Nach Skandal am Schlachthof Bad Iburg: Geldstrafe für Fahrer

Stand: 12.10.2020 12:35 Uhr

Ein Tiertransport-Fahrer ist vom Amtsgericht Bad Iburg wegen Tierquälerei zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Er hatte Rinder in den Schlachthof geliefert, die krank und nicht transportfähig waren.

von Birgit Schütte

Der 43 Jahre alte Mann hatte am Montag vor Gericht die Anklagepunkte eingeräumt. Er bedauere sein damaliges Verhalten, ließ er über seinen Anwalt mitteilen. Laut Gericht hatte der Mann kranke und nicht transportfähige Rinder per Kettenzug vom Lkw geholt. Diese hätten dabei erhebliche Schmerzen erlitten, so die Kammer. Der Prozess gegen einen weiteren Fahrer wurde abgesagt, weil dieser einem schriftlichen Strafbefehl zugestimmt hat, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet.

Tierschützer filmen vier Wochen

Die Bilder von Tieren, die an Seilwinden in den Schlachthof im Landkreis Osnabrück gezerrt wurden, schockierten im Herbst 2018 die Öffentlichkeit. Die Initiative "SOKO Tierschutz" hatte rund vier Wochen lang heimlich am Bad Iburger Schlachthof gedreht. Weit über 100 Tiere sollen in diesem Zeitraum lebendig in den Schlachthof geschleift worden sein. Die Aufnahmen schickten die Tierschützer an das niedersächsische Landwirtschaftsministerium und an den Landkreis. Daraufhin wurde der Schlachthof geschlossen.

Veterinäre wurden entlassen

Außerdem leitete die für Landwirtschaftsstrafsachen zuständige Oldenburger Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen zahlreiche Beteiligte ein. Darunter sind beispielsweise der ehemalige Betreiber des Schlachthofs sowie die Veterinäre, die nichts gegen die Misshandlungen unternahmen. Tierärzte wurden mittlerweile entlassen. Aber es wurde auch gegen die Landwirte ermittelt, die die Tiere hätten notschlachten müssen, gegen Transportfirmen und gegen die Fahrer. "Es ist ein ganzes Netzwerk, das systematisch Straftaten begeht", sagte Friedrich Mülln von der Initiative "SOKO Tierschutz". Im August hatten zwei weitere Transporteure, die ebenfalls Tiere zum Schlachthof gefahren hatten, Strafenbefehle akzeptiert.

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Bis zu 100 Verfahren möglich

Aktuell laufen am Amtsgericht Bad Iburg rund 20 Verfahren rund um den Skandal am dortigen Schlachthof - vor allem gegen Fahrer und Landwirte. Wann die Verantwortlichen wie der Betreiber oder auch die Veterinäre vor Gericht stehen, ist nach Angaben von Gerichtsdirektorin Susanne Kirchhoff noch unklar. Laut der Oldenburger Staatsanwaltschaft gebe es insgesamt rund 100 Ermittlungsverfahren. Aber noch ist es nicht soweit, denn die Anklagebehörde in Oldenburg hat nach eigenen Angaben auch zwei Jahre nach den Vorfällen ihre Ermittlungen noch nicht abgeschlossen.

Weitere Informationen
Screenshot aus heimlichen Videoaufnahmen in einem Schlachthof.  Foto: Deutsches Tierschutzbüro e.V.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 12.10.2020 | 06:30 Uhr

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