Stand: 18.10.2019 12:12 Uhr  | Archiv

Arztbewertungen: Wie seriös sind Portale?

Arztbewertung im Internet. © colourbox Foto: Aleksandr
Bundesärztekammer und Verbraucherzentrale warnen: Vorsicht bei Bewertungen auf Arztportalen!

Wer im Internet nach einem Arzt sucht, stößt schnell auf Bewertungsportale wie Jameda, Docinsider oder Sanego. Dort werden Ärzte mit Schulnoten, Sternchen oder Kommentaren bewertet. Doch die Bundesärztekammer rät zur Vorsicht: Oft handele es sich um verfälschte, emotionalisierte Bewertungen.

Kontrolle kaum möglich

Auch Verbraucherschützer sehen kommerzielle Arztbewertungsportale kritisch. In der Regel werde nicht überprüft, ob die Bewertenden jemals in der Praxis des Arztes waren. Außerdem gebe es Agenturen, die im Auftrag von Ärzten Bewertungen abgeben. Von echten Bewertungen seien die professionellen Einträge kaum zu unterscheiden. Auch wenn die Portale beteuern, auf die Qualität der Einträge und Manipulationsversuche zu achten, ist eine sichere Kontrolle kaum möglich.

Bessere Bewertung für bezahlte Premium-Profile?

Einige Plattformen stehen in der Kritik, weil sie Werbe- und Bewertungsplattform zugleich sind. Ärzte können sich sogenannte Premium-Profile auf den Plattformen kaufen und erscheinen dann mit Foto, beruflichen Schwerpunkten und Link zur Internetseite. Außerdem können sie Anzeigen schalten. Verbraucherschützer bezweifeln, dass sich die Portale nicht von den Werbeeinahmen beeinflussen lassen.

"Zeit"-Studie: Zahlende Ärzte besser bewertet

In einer Studie hat die Wochenzeitung "Die Zeit" den Bewertungsdurchschnitt von 3.770 benoteten Ärzten verglichen und dabei festgestellt, dass Ärzte mit einem bezahlten Profil kaum schlechte Noten haben. 95 Prozent der Ärzte mit Premium-Profil werden mit der Note 1 bewertet, bei den nicht zahlenden Kollegen sind es nur 77 Prozent. Der Notendurchschnitt der bezahlenden Ärzte liegt bei 1,2 gegenüber 1,7 bei den nicht zahlenden Kollegen.

Auch Ärzte äußern den Verdacht, dass Plattformbetreiber bei zahlenden Ärzten Negativkritik häufiger blockierten. Die Portalbetreiber beteuern dagegen, bezahlte Profile hätten keinerlei Einfluss auf die Bewertungen oder das Ranking.

Weiße Liste: Bewertungsportal ohne Werbung

Wer sich bei der Arztsuche nicht allein auf Erfahrungen von Freunden und Familienangehörigen verlassen möchte, kann auf die Datenbank der "Weißen Liste" zurückgreifen. In dem Projekt der Bertelsmann-Stiftung sind alle niedergelassenen Ärzte verzeichnet. Die Weiße Liste ist werbefrei, basiert auf wissenschaftlichen Erhebungen und wird von Patientenorganisationen kontrolliert. Wer eine Bewertung abgeben will, muss seine Krankenversicherungsnummer angeben.

Ärztebewertungen richtig einschätzen

  • Positive Bewertungen: Erhält ein Arzt in einem Bewertungsforum fast ausschließlich positive Bewertungen, kann das ein Grund sein, an der Aussagefähigkeit der Bewertung zu zweifeln.

  • Kriterien prüfen: Die Anbieter von Ärzteportalen ermitteln die Bewertungen mithilfe von Fragebögen. Nicht immer sind die Kriterien sinnvoll - prüfen Sie, wie sich die Bewertung zusammensetzt.

  • Portale vergleichen: Vergleichen Sie die Bewertungen eines Arztes auf mehreren Portalen. Werden mehrfach ähnliche Formulierungen verwendet, ist Vorsicht angebracht.

  • Persönliche Kontakte befragen: Fragen Sie bei der Arztsuche Freunde, Verwandte und Arbeitskollegen, die Ihnen ehrlich von ihren Erfahrungen berichten. Haben Sie schon einen Arzt Ihres Vertrauens gefunden, können Sie ihn nach Empfehlungen für andere Ärzte fragen.

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Dieses Thema im Programm:

Markt | 21.10.2019 | 20:15 Uhr

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