Stand: 02.07.2019 14:53 Uhr  - Schleswig-Holstein Magazin

Mietraum-Mangel: Sind Wohnprojekte die Lösung?

Sie streichen, tapezieren und rücken Möbel umher. Die ersten sind schon eingezogen, einigen künftigen Bewohnern steht der Einzug noch bevor. In Eutin hat sich eine Gruppe formiert - bis zu 20 Menschen im Alter von 8 bis 68 Jahren. Die meisten von ihnen kommen aus Deutschland, einige aber auch aus dem Irak. Aus einem Hotel wollen sie mitten in Eutin ein Wohnprojekt machen. Denn genau wie in Kiel oder Lübeck explodieren auch in Ostholstein speziell in Eutin die Mieten.

Ist das Mietshäuser Syndikat die Lösung?

Fast 20 Prozent mehr müssen die Eutiner im Vergleich zu 2014 für ihre Mieten bezahlen. Außerdem wird der Wohnraum, gerade für kleinere Wohneinheiten immer knapper. Nach Schätzungen des Kreises Ostholstein werden bis 2030 etwa 6.500 neue Wohneinheiten gebraucht. Eine kreative Lösung kommt aus Freiburg: das Mietshäuser Syndikat. Dahinter steckt ein deutschlandweiter Verbund für Wohnraumsicherung für Bewohner.

500.000 Euro Eigenkapital nötig

Christian Bielke ist einer von den künftigen Bewohnern. Gemeinsam haben sie die Haus GmbH "Analog 6.8 GmbH" gegründet. Wie seine anderen Mitbewohner kann aber auch er das erforderliche Eigenkapital für das Wohnprojekt nicht alleine aufbringen. Denn um aus dem Hotel in Eutin ein Wohnprojekt zu machen, sind zwei Millionen Euro erforderlich. Eine halbe Million muss als Eigenkapital erbracht werden. Dann sind auch die Banken an Bord und finanzieren das Projekt mit. "Wir bekommen das Geld von Menschen, die uns überhaupt nicht kennen", erklärt Bielke das Modell rund um das Eigenkapital. Das finanziert sich durch Direktkredite. Die Geldgeber sind folglich Privatpersonen, keine Banken.

Finanzierungsmodell: Banken, Direktkredite und ein Verein

Bild vergrößern
In diesem ehemaligen Hotel in Eutin entsteht ein Wohnprojekt für bis zu 20 Menschen.

Konkret funktioniert das in Eutin dann folgendermaßen: Das Projekt wird über ein Bankdarlehen finanziert. Die Bewohner bedienen dieses mit ihren Mieten (8,50 Euro kalt pro Quadratmeter). Eigenkapitalanteile werden über die Direktkredite aufgebracht. Eigentümer der Immobilie ist die Haus GmbH. Sie besteht aus dem Hausverein und dem Mietshäuser Syndikat, das sich bundesweit an rund 200 ähnlichen Projekten beteiligt. Und diese Projekte unterstützen sich dann gegenseitig. Sie zahlen alle in einen Solidarfonds, aus dem dann neue Projekte, wie das in Eutin, mitfinanziert werden. Für Bielke ein gutes Modell: "Was ich schnell verstanden habe, ist, dass es ein sehr intelligentes Modell ist. Ein bisschen komplizierter ist die Tatsache, dass ich gleichzeitig Vermieter und Mieter bin."

Wohnen auf 900 Quadratmeter

"Das kleine Hotel" in der Albert-Mahlstedt-Straße soll so zur Hausgemeinschaft werden. Im Erdgeschoss sei eine Paar-Wohnung geplant, im Dachgeschoss könnte aus vier Appartements eine Dreier-WG mit einem Gemeinschaftsraum werden. 900 Quadratmeter Wohnfläche und 2.000 Quadratmeter Grundstück bietet das ehemalige Hotel für Bewohner, die aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Schichten kommen können. Denn das Projekt versteht sich auch als Sozialprojekt.

Erfolg seit 25 Jahren?

Risiken gibt es dennoch. Sollte ein Geldgeber der Direktkredite sein Geld zurückfordern, haben die Bewohner sechs Monate Zeit, um Ersatz zu finden. Im schlimmsten Fall kann aber die Insolvenz drohen. Doch die Bewohner sind optimistisch. "Das Risiko, Geld wirklich zu verlieren, ist nicht da. Das Mietshäuser Syndikat betreibt seit 25 Jahren erfolgreich diese Projekte", so Bielke. Getreu dem Motto "Die Häuser denen, die drin wohnen" wird die Immobilie der Haus GmbH gehören.

Seit ein paar Wochen ist der Kauf finanziell gesichert. Für die letzten Sanierungsarbeiten fehlt allerdings noch Geld. Doch die ersten Bewohner sind bereits seit dem 1. Juli eingezogen, der Rest ist optimistisch, bald nachziehen zu können.

Weitere Informationen

Wohnungslosigkeit weiterhin großes Problem in SH

17.04.2019 17:00 Uhr

Im vergangenen Jahr haben sich rund 7.500 Menschen an die Diakonie gewandt, weil sie ohne Wohnung leben oder Angst haben, ihre Wohnung zu verlieren. Laut dem Hilfswerk sind immer häufiger Frauen betroffen. mehr

Landesregierung will Mietpreisbremse abschaffen

05.03.2019 17:00 Uhr

Damit Wohnen nicht immer teurer wird, hat die Landesregierung ein Maßnahmenpaket beschlossen. Die Mietpreisbremse soll allerdings auslaufen. Dafür gab es Kritik von der Opposition. mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 02.07.2019 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

01:53
Schleswig-Holstein Magazin
02:07
Schleswig-Holstein Magazin
02:47
Schleswig-Holstein Magazin