Stand: 18.07.2019 19:08 Uhr

"Mit Künstlern einen lebendigen Ort schaffen"

Die Kunsthalle Osnabrück ist ein Haus mit Tradition, ein Haus mit ungewöhnlichen Räumen und deshalb auch vielfältigen Möglichkeiten. Die bisherige Direktorin Julia Draganovic hat Osnabrück nun nach fünf Jahren verlassen, um in Rom die Leitung der Villa Massimo zu übernehmen. In ihre Fußstapfen treten zwei junge Frauen: Anna Jehle und Juliane Schickedanz, die zuletzt zusammen in Leipzig den Verein für zeitgenössische Kunst geleitet haben.

Frau Schickedanz, zusammen mit Frau Jehle haben Sie sich nun in Osnabrück vorgestellt. Mit welchen Ideen sind Sie denn von Leipzig nach Osnabrück gekommen?

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Anna Jehle und Juliane Schickedanz sind die neuen Kuratorinnen der Kunsthalle Osnabrück.

Juliane Schickedanz: Unsere Ideen sind, mit dem Programm starke Synergien zwischen Kuratieren und Vermittlung zu schaffen, in die Stadt hineinzuwirken und ortsspezifisch zu arbeiten. Das wollen wir mit einem ursprünglichen Programm, was wir bisher gemacht haben, aufgreifen, weil wir darin uns selbst wiedererkennen und das mit starken lokalen, aber auch internationalen Kooperationen fortführen. Nähere Details über das kommende Programm, was wir dann ab Mitte nächsten Jahres starten, können wir noch nicht sagen, weil es noch so frisch ist und wir jetzt in die Planungphase gehen.

Sie beide arbeiten seit vier Jahren zusammen, Sie kennen sich gut. Wie muss man sich Ihre Zusammenarbeit vorstellen: Ergänzen Sie sich in Ihrer Arbeit? Teilen Sie sich Bereiche auf?

Schickedanz: Wir denken alle Bereiche zusammen. Wir kommen aus unterschiedlichen Bereichen: Anna Jehle kommt eher aus der Theorie, hat Kulturwissenschaften und Kulturen des Kuratorischen studiert, und ich komme ursprünglich aus der Vermittlung und aus der Bildenden Kunst. Ich habe an der Kunsthochschule studiert und daraus das Kuratieren entwickelt, sodass wir unterschiedliche Charaktere mitbringen. Aber, und deshalb haben wir uns so zusammengefunden, wir sprechen im Kuratieren eine ähnliche Sprache. Unser Ansatz ist, mit der Kunst politisch zu wirken und eine starke Kollaboration mit den Künstler*innen zu haben. Unsere Zusammenarbeit ist ein lebendiges Brainstormen und wir decken alle Bereiche ab. Gleichermaßen - und das ist auch ein großer Teil, der uns verbindet - denken wir unterschiedliche Bereiche, beispielsweise die Fragen des Öffentlichwerdens: Wie funktioniert Pressearbeit? Wie funktioniert Vermittlung? Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Künstler*innen? Versuchen wir das gesamtheitlich, konzeptuell zu fassen?

Kommen wir zum Ort: Die Kunsthalle in Osnabrück befindet sich in einer besonderen Räumlichkeit, in einer früheren Klosterkirche des Dominikanerordens. Das hat per se einen spirituellen Charakter - spüren Sie diese Vergangenheit?

Schickedanz: Ob ich es auf eine spirituelle Weise spüre, kann ich nicht sagen. Ich spüre aber auf jeden Fall, dass der Ort eine räumliche Energie hat. Wir sind beide Kuratorinnen, die Räume und die Auseinandersetzung mit Räumen, lieben. Deshalb sind wir jetzt auch schon hochbegeistert und hochmotiviert loszulegen, dass wir ortsspezifisch Lösungen mit Künstler*innen für diesen Ort finden können. Es gibt auch ein großes Interesse von unserer Seite, dass wir auch themenspezifisch ortsspezifisch arbeiten. Also: Was bedeutet es historisch oder gegenwärtig, in einer Kirche auszustellen?

Ganz praktisch sind Kirchenräume ja auch räumliche Herausforderungen, die Sie sicher nutzen wollen. Haben Sie da schon Pläne entwickelt?

Schickedanz: Man kann den Raum nicht negieren. Der Ort wird lebendig und eigenständig, indem wir stark mit Künstlern zusammenarbeiten. Wir müssen jetzt auch Fragen prüfen wie Auflagen und Denkmalschutz, sodass wir gucken können: Wer sind eigentlich die Künstler*innen, die wir einladen können, damit wir spannende neue Ausstellungen machen können?

Wollen Sie über die Werke, die Sie zeigen, Ausstellungen, die Sie machen, auch den Raum öffnen für Debatten? Für Themen, die gerade aktuell sind?

Schickedanz: Auf jeden Fall. Wir wollen sowohl einzelne Ausstellungen als auch längerfristige Projekte mit Künstler*innen planen und wollen natürlich stark mit der Vermittlung zusammenarbeiten. Es ist unser großes Interesse, die Ausstellung selbst als Diskussions- und Denkraum zu verstehen und damit die Besucher*innen jederzeit einzuladen, mit uns eine Auseinandersetzung vor Ort zu starten.

Das Interview führte Claudia Christophersen

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 18.07.2019 | 19:00 Uhr