Stand: 14.06.2020 14:30 Uhr

Schwimmer freuen sich über offene Schwimmbäder

von Ulrike Drevenstedt

Ein Kind mit blauer Taucherbrille unter Wasser. © photocase.de Foto: jockelo
Viele Schwimmbegeisterte freuen sich, dass die Bäder wieder öffnen - wenn auch unter strengen Auflagen. (Themenbild)

"Endlich wieder Chlorgeruch in der Nase" oder "ich weiß gar nicht mehr, wie sich Wasser anfühlt": Sätze, die vielen Schwimmern in diesen Tagen über die Lippen kommen. Denn langsam öffnen die Hallen- und Freibäder im Land wieder - unter Auflagen und mit teils strengen Hygienebestimmungen wegen der Corona-Pandemie. Mehr als drei Monate lang waren die Bäder geschlossen. Die Folge: "Der gewohnte Trainingsalltag, die Schwimmausbildung und andere Aktivitäten sind vollständig zum Erliegen gekommen", schildert der Cheftrainer des SV Neptun aus Kiel, Dirk Hübler, die Situation.

Kinder freuen sich über Training im Schwimmbad

Normalerweise trainiert Hübler seine Schwimmer an fünf bis sechs Tagen in der Woche im Wasser und an Land. Während der Corona-Pandemie mussten sie auf Trockentraining zu Hause und Schwimmeinheiten im Meer oder in Seen ausweichen. Seit gut anderthalb Wochen können die Kinder der zweiten Mannschaft des SV Neptun in der Schwimmhalle in Kiel-Schilksee endlich wieder zusammen ins Wasser hüpfen - und sind darüber sehr froh: "Das macht einfach mehr Spaß als alleine" und "im Hallenbad gibt es keine Wellen oder Strömung" lautet das begeisterte Fazit der Neun- bis Zwölfjährigen.

Vor dem Schwimmbadbesuch über Regeln informieren

Es sei aber noch längst nicht alles wie immer, sagt Hübler - und das gilt für Vereins- wie für Hobbyschwimmer gleichermaßen: So dürfen laut Schleswig-Holsteinischem Schwimmverband (SHSV) maximal zehn Sportler auf einer Bahn trainieren. Ein Mindestabstand gilt hier nicht. Beim Betreten des Hallen- oder Freibades muss eine Mund-Nase-Maske getragen werden, während des Trainings nicht.

Darüber hinaus gilt aber: Spontan schwimmen gehen ist in den meisten geöffneten Bädern in Schleswig-Holstein nicht möglich, weil strenge Hygienekonzepte eingehalten werden müssen. Oft müssen Schwimmer sich deshalb vor dem Besuch ein Online-Ticket kaufen oder ein Zeitfenster buchen, in dem sie schwimmen wollen. Manche Bäder bieten Ampel-Systeme an, die online zeigen, wie voll das Bad gerade ist. Das soll sicherstellen, dass das geltende Abstandsgebot eingehalten werden kann.

Sorge bei DLRG um Schwimmanfänger

Freude darüber, dass trotz der erschwerten Bedingungen geschwommen werden darf, herrscht auch bei der Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Schleswig-Holstein - verbunden mit der Hoffnung, dass bald auch die Anfängerkurse wieder stattfinden können. Allein die DLRG bringt nach eigenen Angaben jedes Jahr etwa 10.000 Anfängern das Schwimmen bei. Allerdings schätzt Präsident Jochen Möller, dass in diesem Jahr wegen der geschlossenen Bäder mehrere tausend Kinder nicht schwimmen lernen können. "Gerade das ist der neuralgische Punkt, wo wir ja auch heute schon im Land die schlechten Zahlen haben, was das Anfängerschwimmen betrifft", sagt Möller. "Ein Kind, dass das Seepferdchen-Abzeichen absolviert hat, ist eben noch kein sicherer Schwimmer".

DLRG: Wenn offene Badestellen, dann bitte nur bewachte

Möller hofft deshalb genau wie der SHSV, dass bald viele Schwimmbäder öffnen, damit möglichst viel Unterricht und Training nachgeholt werden kann - und auch, um allen Schwimmern Platz zu bieten. Denn die DLRG befürchtet, dass viele Menschen wegen der Corona-Pandemie Abstand suchen und statt Bädern offene Badestellen nutzen. Hier appelliert DLRG-Präsident Möller, nur bewachte Strände an Nord- und Ostsee oder an Binnengewässern zu benutzen.

WHO: Ansteckung über Wasser "sehr gering"

Bedenken wegen einer möglichen Ansteckung mit dem Coronavirus im Wasser müssen Schwimmer übrigens nicht haben: Laut Umweltbundesamt und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist es sehr unwahrscheinlich, sich über das Wasser zu infizieren, weil im Schwimmbad Chlor als Desinfektionsmittel zugegeben wird. In großen Seen und im Meer ist zudem der Verdünnungseffekt groß, deshalb sei auch hier die Gefahr gering, heißt es.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Aktiv | 14.06.2020 | 15:40 Uhr

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