Wie ein Eckernförder mit Ideen und Visionen seinen Weg geht

Stand: 04.12.2022 11:45 Uhr

Beruf, Freizeit, Ehrenamt: Das tägliche Pensum von Jan-Ole Hoffmann hat es in sich. Woher nimmt der 26-jährige Eckernförder all seine Kraft, was treibt ihn an, gibt ihm den "Drift"?

von Lina Bande

Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein hochmoderner Spielplatz mitten im Eckernförder Kurpark: quietschblauer Teppichboden, darauf Reckstangen und Hangelleitern aus Edelstahl. Ein junger muskulöser Mann läuft zwischen den Geräten herum, lockert in kreisenden Bewegungen seine Schultern. Er dehnt sich, streckt sich - und springt dann in einer eleganten Bewegung an eine der Reckstangen. Nach einem Klimmzug hängt er sich in der Horizontalen unter die Stange, winkelt die Beine an, macht sich wieder lang. Mehrere Passanten bleiben mit offenem Mund stehen und beobachten ihn.

Ein Mann macht einen Klimmzug an einem Sportgerüst. © NDR Foto: NDR
Klimmzüge sind eine der Grundübungen von Calisthenics.

Der Sportler, der hier scheinbar mühelos die akrobatischsten Übungen meistert, heißt Jan-Ole Hoffmann. Der 26-Jährige macht schon seit acht Jahren Calisthenics, so heißt die Sportart. Das ist Training nur mit dem eigenen Körpergewicht. Inspiriert zum Sport wurde er damals durch Videos im Internet, erzählt er auf Platt: "Dor hebbt de Lüüd unglaubliche Saken maakt! Un dor hebb ik seggt - dat will ik ok." Angefangen habe er mit einem Klimmzug am Treppengeländer zuhause und einer handvoll Liegestütze.

Trainieren hilft beim Abschalten

Heute trainiert er täglich, manchmal auch zweimal am Tag. Denn Sport habe einfach so viele Vorteile, findet Jan-Ole: "Männichmal hest du jo ok veel in’n Kopp. Un denn bi’n Sport büst du konzentreert, dor kiekst du blots op di, dor föhlst du di. Un in’n Alldag hest du Momente, dor muttst du mit annere Lüüd schnacken, dor sind de Gedanken fix ünnerwegens. Man in’n Sport büst du hier in’n Moment."

Mit Sport verdient er auch sein Geld

Sport ist ein Hobby, das dem Eckernförder so viel gibt, dass er es auch zum Beruf gemacht hat: Seit drei Jahren arbeitet er als Trainer in einem Fitnessstudio. Ursprünglich hatte er eine Lehre zum Zimmermann angefangen, der Job gefiel ihm auch recht gut: "Morgens fangst wat an, avends bist du fardig un denn siehst du wat du doon hest. Aver ik hebb ok markt - dat geiht op’n Körper."

Mittlerweile hat Jan-Ole mehrere Trainerscheine. Er betreut Einsteiger beim Probetraining und stellt Kursprogramme zusammen. Während seine Teilnehmer schwitzen, sich an den Geräten quälen und an Grenzen gehen, feuert der 26-Jährige sie an, sucht passende Musik aus und singt mit.

Viele Veränderungen in der Jugend mitgemacht

Zwei Personen stehen unter einem Baum in einem Garten. © NDR Foto: NDR
Jan-Ole und seine Halbschwester Nina stehen an der Reckstange, die Papa Gerd damals für seinen Sohn gebaut hat.

Da kann man kaum glauben, dass dieser offene, selbstbewusste Mann früher ziemlich schüchtern war. Zumindest verrät seine ältere Halbschwester Nina das lachend. Vielleicht aber auch einfach deshalb, weil Jan-Ole erst mit elf Jahren zu seiner Schwester und dem gemeinsamen Vater Gerd gezogen ist. Denn seine Mutter war alkoholkrank und musste sich behandeln lassen.

Aus der Stadtwohnung auf den Biolandhof Großholz, zwischen Eckernförde und Kappeln - "dat weer nich mien Leven", blickt Jan-Ole heute zurück. Ein Jahr lang habe es gedauert, bis er sich eingewöhnt hatte. Nina blickt heute so auf seine Entwicklung: "Der ist hier voll aufgeblüht und ich würde sagen, es hat ihm sehr gut getan, viel Zeit mit meinem Vater zu verbringen. Die haben viele Ähnlichkeiten. Er hat ja auch von meinem Vater das Plattdeutsch sprechen gelernt und viel Kraft von ihm mitgenommen. Viel Lebensenergie, viel Visionskraft, die Jan-Ole hat.“

Der Vater als prägende Figur

Ein Mann meditiert in einem Raum. © NDR Foto: NDR
Ein paar Minuten lang komplett bei sich zu sein, das schätzt Jan-Ole am Meditieren.

Und Papa Gerds Glauben hat Jan-Ole geprägt: Er ist Buddhist, meditiert jeden Morgen zuhause. Oder auch mal auf dem Dach der alten Scheune in Großholz, in einer größeren Gruppe. Denn das gibt ihm richtig viel: "To'n Anfang vun disset Johr hebb ik markt, dat dat allens en beten veel is. Un dat wat mi an'n meersten hulpen hett, Kraft to finnen un wedder op'n Weg to kamen, dat weer de Buddhismus."

Immer weiter machen, immer einen Weg haben

Ein Osteopath behandelt das Fußgelenk einer Frau. © NDR Foto: NDR
Osteopathie gehört zur Alternativmedizin. Der Grundgedanke: Alles im Körper hängt irgendwie zusammen.

Jan-Oles Papa Gerd ist vor zweieinhalb Jahren verstorben. Aber in der gemeinsamen Zeit habe er sich viel abgeschaut, sagt der 26-Jährige: Dass es wichtig ist, einen Weg zu haben, dass man Ideen und Visionen braucht. Deshalb macht Jan-Ole mittlerweile neben dem Beruf eine Ausbildung zum Osteopathen - um die Zusammenhänge im Körper besser verstehen und weitergeben zu können.

Und er macht längst nicht mehr nur alleine Sport: Gemeinsam mit einem Freund hat er einen eigenen Calisthenics-Verein gegründet, die "BaltECKbars". Hier trainiert er Männer und Frauen zwischen 14 und 60 Jahren - auf der neuen Anlage im Eckernförder Kurpark. Für die hatte er sich jahrelang eingesetzt. Damit sein Team die besten Bedingungen hat.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 04.12.2022 | 19:30 Uhr

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