Stand: 23.03.2020 07:44 Uhr

Ambulante Pflege in der Corona-Krise

Die Mitarbeiter der Pflegedienste gehören oft zu den letzten regelmäßigen sozialen Kontakten, die ältere Menschen überhaupt noch haben. Gerade in Zeiten des "Social Distancing", also des Abstandhaltens, um die Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 zu verhindern, eine Gratwanderung: Die Pflegerinnen und Pfleger wollen für ihre Klienten da sein, ihnen zuhören, sie versorgen und trösten - ohne dabei ihre eigene Gesundheit oder die der Seniorinnen und Senioren zu gefährden. Schließlich kann es gerade für Ältere lebensbedrohlich werden, sich mit dem Coronavirus anzustecken.

Händedesinfizieren - immer wieder

Ein ganz normaler Start in den Arbeitstag in Zeiten der Coronakrise beim DRK in Lübeck: Pflegedienstleiterin Katja Langfeldt bespricht mit ihrer Kollegin Jane Kroll, wen sie heute Vormittag versorgen werden. Das Wichtigste: "Bei uns gibt es weiterhin keine Verdachtsfälle auf Corona", sagt Katja Langfeldt. Zuerst besuchen sie Heinrich Karwinski. Jane Kroll legt dem 85-Jährigen routiniert Kompressionsstrümpfe an. Dass sie ihren Klienten bei der Arbeit sehr nah kommt, lässt sich auch in Corona-Zeiten nicht vermeiden - Sorgen macht sie sich deswegen nicht. "Danach desinfizieren wir uns sofort die Hände, deshalb trage ich jetzt auch keine Handschuhe."

Viele Senioren brauchen gerade jetzt jemanden zum Reden

Brigitte Karwinski ist froh, dass der ambulante Pflegedienst jeden Tag vorbeikommt. Ihre Hände machen ihr Probleme, deshalb kann sie ihrem Mann die Strümpfe nicht anziehen, erzählt sie achselzuckend. Außerdem genießt sie den Austausch mit DRK-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern: "Der Kontakt ist mir sehr wichtig. So fühlen wir uns nicht so abgeschnitten." Die DRK-Mitarbeiterinnen spüren, dass ihre Kunden gerade jetzt in Zeiten der Corona-Krise besonders großen Redebedarf haben. Heinrich Karwinski schimpft über Jugendliche, die Corona-Partys feiern und schwärmt von den Nachbarn, die die Einkäufe erledigen. Die Frauen vom Pflegedienst hätten gerne mehr Zeit für solche Gespräche - ihre Arbeitstage sind allerdings knapp getaktet. Trost und Zuspruch gibt es gerade nur mit dem nötigen Sicherheitsabstand, sagt Jane Kroll: "Körperkontakt, Händeschütteln, das geht derzeit nicht. Auch Kuscheln, mal in den Arm nehmen, das ist leider derzeit nicht möglich."

Die Hoffnung: Mehr Wertschätzung für die Pfleger

Herr Karwinski ist versorgt - die nächsten Klienten warten. Die Mitarbeiterinnen des DRK helfen bei der Pflege, geben Spritzen, manchmal kaufen sie auch für ihre Klienten ein. In Zeiten von leer gefegten Toilettenpapierregalen kein leichtes Unterfangen. Trotz der erschwerten Bedingungen wirken die beiden Mitarbeiterinnen des DRK entspannt und optimistisch. Katja Langfeldt hofft, dass alle im Team gesund bleiben und weiter für die Klienten da sein können. Und sie hat einen Wunsch für die Zukunft: "Wenn der Pflege, wenn wir alles überstanden haben, mal ein Dankeschön entgegengebracht wird. Das wäre das Schönste."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Magazin | 21.03.2020 | 19:30 Uhr

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