Nikolaus in Corona-Zeiten: Stiefel abholen mit Maske

Stand: 06.12.2020 16:12 Uhr

Stippvisite mit Maske, die Stiefel fahren auf dem Skateboard zu den Kindern. In Medelby hat man sich einiges ausgedacht, damit die Kinder trotz Corona nicht auf den Nikolaus verzichten müssen.

von Simone Steinhardt

Lennart ist aufgeregt. Der Nikolaus hat ihn nämlich nach einem Gedicht gefragt. Das trägt er jetzt vor: "Lieber guter Nikolaus, schau mich nicht so böse an, ich werd‘ auch immer artig sein, stecke deine Rute ein!" Vor der Rute muss sich Lennart gar nicht fürchten - die hatte der Nikolaus nämlich nicht dabei. Dafür aber einen gut gefüllten Stiefel mit allerhand Leckereien. "Ein Schokoladen-Nikolaus, Kinderriegel, ein Ball und eine Mandarine!", freut sich der Junge. Lennart darf sich jetzt noch einen Apfel mitnehmen. Dann verlässt er das Dörpshuus in Medelby im Kreis Schleswig-Flensburg über die Terrasse und die nächsten Kinder dürfen rein.

Idee kam vom Kirchspiel in Medelby

Insgesamt verteilt der Nikolaus allein in Medelby 83 Stiefel. Wie man in Corona-Zeiten eine Bescherung pandemiegerecht organisieren kann, darüber hatte sich Julia Christiansen vom Kirchspiel in Medelby schon im Oktober Gedanken gemacht. Das Prinzip: Die Kinder gaben ihre Stiefel einen Tag vor Nikolaus zum Befüllen ab. "Ich hatte gesehen, dass es in Schafflund ein ähnliches Projekt geben sollte. Das habe ich dann in Medelby und den Nachbargemeinden vorgestellt. Die fanden das alle gut und haben mich unterstützt", erzählt die junge Frau.

149 Stiefel wurden abgegeben

Insgesamt 149 Stiefel haben die Kinder aus Medelby und den drei Nachbargemeinden gebracht. Um das Befüllen haben sich Julia Christiansen und Susanne Richert vom Familienzentrum gekümmert. "Außerdem haben wir an jeden Stiefel eine Nummer geheftet. Damit die Kinder auch mit den richtigen Stiefeln nach Hause gehen", schmunzelt Julia Christiansen. Zum Nikolaus dürfen die Kinder dann nur zusammen mit ihren Geschwistern oder einzeln - und mit Maske.

Stiefel kommen auf pinkem Skateboard angerollt

Zu nahe kommen dürfen die Kinder dem Nikolaus natürlich auch nicht. Der Mindestabstand muss eingehalten werden. Deshalb müssen die Stiefel dann Corona-gerecht zu den Kindern kommen: Und zwar auf einem pinkfarbenen Skateboard. Das schubst der Nikolaus mit einem kleinen Kick seiner schwarzen Stiefel zu den Kleinen. Und die sind ganz glücklich darüber, dass der Mann mit dem langen weißen Bart trotz Corona in ihr Dorf gekommen ist. "Toll, dass der nicht in Quarantäne ist. Sonst hätte Nikolaus ja ausfallen müssen!", sagt eines der Kinder.

Leuchtende Kinderaugen sind der Lohn

Der Nikolaus, der im richtigen Leben Wilfried Bossen heißt, freut sich darüber, dass die Bescherung im Dörpshuus trotz der Pandemie geklappt hat. "Wir sind sehr dankbar darüber, dass das Familienzentrum das hier möglich gemacht hat, dass wir auf diese Art und Weise den Kindern eine Freude bereiten konnten. Und die leuchtenden Kinderaugen, das ist der Lohn für den Job, den man hier macht", sagt der ehrenamtliche Nikolaus.

Lichtblick in der Pandemie

Auch Familie Möller ist froh über die Nikolaus-Aktion des Kirchspiel Medelby. "Wir kommen momentan zwar ganz gut zurecht. Die Kinder gehen zur Schule, mein Mann und ich arbeiten. Aber natürlich freuen wir uns über diese Aktion hier", sagt Levke Möller. Sie steht mit ihrem Mann und den beiden Söhnen Lasse und Momme in der Schlange vor dem Dörpshuus. Der sechsjährige Lasse freut sich vor allem auf die Naschereien. Macht er sich Gedanken, ob er auch den richtigen Stiefel bekommt? "Nee! Da steht doch unsere Nummer drauf!", sagt er selbstsicher.

Mit dem Bürgerbus in die Nachbargemeinden

Nach gut einer Stunde hat der Nikolaus in Medelby alle Stiefel an die Kinder verteilt. Dann schultert er seinen Jutesack, steigt in den schneeweißen Bürgerbus und macht sich auf den Weg in die Nachbargemeinden - um dort noch mehr Kinder glücklich zu machen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 06.12.2020 | 19:30 Uhr

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