmann setzt auf Kommunikation, will "einen guten Dialog anbringen" und insgesamt "eine Atmosphäre schaffen, in der alle gut arbeiten können".

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 13.11.2020 | 23:03 Uhr

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