Stand: 11.10.2016 15:14 Uhr  - Panorama 3  | Archiv

Gift-Opfer kämpfen um Anerkennung

von Mareike Burgschat & Mareike Fuchs

Heino Blesin kämpft seit mehr als einem Vierteljahrhundert. Zunächst gegen die Fieberschübe, die innerhalb von Minuten seinen Körper einnahmen, ihn auf 41 Grad Celsius anheizten - so stark, dass immer wieder der Notarzt kommen musste. Dann kämpfte er gegen den Krebs, der sich vom Rücken immer weiter ausbreitete. Und die ganze Zeit kämpft er gegen seine Berufsgenossenschaft. Denn verantwortlich für sein Leiden, davon ist der Hafenarbeiter überzeugt, ist jener 31. Juli 1989, als ihn sein Arbeitgeber auf einen Ponton schickt, um Rutilsand abzuladen.

Gift-Opfer kämpfen um Anerkennung

Panorama 3 -

Nach einem Chemieunfall wurde der Frachter "Oostzee" in Brunsbüttel entladen. Viele Helfer erkrankten darauf an Krebs. Doch keiner der Fälle wurde bisher als Folge des Einsatzes anerkannt.

4,56 bei 9 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Giftige Ladung wurde in Brunsbüttel gelöscht

Zwei Wochen zuvor war in der Nordsee der holländische Frachter "Oostzee" havariert. Er wurde dann nach Brunsbüttel geschleppt, dort sollte die Ladung gelöscht werden. Der Frachter hatte giftiges Ephichlorhydrin geladen.

Arbeiten ohne Schutzkleidung

Bei der Bergung beginnt eine Serie von Pannen und für Heino Blesin ein langer Leidensweg. Auf Holzpaletten stapeln sich die Sandsäcke, einige sind aufgerissen, Sand rieselt heraus, weht Blesin immer wieder ins Gesicht. Dennoch macht Blesin sich keine Sorgen "man hatte uns eine Unbedenklichkeitsbescheinigung gezeigt, dass der Sand nicht giftig ist", sagt er. Also legen sie los, nur mit Latzhose, in kurzem T-Shirt - ohne Atemschutz, ohne Handschuhe, geschweige denn mit einem Schutzanzug.

Ephichlorhydrin

Ephichlorhydrin ist eine hochgiftige, farblose Flüssigkeit. Sie verätzt die Atemwege und kann über die Luft, die Haut oder die Nahrung aufgenommen werden. Im Tierversuch wurde sie als eindeutig krebserregend erkannt. Beim Menschen steht sie im Verdacht, Krebs zu erzeugen. Der Stoff wird unter anderem zur Klebstoffherstellung verwendet.

Nach einer Dreiviertelstunde merkt Blesin, dass etwas nicht stimmt. "Ich hatte einen sauren Geschmack auf der Zunge, es brannte und der Speichel war ganz klebrig," erinnert er sich. Nach einigen Stunden schlägt er Alarm. Die Arbeiten werden gestoppt, ein Bediensteter des Gewerbeaufsichtsamtes misst den Sand noch einmal nach - und stellt fest, dass der Sand kontaminiert ist.

Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 11.10.2016 | 21:15 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

02:27
Schleswig-Holstein Magazin

Netzausbau in SH kommt gut voran

Schleswig-Holstein Magazin
02:41
Schleswig-Holstein Magazin
03:46
Schleswig-Holstein Magazin