Stand: 02.10.2018 19:02 Uhr

Moorbrand: Bis zu 120 Millionen Euro Schaden?

Seit Wochen kokelt es im Moor auf einem Bundeswehrgelände bei Meppen - und die Konsequenzen sind offenbar immens. Der Schwelbrand dürfte nach Meinung von Experten großen Schaden in der Tier- und Pflanzenwelt hinterlassen. Und nicht nur das: Zigtausende Tonnen Kohlenstoffdioxid (CO2) wurden freigesetzt. Die Folgenkosten dürften sich auf 80 bis 120 Millionen Euro belaufen, so die Leiterin des Greifswalder Moorzentrums, Franziska Tanneberger, zu NDR Info.

Moorbrand bei Meppen: Mammutaufgabe für Helfer

80 Euro Folgekosten pro Tonne

Ihren Angaben nach verbrennen auf einem Quadratmeter Moor, das bis in einen Meter Tiefe brennt, 50 Kilogramm Kohlenstoff. Das entspreche 180 Kilogramm CO2. Erste Hochrechnungen des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hatten von 500.000 Tonnen freigesetztem CO2 gesprochen, das Land gab 300.000 Tonnen an. "Ich kann mir eher vorstellen, dass es in dem Bereich zwischen einer und 1,2 Millionen Tonnen CO2 sind", so Tanneberger. Das Umweltbundesamt rechne pro Tonne CO2 mit Folgekosten von 80 Euro. Bei einer Million Tonnen wären dies 80 Millionen Euro, bei 1,2 Millionen Tonnen 120 Millionen Euro.

Große Schäden an Flora und Fauna

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Welches Nachspiel hat der Moorbrand bei Meppen?

29.09.2018 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen

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Reinhard Löhmer, Experte für Hochmoore vom BUND, warnt außerdem vor großen Schäden an Flora und Fauna. Vom Brand seien viele seltene Pflanzen betroffen, darunter über 30 Arten von Torfmoosen, außerdem Einzeller, Schmetterlinge, Libellen und Vögel. Er kritisiert, dass die Entwässerung des Moores durch offene Gräben im Vorfeld nicht gestoppt wurde. Gerade im vergangenen Jahr habe es viel Niederschlag gegeben. "Wenn man dieses Wasser durch ein entsprechendes Stausystem im Moorkörper gehalten hätte, wäre es nicht zu diesen Auswirkungen durch das Feuer gekommen", sagte Löhmer. Das niedersächsische Umweltministerium hatte bereits angekündigt, die Regeneration des Moores könne Jahre, schlimmstenfalls Jahrzehnte dauern.

Klimaaktien als Lösung?

Doch wie kann der entstandene Schaden wiedergutgemacht werden? In Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg setzt man auf den Kauf von Klimaaktien, um die Wiedervernässung von Mooren zu finanzieren. Auch eine Möglichkeit für das Emsland, so Tanneberger. So könnten "das Verteidigungsministerium oder die verantwortlichen Stellen diesen Umweltschaden kompensieren", sagt sie.

Schadensbüro nimmt Beschwerden an

Unterdessen hat die Bundeswehr eine Schadensannahmestelle eingerichtet. Hier können Bürger Schäden, die durch den Moorbrand oder die Löscharbeiten entstanden sind, melden. Die Landwirte aus der Region wenden sich dagegen in der Regel ans Landvolk, bei dem sich bislang 30 Betroffene gemeldet haben. Am Donnerstag soll ein Gutachter die Schäden dokumentieren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Logo - Das Wissenschaftsmagazin | 28.09.2018 | 21:05 Uhr

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