Stand: 25.03.2020 08:00 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Schule im Online-Modus: Eine gute Notlösung?

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Die Schulen in Schleswig-Holstein versuchen, mit dem Internet das Schulsystem aufrechtzuerhalten.

Die Gemeinschaftsschule Altenholz im Kreis Rendsburg-Eckernförde: 380 Schüler und Schülerinnen bekommen seit eineinhalb Wochen ihre Hausaufgaben über das Internet, genauer gesagt über den Schulserver IServ. Die Schüler loggen sich ein, sehen die Aufgaben der insgesamt 35 Lehrer und bearbeiten sie im Homeoffice. Genauso oder so ähnlich machen es zurzeit alle weiterführenden Schulen in Schleswig-Holstein. "Dieses System funktioniert im Großen und Ganzen sehr gut", findet Schulleiter Thomas Haß. Allerdings räumt er ein: "Es ist eine Notlösung und nicht mehr. Wir dürfen die Leistungen der Schüler nicht bewerten, und das macht es schwierig. Eigentlich lernt man nur durch den direkten Kontakt miteinander."

Zu viele Aufgaben oder zu wenige - was ist richtig?

Dennoch: Es sei gut, dass es diese Möglichkeit des Internet-Austausches gibt - da sind sich Lehrer, Schüler und Eltern einig. Die Stadt Rendsburg hat zum Beispiel für die elf Schulen in eigener Trägerschaft eine Plattform bereitgestellt. Die Lehrer stellen hier Übungen und Aufgaben ein. Nach anfänglichen Schwierigkeiten klappt der Zugriff für alle problemlos.

Mancherorts sind Schüler und Eltern aber auch mit Dingen unzufrieden. Einer Mutter, die ihre Kinder an der Gemeinschaftsschule Heinrich-Heine-Schule in Büdelsdorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) hat, fallen zwei Dinge auf: Ihr Junge habe in der sechsten Klasse viel mehr Aufgaben als sonst. Und ihre Tochter in der neunten Klasse bekomme vom Lehrer keine konkreten, sondern nur allgemeine Lösungen zurück, wie sie schildert.

In der Praxis läuft einiges schief

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Schüler und Schülerinnen bekommen derzeit ihre Hausaufgaben über den Schulserver IServ.

Jesper, ein 17 Jahre alter Schüler des Heinrich-Heine-Gymnasiums in Heikendorf (Kreis Plön), kommt insgesamt gut mit dem System zurecht. Wenn gewünscht, scannt er seine gemachten Aufgaben ein und schickt sie zurück zum Lehrer. Manchmal erhält Jesper allerdings auch ein nicht leserliches, zu klein gedrucktes PDF. Paul, ein Siebtklässler der gleichen Schule, sagt: "Ich habe ziemlich wenig auf. Mit den Lehrern tausche ich mich nicht aus." Er soll seine erledigten Aufgaben erst nach den Ferien mit zur Schule bringen. Ginge es nach seiner Mutter, könnten die Hausaufgaben mehr sein: "Ich habe das Gefühl, da kommt viel zu wenig von der Schule."

Lehrer stehen bereit für Antworten

Die Neuntklässlerin Jule fragt sich: "Wenn ich Probleme habe, eine Aufgabe zu lösen: Wie soll ich dann meine Lehrerin erreichen? Sie wird mir doch nicht per E-Mail ellenlang eine Antwort geben." Die Schülerin lässt es dann einfach bleiben und fragt eine Klassenkameradin um Rat. Oftmals scheint es also an der Scheu der Schüler zu liegen, wenn sie sich nicht an die Lehrer wenden. "Die Lehrer stehen bereit für Antworten. Manche weisen dann auch auf Erklär-Videos hin", sagt der Schulleiter aus Altenholz, Haß. Einige wenige nutzen auch Skype.

"Fühlt sich an wie Ferien"

Felix, ein Schüler der Kleemannschule in Kiel, findet, dass sich die zwei Überbrückungswochen ein bisschen wie Ferien anfühlen. "Natürlich haben wir Arbeitsbögen bekommen, aber ich glaube nicht, dass ich durchschnittlich eine Stunde am Tag an den Aufgaben sitze." Ein Lehrer allerdings habe sich etwas Besonderes ausgedacht. "Da müssen wir dann morgens um acht Uhr am Rechner sitzen und die Aufgaben in einer bestimmten Zeit lösen." Der 17-Jährige weiß allerdings gar nicht, wie - und ob überhaupt - das Ganze nachher bewertet wird. Eine Rückmeldung gab es dazu nicht, wie er sagt.

Auch Eltern müssen sich strukturieren

Für Eltern, die im Homeoffice stecken, bedeutet es mitunter auch, einen Spagat hinzubekommen. Wie schafft man es, die Online-Hausaufgaben der Kinder bei dem ganzen Trubel zu Hause im Blick zu haben? Die Rückmeldung vieler Eltern: "Die erste Woche lief noch etwas chaotisch, mittlerweile haben wir uns alle ein bisschen strukturiert."

Karin Prien, CDU, Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein.  Foto: Gino Laib

Prien: "Wir benoten derzeit nicht"

NDR 1 Welle Nord - Nachrichten für Schleswig-Holstein -

Nach der Schulschließung wegen des Coronavirus versorgen Lehrer ihre Schüler über das Internet mit Unterrichtsmaterial. Laut Bildungsministerin Prien bietet das "Online-Schooling" nicht nur Vorteile.

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Prien: Chancengleichheit bei diesem System nicht gegeben

Bildungsministerin Karin Prien (CDU) hat eine überwiegend positive Zwischenbilanz des Online-Schulunterrichts in Schleswig-Holstein gezogen. Viele Schulen im Land verfügten bereits über ein eigenes Online-Portal - weitere sollen dazukommen. Allerdings sagte Prien auch, dass das Online-Schooling nicht nur Vorteile habe. Stichwort Chancengleichheit: "Das eine ist, dass nicht alle Eltern in der Lage sind, ihre Kinder zu Hause zu unterstützen - und das andere ist die technische Ausstattung und damit auch ein unterschiedlicher Zugang." Genau deshalb gebe es momentan auch keine Benotung, so die Ministerin.

Nicht alle Schüler technisch gut ausgestattet

Schulleiter Haß aus Altenholz sieht in dieser nicht vorhandenen Chancengleichheit ein Problem. Auch bei ihm gebe es einige Schüler, die technisch nicht so gut ausgestattet sind. Viele seien es aber nicht. Alles in allem findet er, dass seine Schule - und auch viele andere in Schleswig-Holstein - die plötzliche Umstellung auf "online" gut hinbekommen haben. Und trotzdem hofft er, dass nach den Osterferien wieder alles beim Alten sein wird.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 24.03.2020 | 13:00 Uhr

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