Stand: 21.03.2020 18:38 Uhr

Weil: Keine komplette Ausgangssperre geplant

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Ministerpräsident Stephan Weil beantwortet im Studio von NDR 1 Niedersachsen Fragen zur Corona-Krise.

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat bei einem Besuch im Studio von NDR 1 Niedersachsen am Sonnabend noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, wie ernst die Corona-Krise ist. "Meine zentrale Botschaft ist, dass wir jetzt alle unsere persönlichen Kontakte auf ein Minimum reduzieren müssen", sagte Weil, der zahlreiche Hörer-Fragen beantwortete. "Das ist die beste Chance, um die Situation in den Griff zu bekommen." Zunächst bis in die Woche nach Ostern solle mit den aktuellen Einschränkungen versucht werden, Infektionen so gut wie möglich zu vermeiden. Er habe den Eindruck, die meisten Menschen hätten begriffen, was die Stunde geschlagen hat, sagte Weil. "Beim Verhalten von einigen Leuten fasst man sich allerdings schon an den Kopf."

Ministerpräsident Stephan Weil im Studio des Landesfunkhauses in Niedersachsen © NDR Foto: Axel Herzig

Ministerpräsident Weil beantwortet Hörer-Fragen

NDR 1 Niedersachsen -

Ministerpräsident Weil hat zwei Stunden lang die Fragen der Hörer von NDR 1 Niedersachsen zur Corona-Krise beantwortet. Die Fragen und Antworten im Zusammenschnitt zum Nachhören.

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Weitere Einschränkungen zu erwarten

Wie groß der Gesprächsbedarf ist, zeigte sich an der großen Zahl von Anrufen und Nachrichten über die NDR Niedersachsen App. Weil kündigte auf entsprechende Fragen von Hörern an, dass die Einschränkungen in der kommende Woche voraussichtlich noch verschärft werden müssen. So sollen voraussichtlich medizinisch nicht notwendige Einrichtungen wie Friseursalons und Kosmetikstudios ebenfalls geschlossen werden. "Ich habe das Gefühl, dass es hier eine Änderung geben wird", sagte Weil. Außerdem könnte die Zahl der Menschen, die zusammenkommen dürfen, von aktuell zehn deutlich reduziert werden.

Spaziergänge bleiben erlaubt

Weil machte allerdings klar, dass es keine komplette Ausgangssperre geben werde. Es sei aus medizinischer Sicht nicht sinnvoll, wenn die Menschen nicht mehr ins Freie dürften. Das schwäche den Körper und das Immunsystem. Entsprechend konnte der Ministerpräsident einem Hörer die Sorge nehmen, künftig mit seiner Frau die Wohnung im Mehrfamilienhaus vielleicht nicht mehr verlassen zu können. "Gehen Sie raus, aber halten Sie Abstand zu anderen Menschen", sagte Weil. Auch der Weg zum Einkaufen und der Arbeit werde natürlich weiter möglich sein. Die Einschränkungen müssten im realisierbaren Bereich bleiben. Daher sei zum Beispiel auch nicht geplant, den Betrieb der öffentlichen Verkehrsmittel einzustellen.

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Gastronomiebetriebe schließen Sonnabend

Weil hatte bereits am Freitag im Rahmen einer Pressekonferenz angekündigt, dass in Niedersachsen alle Restaurants, Cafés und andere Gastronomiebetriebe schließen müssen. Die Landesregierung will mit diesem Schritt eine weitere schnelle Ausbreitung des Virus eindämmen. Spätestens am Sonnabend ab 18 Uhr werden alle Lokalitäten geschlossen bleiben. Weil begründete die Entscheidung bei NDR 1 Niedersachsen mit zwei wesentlichen Punkten: Zum einen habe man mit dem eingeschränkten Verbot, das eine Öffnung bis 18 Uhr erlaubte, mancherorts schlechte Erfahrungen gemacht. Zum anderen wolle man bei der Regelung im Gleichklang mit den anderen Bundesländern sein.

Entscheidung über Schulöffnungen nach Ostern

Vor allem viele Eltern beschäftigt die Frage, ob es eine realistische Chance gibt, dass die Schulen und Kindergärten tatsächlich nur bis zum 18. April geschlossen bleiben. Eine klare Antwort konnte der Ministerpräsident angesichts der dynamischen Entwicklung erwartungsgemäß noch nicht geben. "Wir werden gemeinsam mit den anderen Bundesländern nach Ostern Bilanz ziehen, ob die großen Systeme wieder ans Netz gehen können", sagte Weil. Das werde entscheidend vom Verlauf der Infektionszahlen abhängen. Die Abiturprüfungen in Niedersachsen sollen nach derzeitigem Stand zum vorgesehen Zeitpunkt durchgeführt werden. Auch dies könne sich aber natürlich noch ändern.

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Unterstützung für kleine Unternehmen und Selbstständige

Große Sorgen um ihre Existenz machen sich wegen der Corona-Krise insbesondere Mittelständler und Selbstständige, denen zum Teil gerade sämtlichen Einnahmen wegbrechen. Auf Nachfrage eines Betroffenen kündigte Weil Unterstützung an. "Ich sehe die Not deutlich. Wir wollen schnell und unbürokratisch helfen", sagte er. Am Mittwoch werde der Landtag den Nachtragshaushalt beschließen. Dann sei das Land handlungsfähig. Es solle aber kein Helikoptergeld für alle geben, sondern nur Unterstützung für die, die es auch wirklich brauchen.

Weil erläutert Tempo der Maßnahmen

Den Eindruck, dass die Maßnahmen in Niedersachsen nur sehr zögerlich umgesetzt worden seien, versuchte Weil zu entkräften. "Ich glaube, das täuscht", sagte er. Niedersachsen habe zum Beispiel von allen Bundesländern mit am stärksten auf die Schulschließungen gedrängt. Außerdem müssten alle Einschränkungen planvoll und mit kühlem Kopf geschehen. Dass es trotzdem Unterschiede zwischen den Bundesländern gibt, begründete Weil mit den unterschiedlichen lokalen Verhältnisse hinsichtlich der Corona-Infektionen. Andernorts herrsche zum Teil größerer Druck.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 21.03.2020 | 10:00 Uhr