Stand: 05.10.2018 20:46 Uhr

Radioaktive Strahlen? Bundeswehr irritiert mit Messung

Im Landkreis Emsland breiten sich Ärger und Verunsicherung aus. Spezialisten der Bundeswehr haben das Gebiet des Moorbrands bei Meppen auf Spuren von Radioaktivität untersucht. Messungen am Freitag ergaben keine Hinweise auf Strahlenbelastung - und Behörden und Bundeswehr zufolge war das auch nicht anders zu erwarten. Warum also diese Analysen? Empört reagierte Reinhard Winter, Landrat des Landkreises Emsland: "Das wäre doch überhaupt nicht nötig, wenn man keine Radioaktivität hätte", sagte er NDR 1 Niedersachsen. "Wenn man sich jetzt wieder ein Hintertürchen öffnet, dann ist das schon eine Frechheit."

Qualm am Horizont.

Radioaktive Strahlung durch Moorbrand?

Hallo Niedersachsen -

Auf dem Bundeswehr-Testgelände bei Meppen wurden über Jahrzehnte Waffen getestet. Wurde durch den Brand radioaktive Strahlung frei? Die Bundeswehr verneint. Untersuchungen laufen.

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"Keine Hinweise, dass Uranmunition getestet wurde"

Die Untersuchung sei eine rein vorsorgliche Maßnahme, sagte Jens Flosdorff, Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums, am Freitag in Berlin. "Wir haben keine Hinweise darauf, dass jemals auf dem Gelände Uranmunition getestet worden ist", erklärte Flosdorff. Auch die niedersächsische Landesregierung hat eigenen Angaben zufolge keine Hinweise darauf, dass auf dem Bundeswehrgelände radioaktive Munition verschossen wurde.

Feuerwehr "überrascht" von Radioaktivitätsmessungen

Bundeswehr und auch der Landkreis hatten stets mitgeteilt, es gebe keine Gesundheitsgefahr durch den Moorbrand. Die Information, dass möglicherweise giftige Stoffe aus Munitionsresten freigesetzt worden sein könnten, sei für den Landkreis Emsland neu, so ein Sprecher. "Dass jetzt radioaktive Belastungen von der Bundeswehr untersucht werden, überrascht", sagte auch der Sprecher der Kreisfeuerwehr, Lambert Brand. "Dass dort Blindgänger und alte Munition liegen, war den Helfern bekannt." Deshalb konnte die Feuerwehr auch nicht direkt an die Brandherde heran, weshalb sich die Löscharbeiten über Wochen hinzogen.

Quecksilber oder Schwermetalle freigesetzt?

Geprüft wird auch, ob Quecksilber oder anderes Schwermetall freigesetzt worden sein könnte. Diese Überprüfung findet laut Bundeswehr jedes Jahr statt. Wie das NDR Regionalmagazin Niedersachsen 18.00 berichtet, führt die Bundeswehr nach Angaben von Landrat Winter auf dem Gelände Tests mit wolframhaltiger Munition durch, einem Schwermetall. Wenn dieses in kleinste Teilchen zerberste, sei es sehr gefährlich, berichtet das Magazin. Diese Teilchen könnten beim Einatmen in die Lunge eintreten und seien Studien zufolge krebserregend. Wolfram sei zudem wasserlöslich. Auf dem Gelände werden seit Ende des 19. Jahrhunderts Waffen getestet. Nach Angaben der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ) sind unter anderem quecksilberhaltige Sprengkörper der Nationalen Volksarmee der DDR verschossen worden. "In der kommenden Woche soll die nächste sogenannte große Wasseruntersuchung stattfinden", teilte die Bundeswehr mit und versprach: "Über die Ergebnisse wird die Bundeswehr weiterhin kontinuierlich und transparent berichten."

Vorwurf: Zu früh Entwarnung gegeben

Mangelnde Transparenz wird der Bundeswehr zurzeit in Bezug auf die Luftmessungen vorgeworfen: Sie habe zu früh Entwarnung gegeben - einen Tag nach der riesigen Rauchwolke, die über den ganzen Norden gezogen war. Aber lagen da schon ausreichende Messergebnisse für die Entwarnung vor? Am Donnerstag hatte die NOZ berichtet, dass einige Luftmessungen, auf die sich Bundeswehr und Landkreis bezogen hatten, nie durchgeführt wurden. Ab der Nacht vom 18. auf den 19. September habe es lediglich Kohlenmonoxid-Messungen gegeben, genauere Prüfungen erst am 20. September. Landrat Winter wies das am Freitag zurück: "Das ist belegbar nicht wahr", so Winter. "Es liegen Messungen vom 18. September vor, die zeigen, dass weder Bevölkerung noch Einsatzkräfte einer akuten Gesundheitsgefährdung ausgesetzt waren." Das Feuer war am 3. September ausgebrochen, nachdem ein Unternehmen im Auftrag der Bundeswehr Raketen von einem Hubschrauber abgeschossen hatte.

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Dieses Thema im Programm:

NDR//Aktuell | 05.10.2018 | 16:00 Uhr

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