Stand: 05.07.2017 08:07 Uhr

Nach der Geflügelpest: Züchter atmen auf

von Jörn Schaar
Eine tote Reiherente schwimmt am Ufer des Großen Plöner Sees © dpa-Bildfunk Foto: Carsten Rehder
Tote Wildvögel am Plöner See: Ende 2016 kam die Geflügelpest nach Schleswig-Holstein.

Die Geflügelzüchter und -mäster im Land sind mit einem blauen Auge davongekommen. Von November 2016 bis Mitte März 2017 war Schleswig-Holstein fest im Griff der hochpathogenen aviären Influenza, wie die Geflügelpest wissenschaftlich heißt. Insgesamt mussten in dieser Zeit 72.700 Tiere getötet werden. Betriebsschließungen gab es wegen der Geflügelpest nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums jedoch nicht.

Millionen-Hilfe für Züchter

Alle Betriebe seien aus dem Tierseuchenfonds entschädigt worden, in den sie selber regelmäßig einzahlen, um für Fälle wie die Vogelgrippe gerüstet zu sein. Alles in allem haben die Betriebe 2,24 Millionen Euro bekommen. Darin enthalten war auch die Grobreinigung der Ställe. Das allein reichte jedoch nicht, sagt ein Betroffener: "Wir mussten alles komplett desinfizieren, jeder Nagel wurde hier eingesprüht", berichtet Stefan Anders, Betriebsleiter des Dithmarscher Gänsemarktes in Gudendorf.

4.000 gesunde Gänse getötet

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Weil in der Nähe seiner Ställe in Gudendorf und in Eddelak tote, mit Geflügelpest infizierte Wildvögel gefunden worden waren, musste Anders seine Tiere töten lassen. "Die waren kerngesund, aber so ist das Gesetz, da kann man nichts machen", erzählt er. "Das fühlt sich nicht gut an." Der Tierseuchenfonds habe ihn gut entschädigt, für jede tote Gans gab es so viel Geld, dass kein Verlust entstand. "Das Problem sind die Folgekosten: Wir mussten auch 1.500 Zuchtgänse töten und deshalb fehlen uns in diesem Jahr 75.000 Eier und Küken. Das ist ein sechsstelliger Betrag, den wir aus der Mast und dem Verkauf der Gänse wieder reinholen müssen. Wegen der langen Einstallphase war außerdem die Legeleistung Anfang des Jahres sehr schlecht", so Anders. Eine Versicherung für solche Folgeschäden hat der Betrieb in Gudendorf nicht.

Reine Mastbetriebe hatten weniger Probleme

Auf Höfen wie in Grevenkop im Kreis Steinburg waren zwar mehr Tiere betroffen, die getötet werden mussten. Dort wurden Gänse aber nur gemästet, nicht gezüchtet. Nach der Desinfektion der Ställe und einer gewissen Übergangszeit konnten die Betreiber mit neuen Küken weiterarbeiten. "Das war für die Kollegen sicher auch nicht einfach", sagt Anders. "Aber mit dem Geld aus dem Tierseuchenfonds ist ihnen zumindest kein Verlust entstanden." Trotzdem, sagt er, habe sein Betrieb die Geflügelpest noch gut überstanden: "Die Dithmarscher Gans wird größtenteils bei Vertragslandwirten in Freilandhaltung aufgezogen, der Großteil des Bestandes ist uns also erhalten geblieben. Die Legeleistung der Zuchtgänse stimmt auch langsam wieder, also wir kommen wieder in ruhiges Fahrwasser." Auch die ersten Bestellungen für Weihnachtsgänse seien schon eingegangen, so Anders.

Ministerium: Schwerste Epidemie seit Beginn der Aufzeichnungen

Laut der Pressesprecherin des Landwirtschaftsministeriums, Nicola Kabel, war es die schwerste und am längsten andauernde Epidemie der hochpathogenen aviären Influenza seit Beginn der Aufzeichnungen. "Insgesamt waren 29 europäische Staaten betroffen, in einigen ist die Krankheit auch heute noch nicht unter Kontrolle", sagt Kabel. Vor allem Kleinhaltungen in Belgien, Luxemburg und den Niederlanden seien aktuell noch betroffen und auch außerhalb Europas grassiere die Geflügelpest weiter. "Grundsätzlich müssen wir davon ausgehen, dass in den Wintermonaten die Geflügelpest auch bei uns wieder ausbrechen kann", so Kabel weiter. Wie groß das Risiko für den kommenden Winter ist, könne man aber nicht einschätzen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 05.07.2017 | 09:00 Uhr

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