Marc Heider vom VfL Osnabrück bejubelt vor einigen Fans den 3:2-Sieg gegen den Hamburger SV © picture alliance/dpa Foto: Friso Gentsch

Eine treue Seele als Trumpf: Osnabrück hofft erneut auf Heider

Stand: 19.05.2021 12:40 Uhr

Der VfL Osnabrück geht nach dem 3:2 gegen den Hamburger SV optimistisch in das Zweitliga-Saisonfinale am Sonntag bei Erzgebirge Aue. Hoffnungsträger des Tabellen-16. ist dabei auch ein Mann, der viele Wochen lang nur auf der Bank oder Tribüne saß: Marc Heider.

Als sich der freudetrunkene Osnabrücker Mannschaftskreis nach dem Überraschungssieg gegen den HSV aufgelöst und er dem NDR ein Interview gegeben hatte, zog es den Angreifer sofort zu den verschlossenen Eingängen des Stadions an der Bremer Brücke. Dort hatten sich viele VfL-Anhänger versammelt, um ihrem Team trotz Corona-bedingten Einlass-Verbots zumindest ein wenig nah sein zu können. Und als Heider nun am Zaun auftauchte und die Fäuste ballte, wurde es besonders laut.

Der gebürtige US-Amerikaner wurde nicht nur wegen seines Siegtores gegen die Hanseaten ausufernd gefeiert, sondern weil er eine echte Identifikationsfigur bei einem Club ist, der nahezu jährlich aus finanziellen Gründen große personelle Umbrüche vornehmen muss.

Vom Aufstiegsheld zum Teilzeitarbeiter

Heider, der zwei Tage nach dem HSV-Coup am Dienstag seinen 35. Geburtstag feierte, wurde beim VfL ausgebildet und machte dort seine ersten Schritte im Profifußball. Nach Stationen bei Werder Bremen II und Holstein Kiel kehrte er 2016 zu den Lila-Weißen zurück. Als Kapitän führte "Heidi", wie er von seinen Teamkameraden gerufen wird, den Verein vor zwei Jahren zur Drittliga-Meisterschaft und dem Aufstieg. Viele Spieler kamen und gingen seitdem beim VfL - der Angreifer blieb. Und dass, obwohl seine Startelf-Einsätze immer weniger wurden.

In der Vorsaison waren es noch 17, in der aktuellen Runde kommt der Routinier vor dem Saisonfinale am Sonntag in Aue (15.30 Uhr, im Livecenter bei NDR.de) lediglich auf fünf Partien von Beginn an.

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Unter Coach Grote lange außen vor

Einen besonders schweren Stand hatte Heider unter Coach Marco Grote, der Aufstiegs-Trainer Daniel Thioune im vergangenen Sommer beerbt hatte und inzwischen von Markus Feldhoff abgelöst wurde. Wochenlang stand der Stürmer in der Hinrunde nicht im Kader. Ein böses Wort oder unterschwellige Kritik waren dennoch nicht aus seinem Mund zu hören. Er stellte seine eigenen Interessen zum Wohle der Lila-Weißen in den Hintergrund. "Ich persönlich habe immer den Glauben an die Mannschaft und mich selbst. Für den VfL gehe ich jeden Meter", sagte Heider nach dem Sieg gegen den HSV dem NDR. Das klang ziemlich pathetisch. Aber im Falle von Heider auch sehr ehrlich.

Denn dass sein Verhältnis zum Traditionsclub ein ganz besonderes ist, lässt sich auch an seinen Instagram-Einträgen ablesen. "Auch wenn es heute in Gelb war! Genau da, wo mein Finger ist, fließt lila-weißes Blut", schrieb der Stürmer am vergangenen Sonntag zu einem Bild, das ihn beim Torjubel zeigt.

Heiders Tor eröffnet VfL neue Perspektiven

Heider hatte zuvor gegen den HSV mit einem eigentlich verunglückten Schuss vier Minuten vor Ultimo das 3:2 erzielt. Es war sein vierter Saisontreffer. Und vielleicht eines der wichtigsten Tore in seiner Karriere. Denn durch den Erfolg verdrängte der VfL den Niedersachsen-Rivalen Eintracht Braunschweig von Rang 16 und hat es nun wieder in den eigenen Händen, den Abstieg zu vermeiden - entweder direkt oder in der Relegation. "Das Tor war unbeschreiblich wichtig für das letzte Spiel", sagte Heider und ergänzte seinem Naturell entsprechend bescheiden: "Für mich ist es immer unbedeutend, wer das Tor macht. Die drei Punkte brauchten wir unbedingt."

Osnabrücker Erfolgsgeheimnis: In Gelb statt Lila-Weiß

Dank Heider und eines psychologischen Kniffs beendete Osnabrück seine Horror-Serie von 13 verlorenen Heimspielen in Folge. Denn statt wie üblich zu Hause in Lila-Weiß, trat der VfL gegen die Hamburger in seinen gelben Auswärtstriktos an. "Ich denke, das hat sich ausgezahlt. Wenn wir damit die Punkte holen, dann soll es mir recht sein", sagte Heider. Am Sonntag in Aue, das bekanntlich in Lila aufläuft, werden die Niedersachsen erneut in Gelb spielen. Und sollten sie selbst ihre "Hausaufgaben erledigen" (Keeper Philipp Kühn) und entweder der SV Sandhausen oder Jahn Regensburg gleichzeitig patzen, könnten die Osnabrücker sogar den direkten Klassenerhalt feiern.

Vertrag von VfL-Ikone läuft aus

Es wäre nach einer wechselhaften Saison mit einem anfänglichen Hoch - der VfL rangierte zwischenzeitlich auf Platz zwei - sowie einem steilen Absturz ein Riesenerfolg. Und für Heider vielleicht ein schöner Schlussstrich unter seine Zeit an der Bremer Brücke: Sein Vertrag läuft am 30. Juni aus.

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