Stand: 26.10.2017 11:54 Uhr  | Archiv

Wie gut ist Seife für die Haut?

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Seife besteht aus Tensiden, die fetthaltigen Schmutz lösen können.

Seife ist aus der täglichen Körperpflege nicht wegzudenken: Vor allem zum Händewaschen ist sie unverzichtbar. Dermatologen warnen allerdings vor einem übermäßigen Einsatz von Seife, egal ob in flüssiger oder fester Form. "Wer zu viel seift, stinkt. Wer sich dezent reinigt, der hat einen besseren Körpergeruch", sagt die Berliner Hautärztin und Bestellerautorin Yael Adler. Denn Seife stört die natürliche Schutzschicht der Haut mehr, als sie ihr nützt.

Die Haut hat einen natürlichen Schutzmantel

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Zu viel Seife kann den natürlichen Säureschutzmantel der Haut stören.

Gesunde Haut schützt sich selbst. Ihre oberste Schicht besteht aus abgestorbenen Hornzellen, verklebt mit Fett und Eiweiß. Diese robuste natürliche Schutzmauer lässt Fremdstoffe von außen abprallen und verhindert, dass Feuchtigkeit aus dem Körperinneren verloren geht. Außerdem schwimmt auf der Haut eine feine Schicht aus Schweiß, Talg und Wasser, auf der Mikroorganismen bestens gedeihen. Bis zu einer Million Bakterien, Viren und Milben leben auf nur einem Quadratzentimeter Haut. Dieses Mikrobiom hilft beim Kampf gegen schädliche Keime.

Alkalischer pH-Wert der Seife greift Säureschutzmantel an

Der natürliche Säureschutzmantel hält die Hautoberfläche leicht sauer auf einem pH-Wert von 4,8 bis 5,3. Seife hat einen pH-Wert von 8 bis 11 und ist damit alkalisch. Beim Einseifen erhöht sich der pH-Wert der Haut ebenfalls kurzfristig auf 8 bis 11. Dabei wird auch ein Teil der "guten" Hautbakterien abgetötet. Bei gesunder Haut ist das kein großes Problem, denn nach ein paar Stunden normalisiert sich der pH-Wert der Haut wieder. Aber: "Wenn wir unseren Säureschutzmantel zerstören, vermehren sich Bakterien, die nicht nur ungesund sind für die Haut, sondern auch einen unangenehmen Körpergeruch fördern", gibt Adler zu bedenken. "Und wenn man ständig seift, dann entfernt man immer wieder die Schutzfette. Die Schutzbarriere wird löchrig, es kann zu viel Feuchtigkeit verdunsten. Allergene, Chemikalien und Erreger können von außen schneller eindringen." So entstehen schneller Ekzeme, Kontaktallergien, Reizungen oder Juckreiz.

Warum macht Seife sauber?

Seifen bestehen aus waschaktiven Substanzen, sogenannten Tensiden. "Ein Seifenmolekül besteht aus einem wasseranziehenden Kopf und aus einem Schwanz, der sich besser in Öl löst. Dieser kann sich sehr gut mit dem Schmutz verbinden", erklärt Dr. Josef Wellmann, Chemiker in der Kappus Seifenfabrik in Krefeld. Auf diese Weise löst die Seife den fetthaltigen Schmutz im Wasser und er kann mit weggespült werden.

Synthetische Detergentien als Alternative

Weniger ist mehr, heißt daher die Devise. Und die gilt nicht nur für industriell hergestellte Massenprodukte, sondern auch für handgemachte Naturseifen. Eine Alternative sind sogenannte synthetische Detergentien, kurz Syndets. Ihr pH-Wert ist dem der Haut angepasst, sodass sie den Säureschutzmantel weniger angreifen. Die meisten Flüssigseifen sind Syndets oder Mischungen aus Syndet und Seife. Wer sichergehen will, sollte auf Bezeichnungen wie seifenfrei, pH-neutral oder pH 5,5 achten.

Allergierisiko durch Farbstoffe und Parfüm

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Die Hautärztin Dr. Yael Adler rät zu einem mäßigen Einsatz von Seife.

Aber nicht nur Seife, auch Syndets entziehen der Haut Fett. "Sie entfernen ja trotzdem die körpereigenen, richtig gesunden, richtig robusten Fette, die wir mühselig über vier Wochen produzieren", sagt Dermatologin Adler. Daher werden vielen Produkten rückfettende Substanzen zugefügt. "Besser wäre es, die Schutzfette der Natur, die wir zur Verfügung gestellt bekommen haben, zu belassen, dann müsste man auch nicht so viel nachpflegen", erklärt Adler. Zusatzstoffe wie Farbstoffe und Parfüm in Seife oder Flüssigseife sind zudem ein potenzielles Allergierisiko. "Als Hautärztin empfehle ich im Grunde, gar keine Seife und gar keine Waschsubstanz zu verwenden, sondern die Haut nur mit Wasser zu reinigen", sagt Adler. Das gilt insbesondere für die Gesichtshaut, denn die ist empfindlicher als der Rest des Körpers.

Händewaschen ist wichtig

Nicht verzichten sollte man auf gründliches Händewaschen vor dem Essen und nach dem Toilettengang, denn beim gründlichen Einseifen werden schädliche Bakterien und Viren entfernt. Beim Duschen aber ist es völlig ausreichend, nur kritische Stellen wie Achseln, Pofalte und Füße einzuschäumen. "Ich rate meinen Patienten, dass sie besser auf ihre Haut hören. Die Haut kann nämlich sehr viel ganz alleine. Wir müssen gar nicht so viel tun, wie uns immer eingeredet wird", sagt Dermatologin Adler. Seife sollte für die Hautpflege also wieder zu dem werden, was sie einmal war: ein seltener, genussvoller Luxus.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | plietsch. | 30.10.2017 | 21:00 Uhr

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