Zwei Solar-Panels an einem Balkon. © Solarheld /Infinitum Energie

Solarstrom vom eigenen Balkon - so geht's

Stand: 14.03.2022 11:12 Uhr

Mit Photovoltaik-Anlagen im Kleinformat können auch Mieter auf dem Balkon ihren eigenen Strom erzeugen und im Haushalt nutzen. Was kosten die Module und wie funktionieren sie?

Photovoltaik-Anlagen auf Hausdächern gehören vielerorts zum Landschaftsbild. Mit ihnen produzieren Hauseigentümer ihren eigenen sauberen Solarstrom und machen sich so ein Stück weit unabhängig von steigenden Energiepreisen. Doch auch für Wohnungsbesitzer und Mieter gibt es mittlerweile gute Möglichkeiten, selbst Strom zu produzieren.

Stecker-Solargeräte, im Handel auch als Mini-PV, Plug-In- oder Balkon-Kraftwerke bezeichnet, lassen sich auf Balkonen oder Terrassen montieren oder ohne feste Installation aufstellen. Der erzeugte Strom lässt sich direkt im Haushalt nutzen und senkt so die Stromrechnung. Die bürokratischen Hürden für den Betrieb der Mini-Anlagen in Deutschland wurden mittlerweile gesenkt.

Mini-PV für den Balkon: Mobil und ohne Netz-Einspeisung

Eine Mini-Solaranlage an einem Balkon. © NDR Foto: Irene Altenmüller
Vor einer Montage der Solarmodule müssen Vermieter und Eigentümergemeinschaft zustimmen.

Von Photovoltaikanlagen auf Dächern unterscheiden sich die Geräte in mehrfacher Hinsicht: Sie sind deutlich kleiner und so konzipiert, dass auch Laien sie installieren können. Tatsächlich handelt es sich bei den Balkon-Kraftwerken technisch gesehen um elektrische Haushaltsgeräte und nicht um Anlagen. Bei einem Umzug lassen sich die Solargeräte ohne großen Aufwand wieder abbauen und mitnehmen. Im Gegensatz zur Photovoltaikanlage für Hausdächer sind sie nur für den eigenen Verbrauch gedacht und nicht dazu, Strom ins Netz einzuspeisen.

Wie funktionieren die Balkon-Kraftwerke?

Die im Handel erhältlichen Geräte bestehen meist aus einem oder zwei Solarmodulen und einem sogenannten Wechselrichter. Je nach Anbieter sind bereits Bauteile zur Anbringung etwa am Balkon mitgeliefert oder müssen separat bestellt werden. Nach der Montage oder Aufstellung an einem geeigneten Standort schließt man das Solarmodul an den Wechselrichter an. Dieser wandelt den Gleichstrom, den das Modul aus dem Sonnenlicht produziert, in Wechselstrom um.

Über ein Kabel lässt sich die Anlage mit einer Steckdose in der Wohnung oder auf dem Balkon verbinden. Geräte, die an das Stromnetz des Haushalts angeschlossen sind, etwa Waschmaschine, Computer und alle Geräte, die auf Standby-Modus stehen, nutzen nun vorrangig den eingespeisten Solarstrom.

Das Solargerät kann entweder an eine spezielle Einspeise-Steckdose ("Wieland-Steckdose"), die ein Elektriker installieren muss, oder alternativ an eine herkömmliche Schuko-Steckdose angeschlossen werden. Letzteres ist aber rechtlich nur zulässig, wenn der Wechselrichter über einen sogenannten NA-Schutz verfügt. Allerdings bestehen einige Netzbetreiber auf einer Einspeise-Steckdose.

Wie sicher sind die Geräte?

In der Regel erfüllen die beim Kauf mitgelieferten Wechselrichter die Anforderungen, die auch für normale Photovoltaikanlagen gelten und sind damit sicher. Noch existiert keine eigene Gerätenorm für Stecker-Solargeräte, sie wird derzeit noch entwickelt. Es empfiehlt sich daher, auf das Siegel der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie e.V (DGS) zu achten, die bereits einen Sicherheitsstandard festgelegt hat.

Wichtig: An eine Steckdose sollte man immer nur ein einziges Stecker-Solargerät beziehungsweise einen Wechselrichter anschließen. Die Kopplung mehrerer Geräte über eine Mehrfachsteckdose wäre gefährlich.

Was kosten die Geräte und wie viel Strom produzieren sie?

Die günstigsten Geräte sind bereits ab etwa 400 Euro erhältlich, teurere Modelle können bis zu 800 Euro kosten. Experten gehen davon aus, dass ein Haushalt mit ihnen circa 10 bis 20 Prozent seines Stroms selbst produzieren kann. Der Stromzähler läuft dann einfach langsamer. Wie viel Strom erzeugt wird, hängt allerdings von der Ausrichtung der Anlage sowie von den jährlichen Sonnenstunden in der Region ab. Je nach Ertrag dauert es im Schnitt etwa fünf bis neun Jahre, bis sich die Anschaffung bezahlt macht. Ein Beispiel: Ein nach Süden hin ausgerichtetes Standardmodul mit 300 Watt Leistung liefert etwa 200 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Bei einem durchschnittlichen Strompreis von 30 Cent bringt das eine jährliche Ersparnis von 60 Euro.

Vorschrift: Netzbetreiber informieren

Ein Stromzähler
Wichtig: Der Stromzähler darf sich nicht rückwärts drehen. Hier muss eventuell umgerüstet werden.

Vor der Installation bedarf es der Zustimmung des Vermieters oder der Eigentümergemeinschaft für das Anbringen der Module an Balkonbrüstung oder Hauswand. Nach der Montage muss man dem Netzbetreiber sowie der Bundesnetzagentur die Inbetriebnahme des Stecker-Solargeräts mitteilen. Bei Geräten mit einer Leistung bis 600 Watt dürfen das auch Laien machen. Erst bei einer Leistung über 600 Watt muss ein Elektriker herangezogen werden. Viele Stromversorger stellen für die Mitteilung bereits Formulare auf ihren Websites bereit, außerdem hat die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie einen Musterbrief erstellt.

Stromzähler muss eventuell ausgetauscht werden

Wichtig: Der Stromzähler darf sich nicht rückwärts drehen. Dazu kommt es zwar im Normalfall nicht, da die eingespeiste Strommenge zu gering ist. Wer hier sichergehen will, kann aber einen Stromzähler mit Rücklaufsperre oder auch einen Zweirichtungszähler installieren lassen. Die Umrüstung erfolgt in der Regel über die Netzbetreiber. Einige Betreiber haben aber bereits erklärt, dass sie einen Zählerwechsel nicht für erforderlich halten, sofern nur ein Modul angeschlossen ist. Sollte einmal dennoch Strom ins Netz eingespeist werden, bekommt man dafür aber keine Vergütung.

Antworten auf wichtige Fragen rund um den Betrieb von Steckersolargeräten gibt die Verbraucherzentrale sowie eine Website des Vereins Energiewende ERH.

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NDR Info | 19.07.2021 | 04:39 Uhr

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