Stand: 23.03.2019 20:24 Uhr

Rassismus beim Länderspiel? Polizei vernimmt drei Männer

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Sollen während des Länderspiels in Wolfsburg rassistisch beleidigt worden sein: die Nationalspieler Leroy Sané (r.) und Ilkay Gündogan.

Nach den mutmaßlich rassistischen Äußerungen von Zuschauern während des Fußball-Länderspiels der deutschen Nationalmannschaft gegen Serbien haben sich drei Männer bei der Polizei in Wolfsburg gemeldet. Sie hätten sich in einer ersten Vernehmung zu den Vorwürfen geäußert, teilte ein Polizeisprecher am Freitag mit. Zum Inhalt wollte er mit Blick auf das laufende Verfahren keine Stellung beziehen. Die Polizei werde weitere Ermittlungen anstrengen und den Vorgang voraussichtlich Anfang kommender Woche an die Staatsanwaltschaft Braunschweig abgeben, kündigte er an.

Verdacht der Volksverhetzung

Die Ermittlungen seien wegen des Verdachts der Volksverhetzung eingeleitet worden, nachdem es mehrere Hinweise unter anderem vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) gegeben habe, sagte Polizeisprecher Thomas Figge. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, könnten sogar Haftstrafen drohen. Wegen des Vorfalls hat die Polizei auch den Journalisten André Voigt als Zeugen vorgeladen. "Er ist als Zeuge geführt und soll entsprechend aussagen", sagte Figge dazu.

"Bis hin zu Äußerungen wie 'Heil Hitler'"

Zuvor hatte Voigt auf Facebook ein Video veröffentlicht, in dem er von verbalen Ausfällen von drei Zuschauern während des Spiels am Mittwochabend in Wolfsburg berichtet hatte. So seien die deutschen Nationalspieler Leroy Sané und Ilkay Gündogan rassistisch beleidigt worden, hatte Voigt berichtet. Er ist Chefredakteur des Basketball-Magazins "Five", war aber privat im Stadion.

"Die drei haben zuerst die ganze Zeit über Löw, die Spieler und das Stadion hergezogen. In der zweiten Halbzeit ging es dann mit rassistischen Beleidigungen gegen Sané und Gündogan weiter, drei-, vier-, fünfmal, immer wieder", sagte Voigt. Der 45-Jährige stellte die Fans zur Rede: "Aber auch danach ging es immer weiter, bis hin zu Äußerungen wie "Heil Hitler". Was mich schockiert hat, dass ansonsten niemand im Block etwas dagegen gesagt hat, sondern es auch noch Bestätigung für die drei gab", schilderte Voigt die Situation.

DFB verurteilt den Vorfall "aufs Schärfste"

Der DFB verurteilte den Vorfall "aufs Schärfste". Verbandschef Reinhard Grindel sagte am Donnerstagabend bei einer Podiumsdiskussion in Frankfurt: "Das hat mich sehr betroffen gemacht. Kein Spieler darf diskriminiert werden. Wir als DFB werden jedem, der das tut, die Rote Karte zeigen."

Goretzka: "Fremdenfeindlichkeit hat keinen Platz im Stadion"

Am Freitag legte Nationalspieler Leon Goretzka auf der offiziellen Pressekonferenz vor dem Länderspiel gegen die Niederlande nach. "Fremdenfeindlichkeit hat keinen Platz im Stadion und in der Gesellschaft. Ich komme aus dem Ruhrpott, wo man auf die Frage der Nationalität mit Schalke, Dortmund oder Bochum antwortet. Für uns ist Integration kein Thema, sondern Selbstverständlichkeit", sagte der 24 Jahre alte Profi des FC Bayern München. "Ich kann nur alle aufrufen, mit viel Mut dagegen vorzugehen und solche Leute in die Schranken zu weisen", appelierte Goretzka. "Ich habe mir das Video auch angeschaut." Es habe ihn "bewegt" und "entsetzt". Die Nationalmannschaft stehe für Vielfalt. Teamkollege Marco Reus (Borussia Dortmund) verurteilte die verbalen Übergriffe ebenfalls: "Das ist eine Sache, die absolut nicht geht."

"Kommt einiges an Hass, aber das positive Feedback überwiegt"

"Ich bin gespannt, wie es ausgeht. Ich weiß, dass es auch unangenehm für mich werden kann durch die ganzen Reaktionen von Rechten, aber wenn ich aufstehe, muss ich auch den Kopf dafür hinhalten", sagte Voigt, der nach Anfeindungen auch gegenüber seiner Familie das Video offline gestellt hat. "Es kommt auch einiges an Hass, aber das positive Feedback überwiegt."

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 21.03.2019 | 17:25 Uhr