Braunschweigs Ermin Bičakčić (m.) jubelt nach Abpiff. © picture alliance Foto: Swen Pförtner

Drama im Kellerduell: Braunschweiger Last-Minute-Sieg gegen Osnabrück

Stand: 11.11.2023 15:13 Uhr

Eintracht Braunschweig hat im ersten Spiel unter dem neuen Trainer Daniel Scherning den erhofften Sieg geschafft. Ermin Bicakcic traf am Sonnabend in der achten Minute der Nachspielzeit zum 3:2 (1:1)-Erfolg gegen den VfL Osnabrück.

von Johannes Freytag

Doch ob das Tor zählen würde, war lange offen. Die Spieler standen auf dem Platz herum, einige umringten Schiedsrichter Florian Lechner, der sich mit den Kollegen im Videokeller beriet. Trainer, Betreuer, Fans - niemand wusste zu dem Zeitpunkt, wie die Entscheidung ausfallen würde. Dann - nach endlos langen sechs Minuten - brandete der Jubel im Eintracht-Stadion auf - Bicakcic hatte nicht im Abseits gestanden und durfte sich als Siegtorschütze feiern lassen.

"Man muss wirklich bis zum Ende daran glauben. Dann wirfst du alles nach vorne und hoffst, dass dir der Ball vor die Füße springt." BTSV-Siegtorschütze Ermin Bicakcic

"Das waren Emotionen wie in der Achterbahn. Erst der Schock, so spät noch das 2:2 kassiert zu haben, dann der Torjubel und dann das ganze Gewarte. Aber letztlich ist der Sieg verdient", sagte Braunschweigs Geburtstagskind Anton Donkor, der zunächst zum 2:1 getroffen, dann aber den Handelfmeter zum Osnabrücker Ausgleich verursacht hatte: "Ja, für mein Gefühl war die Hand vielleicht etwas zu weit draußen, aber den Ball habe ich nicht gesehen."

Braunschweigs Anton Donkor ist enttäuscht. © IMAGO / RHR-Foto
AUDIO: Donkor: "Wurde Zeit, dass wir uns belohnen" (1 Min)

Osnabrücks Erik Engelhardt war hingegen bedient: "Unfassbar, es fühlt sich an wie ein Déjà-Vu", erkärte der VfL-Angreifer mit Blick auf das 1:1 vergangene Woche gegen Holstein Kiel, bei dem die Niedersachsen ebenfalls in der Nachspielzeit den Gegentreffer kassiert hatten. "Keine Ahnung, woran es liegt, wir kommen zu zehnt noch einmal zurück und kriegen am Ende so ein 'Kacktor'. Das macht einen sauer, wütend und traurig."

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VfL im Pech: Gegentor kurz nach Beermann-Verletzung

So bitter, wie sie endete, hatte die Partie auch für den VfL begonnen: Kapitän Timo Beermann verletzte sich bei einem Laufduell ohne gegnerische Einwirkung und humpelte vom Platz (9.). Maxwell Gyamfi kam für den Innenverteidiger ins Spiel - und war mit seiner ersten Aktion mitverantwortlich dafür, dass die Gäste in Rückstand gerieten: Nach einer Hereingabe von Robin Krauße stand der 23-Jährige falsch, Gegenspieler Johan Gomez traf zum 1:0 für Braunschweig (11.).

Braunschweigs Ermin Bičakčić (l.) im Zweikampf mit Osnabrücks Erik Engelhardt © picture alliance Foto: Swen Pförtner
AUDIO: Osnabrücks Engelhardt: "Sauer, wütend, traurig" (1 Min)

Eine verdiente Führung, weil die Hausherren die aktivere Mannschaft waren, Osnabrück gelang offensiv lange nichts. Es dauerte fast eine halbe Stunde, ehe der VfL erstmals im Braunschweiger Strafraum vorstellig wurde, ohne dabei aber wirklich Torgefahr auszustrahlen.

Turbulente Schlussphase der ersten Spielhälfte

Kurz vor der Pause setzte Braunschweigs Krauße einen Kopfball freistehend neben den Pfosten (45.) - das hätte das 2:0 sein müssen. Stattdessen stand es dann aber plötzlich 1:1. Torwart Ron-Thorben Hoffmann lief dem Osnabrücker Florian Kleinhansl in die Hacken, Schiedsrichter Lechner zeigte auf den Elfmeterpunkt, der VAR bestätigte die Entscheidung. Michaël Cuisance verwandelte mit dem ersten VfL-Torschuss sicher zum Ausgleich (45.+4).

Noch vor dem Pausenpfiff hätten die Gastgeber zweimal wieder in Führung gehen können, doch erst grätschte Florian Krüger an einer Gomez-Hereingabe knapp vorbei (45.+6), dann scheiterte Gomez im Eins-gegen-Eins an Osnabrücks Torhüter Lennart Grill (45.+8).

Gelb-Rot für Osnabrücks Cuisance

Auch im zweiten Durchgang waren die Gastgeber die spielbestimmende Mannschaft - und nach gut einer Stunde auch ein Mann mehr auf dem Platz. Nach einem Foulspiel im Mittelfeld wollte Braunschweigs Fabio Kaufmann den Freistoß schnell ausführen, schoss dabei den nur zwei Meter entfernt befindlichen, aber zurückweichenden Cuisance an: Schiedsrichter Lechner sah eine absichtliche Ball-Block-Aktion des VfL-Profis und zeigte dem Franzosen Gelb-Rot (60.). Eine harte Entscheidung.

In Überzahl drängten die Blau-Gelben nun auf den Sieg - und belohnten sich in der 71. Minute mit dem erneuten Führungstreffer: Gomez' feinen Hackenschuss nach Hereingabe von Marvin Rittmüller konnte Grill noch parieren, allerdings direkt vor die Füße von Donkor, der zum 2:1 einschob.

Umstrittener Handelfmeter für den VfL

Alles deutete nun auf einen Heimerfolg für den BTSV hin, doch Osnabrück meldete sich erneut zurück - wieder durch einen Elfmeter: Donkor bekam aus kurzer Distanz von hinten den Ball an den Arm geköpft, nach Studium der Videobilder entschied Lechner auf Strafstoß. Eine pingelige Entscheidung, denn Donkor befand sich im Sprung und hatte den Ball überhaupt nicht gesehen.

Engelhardt blieb von der langen Überprüfung ungerührt und verwandelte eiskalt zum 2:2 (87.). Es reichte für den VfL aber trotzdem nicht zum Punktgewinn, weil Bicakcic in der Nachspielzeit im Gewühl den Fuß hinhielt und zum umjubelten 3:2 traf.

13.Spieltag, 11.11.2023 13:00 Uhr

Braunschweig

3

VfL Osnabrück

2

Tore:

  • 1:0 Gómez (11.)
  • 1:1 Cuisance (45. +4, Foulelfmeter)
  • 2:1 Donkor (71.)
  • 2:2 E. Engelhardt (87., Handelfmeter)
  • 3:2 Bicakcic (90. +8)

Braunschweig: R.-T. Hoffmann - Ivanov (41. Griesbeck), Decarli, Bicakcic - Rittmüller (88. Marx), Krauße, Helgason (65. Wiebe), Donkor - F. Kaufmann (88. S. Sané), Gómez - F. Krüger (65. Ihorst)
VfL Osnabrück: Grill - Diakhite (58. Thalhammer), Beermann (10. Gyamfi), Wiemann - Ajdini, Gnaase (80. Kehl), Tesche (80. L. Kunze), Kleinhansl - Cuisance - Wriedt (58. Verhoek), E. Engelhardt
Zuschauer: 20378

Weitere Daten zum Spiel

Dieses Thema im Programm:

Die NDR 2 Bundesligashow | 11.11.2023 | 13:00 Uhr

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