Ewald Lienen sitzt auf einer Bank. © Imago Images

Rassismus-Eklat um Lehmann: Lienen mahnt zu Verhältnismäßigkeit

Stand: 06.05.2021 18:28 Uhr

Ewald Lienen hat nach dem Rassismus-Eklat um Jens Lehmann die Äußerungen des Ex-Nationalkeepers verurteilt - aber auch, wie die Gesellschaft mit persönlichen Fehlern umgeht. Er mahnte zu mehr Verhältnismäßigkeit bei der Beurteilung.

"Natürlich geht sowas nicht, auch nicht im Scherz. Aber wir schießen in meinen Augen in der Beurteilung von Menschen völlig übers Ziel hinaus", sagte der 67-Jährige im NDR 2-Bundesligashow-Podcast. "Die heutige Medienwelt ist sehr offen und vergisst nichts. Wenn einer etwas sagt, der in der Öffentlichkeit steht, der wird abrasiert bis zum Gehtnichtmehr."

"Wir verurteilen Menschen auf eine Art und Weise, das ist nicht mehr feierlich." Ewald Lienen

Lehmann hatte zuvor mit einer rassistischen Nachricht an den ehemaligen Fußball-Profi Dennis Aogo für große Empörung gesorgt und daraufhin seinen Posten als Aufsichtsrat beim Berliner Bundesligisten Hertha BSC verloren. Der 51-Jährige hatte per WhatsApp an Aogo geschrieben "Ist Dennis eigentlich euer quotenschwarzer?" und den Satz mit einem Lach-Smiley versehen.

Jens Lehmann © picture alliance / U. Hufnagel | Ulrich Hufnagel
Nicht mehr Aufsichtsrat bei Hertha BSC: Jens Lehmann.

Aogo, der für den Sender Sky am Dienstagabend als Experte bei der Champions League im Einsatz gewesen war, hatte einen Screenshot der Nachricht bei Instagram Story veröffentlicht und ihn mit dem Kommentar versehen: "WOW dein Ernst? @jenslehmannofficial Die Nachricht war wohl nicht an mich gedacht!!!"

Lehmann vermeldete daraufhin per Twitter, sich bei Aogo entschuldigt zu haben. Als ehemaliger Nationalspieler sei Aogo "sehr fachkundig und hat eine tolle Präsenz und bringt bei Sky Quote". Für diesen Beitrag erntete Lehmann bei Twitter weitere scharfe Kritik. An wen die Nachricht, die offensichtlich nicht an Aogo gehen sollte, eigentlich gerichtet war, erklärte der ehemalige Weltklasse-Keeper nicht.

Das Titelbild des NDR 2 Bundesligashow-Podcasts © istockphoto Foto: Aksonov
AUDIO: NDR 2-Bundesligashow-Podcast mit Ewald Lienen (57 Min)

Lienen wünscht sich tiefergehende Auseinandersetzung

"Wenn so etwas passiert, dann steigen wir auf die Barrikaden. Für mich ist Alltagsrassimus aber etwas anderes, als nur auf Sprache zu achten", so Lienen. Der Marken- und Wertebotschafter des FC St. Pauli wünscht sich generell eine weniger oberflächliche, sondern tiefergehende Auseinandersetzung mit gesellschaftsrelevanten Fragen: "Mir fehlt dann oft dieser stringente Kampf und die Arbeit daran, dass sich das in der Gesellschaft ändert. Was nützt es, wenn ich genderkonform rede, aber ansonsten die Leute nach wie vor benachteilige?"

Lehmann entschuldigt sich "von ganzem Herzen"

Lehmann bat am Donnerstag noch einmal um Entschuldigung. "Wer mich kennt, weiß, dass diese Formulierung eine nicht ernst gemeinte, unüberlegte Dummheit war, die nicht das Geringste mit meiner persönlichen Einstellung zu tun hat. Man darf solche Sprüche nicht machen, sonst werden sie gesellschaftsfähig", schrieb Lehmann bei Twitter. Es sei ihm "sehr wichtig", dies klarzustellen. "Ich möchte mich dafür noch einmal von ganzem Herzen entschuldigen, ich bedauere meine Äußerung zutiefst und bitte jeden um Verzeihung, der sich dadurch verletzt gefühlt hat."

Aogo vorerst kein Sky-Experte mehr

Aogo legte nach einer verbalen Entgleisung seinerseits am Donnerstag sein Amt als Sky-Experte vorerst nieder. "Dennis Aogo hat sich entschieden, seine Expertentätigkeit bei Sky vorerst ruhen zu lassen. Dies halten wir für richtig", hieß es in einer Mitteilung des TV-Senders. Der 34-Jährige hatte schon zuvor bedauert, dass er am Dienstagabend bei der Analyse des Champions-League-Halbfinalspiels Manchester City gegen Paris Saint-Germain den Ausdruck "Trainieren bis zum Vergasen" gebraucht hatte.

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Bundesligashow | 06.05.2021 | 06:00 Uhr

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