Jugendgewalt: Mehr als 1.000 Teilnehmer bei Mahnwachen in Heide

Stand: 26.03.2023 18:44 Uhr

Auf dem Heider Südermarkt haben sich am Wochenende Hunderte Menschen zu zwei Mahnwachen versammelt. In der Stadt gibt es immer wieder große Probleme mit Jugendkriminalität.

Am Sonntag kamen laut Schätzungen der Polizei rund 1.000 Teilnehmer zum Südermarkt. Auch viele Jugendliche beteiligten sich an der Versammlung, zu der Gewaltpräventionsberater Carsten Stahl aufgerufen hatte. Unter dem Motto "Gemeinsam für Respekt und Toleranz – zum Schutz unserer Kinder" sprach der frühere Personenschützer auf einer Bühne über das Thema Gewalt und Mobbing. Auch die Mutter einer 13-Jährigen, die vor einem Monat von anderen Mädchen, geschlagen, gequält und gedemütigt worden war, richtete einige Worte an die Teilnehmer. "Ich hoffe, dass wir etwas bewegen können hier in Heide, in Dithmarschen beziehungsweise in Schleswig-Holstein und in Deutschland. Auch wenn es nur eine Kleinigkeit ist - ich wünsche es mir so", sagte sie. Am Sonntag sprach sie zum ersten Mal zu Menschen, die Mobbing, psychische und physische Gewalt unter Jugendlichen nicht länger hinnehmen wollen.

Bike SH mit Zeichen gegen Angst, Hass und Jugendgewalt

Bereits am Sonnabend setzte die Bikervereinigung Bike SH mit einer Mahnwache ein Zeichen gegen Angst, Hass und Jugendgewalt. Dutzende Motorradfahrer versammelten sich auf dem Marktplatz, viele weitere Menschen schlossen sich der Aktion und dem Motto "Keine Gewalt zwischen und gegen Jugendliche" an. Laut der Polizei-Leitstelle West waren mehr als 250 Teilnehmende bei Biker-Demo.

Auch Heides Bürgermeister Oliver Schmidt-Gutzat (SPD) beteiligte sich am Sonnabend. "Ich finde die Veranstaltung sehr gut, weil wir eine Öffentlichkeit für das Thema brauchen und eine Öffentlichkeit für das Problem. Es ist die dritte Mahnwache in einem Jahr aus Anlass von Fällen der Gewalt. Ich habe immer gesagt, dass wir als Gesellschaft gefragt sind. Alle Institutionen müssen an einem Strang ziehen", sagte Schmidt-Gutzat. Er betonte, dass er es schade findet, wenn viele nach einer Mahnwache wieder in den Alltag übergehen. Öffentliche Räume dürften nicht den Straftätern überlassen werden.

Immer wieder Probleme mit Jugendkriminalität auf Südermarkt

Drei Menschen stehen zusammen. Es sind der Bürgermeister der Stadt Heide (Oliver Schmidt-Gutzat von der SPD) sowie Jörg Zydek und Johanna Sterrenberg von dem Verein DLzG BIKE SH © NDR Foto: Sofia Tchernomordik
Die Organisatoren der Mahnwache: Heides Bürgermeister Oliver Schmidt-Gutzat (SPD), Jörg Zydek und Johanna Sterrenberg (v.l.).

In Heide hatte es im vergangenen Jahr große Probleme mit Jugendkriminalität auf dem Südermarkt gegeben, weswegen vorübergehend ein Kontrollgebiet eingerichtet worden war. Laut den Organisatoren gab es auch in den vergangenen Monaten wieder mehrere Fälle von Gewalt gegen Jugendliche, aber auch unter Jugendlichen selbst - wie zum Beispiel der gewaltsame Übergriff auf ein 13-jähriges Mädchen in Heide. Das Mädchen war vor einem Monat von anderen Mädchen, geschlagen, gequält und gedemütigt worden. Das Ganze wurde auch gefilmt und in mehreren sozialen Netzwerken tausendfach geteilt.

Jugendliche sehen Lehrer in der Pflicht frühzeitig aktiv zu werden

Auch viele Jugendliche nahmen an der Mahnwache teil. Gegenüber NDR Schleswig-Holstein teilten einige mit, dass ihrer Meinung nach neben den Eltern, die Schulen und besonders die Lehrer mehr in die Pflicht genommen werden sollten. Sie sollten die Jugendlichen ernster nehmen, findet beispielsweise die 17-jährige Davina. Sie selbst und auch andere Schülerinnen und Schüler hätten sich wegen verschiedener Vorfälle an Lehrkräfte gewandt, doch es sei nichts passiert. "Wenn wir uns schon jemandem zuwenden und sagen "Ey, wir brauchen Hilfe!", dann machen wir das ja nicht aus Spaß. Und dann wird oft gesagt: "Wir warten ab", "Wir warten ab, ob etwas passiert", "Das ist noch nicht so schlimm"", so die Schülerin aus Heide. Es werde nie etwas gemacht. "Ich glaube auch, wenn dieses Video von diesem Mädchen nicht so bekannt geworden wäre, dann wäre da, glaube ich, auch nichts passiert."

Schmidt-Gutzat sieht das Land in der Pflicht und fordert mehr Polizeipräsenz im Alltag. Rund 15.300 Tatverdächtige in Schleswig-Holstein waren nach der Polizeilichen Kriminalstatistik 2022 unter 21 Jahre alt. Das waren 21,8 Prozent aller Tatverdächtigen und eine leichte Steigerung im Vergleich zum Vorjahr. Zu der Altersgruppe zählten 19,2 Prozent der Gesamtbevölkerung.

VIDEO: Schmidt-Gutzat: Öffentliche Räume nicht Straftätern überlassen (3 Min)

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 26.03.2023 | 17:00 Uhr

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