Stand: 10.12.2018 20:15 Uhr

Lingen: Es brannte doch im nuklearen Bereich

Der Brand in der Brennelementefabrik in Lingen am vergangenen Donnerstag ist doch im nuklearen Bereich der Anlage ausgebrochen - und nicht wie es zunächst hieß, im nichtnuklearen Bereich. Das räumte eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage von NDR 1 Niedersachsen ein. Sie führte diese Fehlinformation auf ein Missverständnis zurück, das aufgrund der vom Unternehmen verwendeten Fachsprache zustande gekommen sei. Zuerst hatte die "Neue Osnabrücker Zeitung" darüber berichtet. In dem Labor wird das von Kunden gelieferte Uran auf seine Qualität überprüft. Die Radioaktivität sei minimal, sagte die Sprecherin. Unklar ist noch immer, was den Brand ausgelöst hatte. Das untersuchen derzeit Mitarbeiter des Gewerbeaufsichtsamts, des Umweltministeriums, der Polizei und des Landesamtes für Naturschutz. Seit dem Brand ruht die Produktion, 80 der 300 Mitarbeiter des Unternehmens sind betroffen.

Experten messen keine erhöhte Radioaktivität in der Luft

Nach dem Feuer kontrollierten Experten in der Umgebung der Anlage erneut die Luft auf Schadstoffe. Es sei keine erhöhte Radioaktivität gemessen worden, für die Bevölkerung habe keine Gefahr bestanden, sagte eine Sprecherin des Umweltministeriums.

Grüne fordern Sondersitzung

Ein Nachspiel hat der Vorfall indes auf politischer Ebene: Die Grünen im Niedersächsischen Landtag haben am Freitag eine Sondersitzung des Umweltausschuss beantragt. Miriam Staudte, atompolitische Sprecherin der Grünen, sagte, die Brennelementefabrik dürfe erst wieder in Betrieb gehen, wenn die Brandursache restlos geklärt ist. Einen Schritt weiter geht Filiz Polat: Die Bundestagsabgeordnete der Grünen aus dem Landkreis Osnabrück fordert eine sofortige Stilllegung der Brennelementefabrik und des Atomkraftwerks Lingen.

Oberbürgermeister verweist auf "höchste Sicherheitsstandards"

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) verwies darauf, dass nur der Bund über eine Schließung entscheiden könne, sein Ministerium aber als zuständige Aufsichtsbehörde entscheide, "wenn die technischen Voraussetzungen nicht mehr gegeben sind". Nun ginge es aber darum, den Sachverhalt "lückenlos" aufzuklären, sagte Lies. Lingens Oberbürgermeister Dieter Krone (parteilos) betonte, dass bei der Brennelemente-Fabrik "höchste Sicherheitsstandards zum Schutz der Bevölkerung gelten". Die Ermittlung der Ursachen des Brandes seien wichtig, um derartige Vorfälle künftig ausschließen können, so Krone.

Mehr als 150 Rettungskräfte vor Ort

Das Feuer war am Donnerstag gegen 19.40 Uhr ausgebrochen. Nach anderthalb Stunden war der Brand gelöscht. Niemand wurde verletzt. Laut einem Feuerwehrsprecher handelte es sich zwar um einen "Kleinbrand" mit den Ausmaßen von etwa 40 mal 40 Zentimetern, der mit CO2-Löschern gelöscht werden konnte. Trotzdem löste der Vorfall einen Großeinsatz von Feuerwehr und Rettungskräften aus. Insgesamt waren rund 150 Retter vor Ort. Das Gebäude, in dem sich bei Ausbruch des Feuers noch Mitarbeiter befunden hätten, wurde zwischenzeitlich evakuiert.

Weitere Informationen

Stichwort: Die Brennenelementefabrik Lingen

In der Nähe des AKW Lingen fertigt Advanced Nuclear Fuels (ANF) Brennelemente mit dem Brennstoff Urandioxid an. Diese werden in andere Länder exportiert und in AKW-Reaktoren eingesetzt. mehr

Umstrittene Anlage

Die Fabrik liegt in der Nachbarschaft des Kernkraftwerks Emsland. Umweltverbände fordern seit Längerem die Schließung der Anlage. Denn die Fabrik in Lingen liefert uranhaltige Brennelemente unter anderem an belgische Atomkraftwerke, die als unsicher gelten. Die Brennelementefabrik ist vom deutschen Atomausstieg ausgenommen

Bereits der dritte Zwischenfall in Lingen

Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) forderte am Freitag die sofortige Stilllegung der Anlage. Der BBU hatte schon zuvor eine Stilllegung gefordert - und zwar erst wenige Stunden vor dem Feuer am Donnerstag. In einer Presseerklärung verwies der BBU dabei auf zwei meldepflichtige Ereignisse in jüngster Vergangenheit.

  • Das Umweltministerium als zuständige Aufsichtsbehörde meldete am 4. Dezember Risse, die an einem Reaktionsbehälter in der Trockenkonversionsanlage entdeckt worden waren.

  • Am 7. November veröffentlichte das Ministerium, dass in derselben Anlage eine Fehlfunktion in der Wasserdampfversorgung aufgetreten sei. "Aus Sicht des BBU ist der Anlagenbetrieb nicht länger hinnehmbar", teilte der BBU mit. Laut Umweltministerium hatten die beiden Ereignisse "keine oder eine sehr geringe sicherheitstechnische Bedeutung".

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 10.12.2018 | 07:30 Uhr

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