Stand: 26.04.2020 12:24 Uhr

Die Hüterin der Gemeindewappen in SH

von Werner Junge

Im Prinzenpalais in Schleswig ist das Landesarchiv Schleswig-Holstein beheimatet. Es entstand als Preußisches Staatsarchiv vor genau 150 Jahren. Die Feiern müssen wegen Corona ausfallen. Trotzdem wird in dem Palais mit modernem Anbau weiter gearbeitet. Und eine wichtige Person ist hier Dr. Elke Strang. Sie kümmert sich um die rund 1.000 Gemeindewappen in Schleswig-Holstein.

Strang: "Gelb ist keine Farbe"

Dr. Elke Strang © NDR Foto: Werner Junge

AUDIO: SH-Schnack: Elke Strang - Gelb ist keine Farbe (11 Min)

"Gelb ist keine Farbe", sagt Elke Strang. Die Wappenkunde - oder auch Heraldik genannt - hat etwas andere Regeln. Gelb steht nämlich für Gold, Weiß für Silber. Die beiden Metalle sollen sich in Wappen immer mit den Farben rot, grün, blau und schwarz abwechseln. Das gilt schon seit dem Mittelalter. Die Ritter in ihren Rüstungen waren von Freund und Feind nur an ihrem Schild zu erkennen. Dann ist es besser, wenn ein Wappen von Weitem erkennbar ist. Und deshalb ist die Klarheit bis heute zentrale Forderung der Heraldiker. Der vorgeschriebene Wechsel der hellen "Metalle" und der Farben trägt dazu bei. Der große Wappenboom ist inzwischen vorbei, oft kommen heute neue nur durch Gemeindefusionen dazu.  

Ähren, Mühlen und Eichen

Ähren, Mühlen, Eichen und gerne auch Wellen wünschen sich die meisten Gemeinden für ihr Wappen. Weil fast alle dieselben Motive wollen, bestünde die Gefahr, dass sich am Ende alle Wappen ähneln. Doch die Heraldik hat zum Ziel, klar unterscheidbare Zeichen zu schaffen. Was ist für eine Gemeinde typisch, was hat ihre Geschichte geprägt? So wird nach einem passenden Wappen gesucht.

Elke Strang steht vor einer gelben Gebäudefassade und lächelt. © Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek
Elke Strang ist die Hüterin der Wappen im Landesarchiv Schleswig-Holstein.

Am Ende kommt dann etwa ein typisches Bauwerk wie der Wasserturm von Hohenlockstedt in ein Wappen. Gebe es in einer Gemeinde einen Disneypark oder wäre jeder zweite dort Donaldist, würde das Landesarchiv auch Donald Duck als Wappenfigur zulassen, versichert Strang. Allerdings müssten dafür die Urheberrechte geklärt sein. Das Disney das erlaubt, ist wohl eher unwahrscheinlich.

'Früher war mehr Lametta': Wappen im Wandel

Das geflügelte Wort von Loriot, 'Früher war mehr Lametta', gilt auch für die Heraldik. Noch im 19. Jahrhundert waren Wappen nicht nur reich umrankt und umkränzt, sondern oft auch sehr kleinteilig. Heute liebt man es schlicht. Klar erkennbar sollen sie sein, sagt Elke Strang. Ob das immer gelungen ist, können Interessierte selbst auf der Internetseite des Landesarchivs nachsehen. Dort sind nicht nur Tipps für den Weg zum eigenen Gemeindewappen, sondern auch alle Wappen und Flaggen der Gemeinden des Landes zu finden.

Die bunten Bilder sind dabei für Elke Strang nur zur Illustration da. Wichtig ist die Textbeschreibung, mit der man das Wappen zeichnen könnte, ohne es je gesehen zu haben. Auch interessant: Alles wird "von oben gesehen" beschrieben. Das hat historische Gründe. Der Ritter sah sein Schild vom Pferd von oben. Damit ist zum Beispiel das Nesselblatt des Landeswappens links und nicht rechts, wie man es von vorne sieht.

Die Bedeutung des Landeswappens

Das Wappen von Schleswig-Holstein © Gemeinfrei Foto: Jürgen Krause
Das Wappen von Schleswig-Holstein. Sind wirklich Löwen darauf abgebildet?

Das Landeswappen ist nicht Sache des Landesarchivs, sondern des Landes. An ihm lässt sich jedoch schön erklären, wie sich Wappen verändern und entwickeln. Von vorne gesehen prangt auf der rechten Seite rot-weiß das "Nesselblatt". Als solches sehen wir es heute, im Ursprung ist jedoch ein mit Leder bespanntes Schild das Symbol für Holstein.

Links sind die zwei Löwen abgebildet. Sie stehen für Schleswig. Damit man sah: Das Herzogtum ist Teil des Königreiches Dänemark und führte so die Löwen des dänischen Königs. Weil der natürlich wichtiger war als der Herzog, blieben für Schleswig von drei nur zwei Löwen. Die Heraldiker sagen, es sei ein "gemindertes Wappen".

Übrigens ist strittig, ob es wirklich Löwen oder vielleicht doch Leoparden sind. Die Vielleicht-Löwen und das Nicht-Nesselblatt kamen erstmals 1649 zusammen. Die damalige Verwaltung beider Herzogtümer in Glückstadt nutzte sie auf einem Siegel. Wie auch im Vorbild liefen die Löwen nach links und damit aus dem Wappen raus. Dass die Tiere dem Nesselblatt ihren Hintern zeigten, empfanden die Preußen gut zwei Jahrhunderte später als nicht schicklich. Weil sie Schleswig und Holstein mit einem Bindestrich zu einer Provinz einten, drehten sie die Löwen um. Sie laufen heute im Allianzwappen nach Holstein.

Eine Abbildung des Glückstädter Wappens. © Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek
Das Siegel der Glückstädter Kanzlei.
Strang: Bitte keine Wettbewerbe

Wer die Heraldikerin Elke Strang fragt, was sie gar nicht mag, bekommt spontan als Antwort: "Wettbewerbe". Der Gedanke, Ideen und Entwürfe für ein Wappen durch einen Wettbewerb zu ermitteln, ist verlockend. Er endet jedoch eigentlich immer mit Frust und Enttäuschung vor Ort, sagt Strang. So auch auf Sylt. Der Sieger eines Wettbewerbes dort hatte den Umriss der Insel als zentrales Element gewählt. Elke Strang musste das Wappen ablehnen.

Für die Wappenrolle ist ja - wie gesagt - nicht das Bild, sondern die eindeutige Beschreibung im Wort entscheidend. Der Umriss der Insel Sylt ist nicht in Worte fassbar. Elke Strang betont deshalb: Wer als Gemeinde ein Wappen will, sollte sich beraten lassen. Das Landesarchiv hilft gern.

Weitere Informationen
Elke Strang steht vor einer gelben Gebäudefassade und lächelt. © Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 28.04.2020 | 20:05 Uhr

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