Stand: 10.09.2020 16:02 Uhr

Solarstrom vom eigenen Balkon - so geht's

Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach eines Einfamilienhauses. © imago images / U. J. Alexander
Hauseigentümer können Solarstrom auf dem Dach produzieren. Mit Balkon-Kraftwerken können Mieter nun ebenfalls Strom erzeugen.

Photovoltaik-Anlagen auf Hausdächern gehören vielerorts zum Landschaftsbild. Mit ihnen produzieren Hauseigentümer ihren eigenen sauberen Solarstrom und machen sich so ein Stück weit unabhängig von steigenden Energiepreisen. Mit sogenannten Stecker-Solargeräten können das mittlerweile auch Mieter und Besitzer von Wohnungen. Die kleinen Geräte, im Handel auch als Mini-PV, Plug-In- oder Balkon-Kraftwerke bezeichnet, lassen sich auf Balkonen oder Terrassen montieren oder auch ohne feste Installation einfach aufstellen.

Der erzeugte Strom kann direkt im Haushalt genutzt werden und senkt so die eigene Stromrechnung. Die bürokratischen Hürden für den Betrieb der Mini-Anlagen in Deutschland wurden mittlerweile gesenkt.

VIDEO: Solarstrom vom eigenen Dach (8 Min)

Mini-PV für den Balkon: Mobil und ohne Netz-Einspeisung

Von Photovoltaikanlagen auf Dächern unterscheiden sich die Geräte in mehrfacher Hinsicht: Sie sind deutlich kleiner und so konzipiert, dass auch Laien sie installieren können. Tatsächlich handelt es sich eher um ein elektrisches Gerät als um eine Anlage. Bei einem Umzug lassen sich die Solargeräte ohne großen Aufwand wieder abbauen und mitnehmen. Im Gegensatz zu Photovoltaikanlage für Hausdächer sind sie nur für den eigenen Verbrauch gedacht und nicht dazu, Strom ins Netz einzuspeisen.

Wie funktionieren die Balkon-Kraftwerke?

Zwei Solar-Panels an einem Balkon. © Solarheld /Infinitum Energie
Vor der Montage der Solarmodule benötigen Mieter die Zustimmung des Hauseigentümers.

Die im Handel erhältlichen Geräte bestehen meist aus einem oder zwei Solarmodulen und einem sogenannten Wechselrichter. Je nach Anbieter sind bereits Bauteile zur Anbringung etwa am Balkon mitgeliefert oder müssen separat bestellt werden. Nach der Montage oder Aufstellung an einem geeigneten Standort schließt man das Solarmodul an den Wechselrichter an. Dieser wandelt den Gleichstrom, den das Modul aus dem Sonnenlicht produziert, in Wechselstrom um. Über ein Kabel lässt sich die Anlage mit einer Steckdose in der Wohnung oder auf dem Balkon verbinden. Geräte, die an das Stromnetz des Haushalts angeschlossen sind, etwa Waschmaschine, Computer und alle Geräte, die auf Standby-Modus stehen, nutzen nun vorrangig den eingespeisten Solarstrom.

Was kosten die Geräte und wie viel Strom produzieren sie?

Die günstigsten Geräte sind bereits ab etwa 300 Euro erhältlich, teurere Modelle können bis zu 800 Euro kosten. Experten gehen davon aus, dass ein Haushalt mit ihnen circa 10 bis 20 Prozent seines Stroms selbst produzieren kann. Der Stromzähler läuft dann einfach langsamer. Wie viel Strom erzeugt wird, hängt allerdings von der Ausrichtung der Anlage sowie von den jährlichen Sonnenstunden in der Region ab. Je nach Ertrag dauert es im Schnitt etwa fünf bis neun Jahre, bis sich die Anschaffung bezahlt macht. Ein Beispiel: Ein nach Süden hin ausgerichtetes Standardmodul mit 300 Watt Leistung liefert etwa 200 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Bei einem durchschnittlichen Strompreis von 30 Cent bringt das eine jährliche Ersparnis von 60 Euro.

Wie sicher sind die Geräte?

In der Regel erfüllen die beim Kauf mitgelieferten Wechselrichter die Anforderungen, die auch für normale Photovoltaikanlagen gelten und sind damit sicher. Da noch keine eigene Gerätenorm für Stecker-Solargeräte existiert, empfiehlt es sich, auf das Siegel der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie e.V (DGS) zu achten, das einen Sicherheitsstandard festgelegt hat. Wichtig: An eine Steckdose sollte man immer nur ein einziges Stecker-Solargerät beziehungsweise einen Wechselrichter anschließen. Die Kopplung mehrerer Geräte über eine Mehrfachsteckdose wäre gefährlich.

Vorschrift: Netzbetreiber informieren

Nach der Montage muss man dem Netzbetreiber sowie der Bundesnetzagentur die Inbetriebnahme des Stecker-Solargeräts mitteilen. Bei Geräten mit einer Leistung bis 600 Watt dürfen das auch Laien machen, seit 2019 muss kein Elektriker mehr herangezogen werden. Dies ist erst bei einer Leistung über 600 Watt erforderlich. Viele Stromversorger stellen für die Mitteilung bereits Formulare auf ihren Websites bereit, außerdem hat die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie einen Musterbrief erstellt.

Stromzähler muss eventuell ausgetauscht werden

Wichtig: Der Stromzähler darf sich nicht rückwärts drehen. Dazu kommt es zwar im Normalfall nicht, da die eingespeiste Strommenge zu gering ist. Wer hier sichergehen will, kann aber einen Stromzähler mit Rücklaufsperre oder auch einen Zweirichtungszähler installieren lassen. Die Umrüstung erfolgt in der Regel über die Netzbetreiber. Einige Betreiber haben aber bereits erklärt, dass sie einen Zählerwechsel nicht für erforderlich halten, sofern nur ein Modul angeschlossen ist. Sollte einmal dennoch Strom ins Netz eingespeist werden, bekommt man dafür aber keine Vergütung.

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Dieses Thema im Programm:

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