Stand: 20.03.2019 15:08 Uhr

Hannover 96: Vorstand gibt Mitgliederdaten heraus

Gegen 96-Präsident Martin Kind war ein Zwangsgeld verhängt worden.

Im Streit mit der vereinsinternen Opposition "Interessengemeinschaft Pro Verein 1896" um die Herausgabe von Mitgliederdaten ist der Vorstand von Fußball-Bundesligist Hannover 96 von seiner bisherigen Linie abgerückt. "Zur Vermeidung eines Zwangsgeldes - und damit beträchtlicher Kosten, die auf den Verein zukämen - ist der Vorstand von Hannover 96 e.V. leider gezwungen, die Daten aller seiner zirka 23.000 Mitglieder an drei einzelne Mitglieder herauszugeben", erklärte das Präsidum am Donnerstag in einer Pressemitteilung.

Das Amtsgericht Hannover hatte zuvor ein Zwangsgeld von 25.000 Euro gegen Clubchef Martin Kind verhängt, da sich der Vorstand geweigert hatte, "Pro Verein" ein Mitgliederverzeichnis auszuhändigen. Die Interessenvereinigung wolle nach eigener Aussage die Liste nutzen, um den Vereinsmitgliedern vor der Sitzung am 23. März ihre Position mitzuteilen. Kind und die Gruppe streiten seit Langem über die Ausrichtung von Hannover 96.

Vorstand verweist auf Datenschutz

Stichwort 50+1

Durch die sogenannte 50+1-Regel wird bislang verhindert, dass Investoren mehr als 50 Prozent der Anteile an einem Fußball-Club erwerben können. In anderen Ligen - zum Beispiel in England - gibt es eine solche Regelung nicht. Besonders Hannovers langjähriger Clubpräsident Martin Kind macht sich dafür stark, die Regel zu kippen, um die "Kapitalsituation der Clubs zu verbessern". Die Regelung wurde bisher beibehalten, steht aber permanent in der Diskussion. Befürworter der Regelung kritisieren, dass beim Wegfall der Markt für ausländische Investoren geöffnet werden könnte, die kein sportliches Interesse an einem deutschen Bundesliga-Club haben.

Für das Präsidium, so heißt es weiter, sei das Urteil des Amtsgerichts "insbesondere mit Blick auf die Datenschutzgrundverordnung, in keiner Weise nachvollziehbar. Deshalb hat der Vorstand im Einvernehmen mit allen 17 Abteilungsleitern beschlossen, sämtliche zur Verfügung stehenden Rechtsmittel zu ergreifen, um die ungeschützte Herausgabe der Daten zu verhindern. Den Verein haben zudem Hunderte von Mails von Mitgliedern erreicht, die mit Vereinsaustritt und Klage gedroht haben, wenn ihre Daten an andere Mitglieder, die sie nicht kennen, herausgegeben werden sollten. 96 hat deshalb Berufung gegen das Urteil des Amtsgerichts Hannover eingelegt, über die vom Landgericht Hannover bislang noch nicht rechtkräftig entschieden worden ist."

"Sämtliche Rechtsmittel erschöpft"

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Auch die vom Verein eingeschaltete Datenschutzbehörde des Landes Niedersachsen sei zu dem unmissverständlichen Schluss gekommen, dass bei Vereinen mit einer sehr hohen Mitgliederzahl die Einbeziehung eines neutralen Treuhänders „nicht nur geboten, sondern zwingend erforderlich“ sei, heißt es in der Erklärung. "Bedauerlicherweise hat das Amtsgericht Hannover keinerlei Wert auf die Meinung der Datenschutzbehörde Niedersachsen gelegt. Mittlerweile sind auch sämtliche Rechtsmittel gegen die Vollstreckungsmaßnahmen erschöpft. Deshalb ist der Verein nun gezwungen, die Daten aller seiner Mitglieder an die drei Antragsteller herauszugeben, obwohl noch keine endgültige rechtskräftige Gerichtsentscheidung des Landgerichtes Hannover darüber vorliegt", heißt es weiter in dem Schreiben.

Opposition will 50+1-Regel erhalten

Die "Interessengemeinschaft Pro Verein 1896" stört sich besonders an den Plänen von Martin Kind, die endgültige Kontrolle über die bereits 1999 ausgegliederte Profifußball-Gesellschaft zu übernehmen und dafür eine Ausnahmegenehmigung von der 50+1-Regel im deutschen Fußball zu erhalten. "Pro Verein" will das verhindern, um den Einfluss externer Investoren zu begrenzen.

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Sport aktuell | 20.03.2019 | 15:25 Uhr

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