Stand: 20.11.2018 17:01 Uhr

Haftstrafen im Prozess um Geldtransporter-Raub

Im Prozess um einen Millionen-Raub aus einem Geldtransporter an einer Tankstelle in Kirchbarkau (Kreis Plön) hat das Landgericht Kiel ein Urteil gefällt. Das Landgericht sah es als erwiesen an, dass die beiden Männer Anfang Januar während einer Tour von Hamburg nach Kiel rund 2,4 Millionen Euro Bargeld aus dem Geldtransporter in ein anderes Fahrzeug umluden. Für diesen Diebstahl mit Waffen verhängte das Gericht Freiheitsstrafen von drei Jahren und zehn Monaten gegen den 41-jährigen Fahrer. Das Strafmaß gegen seinen 48-jährigen Komplizen wurde auf drei Jahre und drei Monate Haft festgelegt. Damit blieb das Gericht unter den von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafen. Die Anklagebehörde hatte sich für sechs beziehungsweise fünf Jahre und neun Monate ausgesprochen - die Verteidiger hatten Bewährungsstrafen gefordert.

Frei trotz Haftstrafe

Trotz ihrer Verurteilung zu mehrjährigen Haftstrafen sind der Fahrer und dessen Komplize vorerst wieder auf freiem Fuß. Die Große Strafkammer des Kieler Landgerichts setzte am Dienstag mit dem Urteil den Vollzug der Haftbefehle gegen beide Angeklagte vorerst aus. Allerdings müssen sich beide Männer zwei Mal pro Woche bei der Polizei melden und ihre Ausweise abgeben. Die Fluchtgefahr schätzten die Richter angesichts der Auflagen und der stabilen privaten Verhältnisse der geständigen Angeklagten als sehr gering ein. Beide wohnen in Hamburg und sind Familienväter. Eine sofortige Beschwerde der Staatsanwaltschaft hatte die Kammer zuvor zurückgewiesen. Die Angeklagten saßen seit März in Untersuchungshaft.

Über Wochen hatte der Fall Anfang des Jahres für Schlagzeilen gesorgt: Auf dem Weg von Hamburg nach Kiel verschwanden 2,4 Millionen Euro aus einem Geldtransporter. Ende März konnten die Ermittler den größten Teil der Beute wiederfinden. Seit Anfang September wurde der Fall vor dem Landgericht Kiel verhandelt.

Geld verschwand in Kirchbarkau

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Die Angeklagten sitzen im Landgericht Kiel neben ihrer Dolmetscherin Margaretha Filipinski. Im Laufe des Prozesses hatten sie die Tat gestanden.

Nach Ansicht der Richter stoppte der Fahrer des Geldtransporters den Wagen auf dem Weg von Hamburg nach Kiel an einer Tankstelle bei Kirchbarkau. Dort schickte er den Beifahrer Kaffee holen. Gemeinsam mit seinem Komplizen, der bereits mit einem gemieteten Transporter an der Tankstelle wartete, verlud der Fahrer einen mehr als 100 Kilogramm schweren Geldbehälter mit 2,4 Millionen Euro.

Laut Urteil müssen die Männer der Sicherheitsfirma nun rund 92.000 Euro Schadenersatz leisten. Das Gericht sprach dem Unternehmen aber eine deutliche Mitschuld an der Tat zu: Es habe es den Angeklagten leicht gemacht, sagte der Vorsitzende Richter Michael Scheck. So sei etwa der sogenannte "Bundesbank-Modus" nicht wie vorgeschrieben eingeschaltet gewesen, der ein unbemerktes Öffnen der Heckklappe unmöglich gemacht hätte. Zudem hätte der Fahrer besser kontrolliert werden müssen, weil die Firma gegen ihn bereits in anderem Zusammenhang ermittelte.

Rolle des Beifahrers durchaus kritisch

Die Rolle des nicht angeklagten Beifahrers sah das Gericht durchaus kritisch. Es sei nicht ausgeschlossen, dass der Mann in Details der Tat eingebunden gewesen sei, sagte der Vorsitzende Richter. Auch hätte er mit fast geschlossenen Augen im Tatfahrzeug sitzen müssen, um nicht zu sehen, dass eine Straftat begangen werde. Der Mann hatte vor Gericht die Aussage verweigert. Die Ermittlungen gegen ihn waren von der Staatsanwaltschaft nach der wochenlangen Überwachung eingestellt worden.

Die gestohlene Millionensumme wurde dem Unternehmen inzwischen zurückgegeben - bis auf 87.000 Euro. Die beiden Täter hatten von dem Geld unter anderem Gebrauchtwagen gekauft, in denen sie ihre Beute versteckten. Sie wurden wochenlang von der Polizei überwacht und schließlich festgenommen, als sich die Hinweise verdichteten, dass sie für den Millionenraub verantwortlich sind.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 20.11.2018 | 17:00 Uhr

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